Dannstadt-Schauernheim RHEINPFALZ Plus Artikel Flüchtlingscafé: Bei Kaffee und Kuchen Kontakte knüpfen

Einfach mal unbeschwert miteinander reden oder auch spielen: Flüchtlingscafés haben sich seit 2015 bewährt.
Einfach mal unbeschwert miteinander reden oder auch spielen: Flüchtlingscafés haben sich seit 2015 bewährt.

Mal unbeschwert nette Gespräche führen oder Karten spielen, während in der Heimat der Krieg tobt – das Flüchtlingscafé für Ukrainer in Dannstadt ist weitaus mehr als nur eine willkommene Ablenkung von einem sinnlosen Krieg.

Im Dannstadter Kulturhof Schrittmacher duftet es nach Kaffee – Kekse, Kuchen und sogar eine Torte stehen auf dem Tisch. Die hat am Morgen einer spontan vorbeigebracht. „Alle wollen irgendwie etwas tun“, sagt eine Helferin hinterm Tresen. Ortsbürgermeisterin Manuela Winkelmann (CDU) nickt: „Diese Hilfsbereitschaft ist überwältigend.“ Nur wenige Telefonanrufe habe es sie gekostet, Helfer zu finden, die sich nun jeden Montag um das Flüchtlingscafé kümmern.

Am Tisch sitzen Irina und Anastasia, ihre Kinder spielen unbeschwert zusammen, so wie es sein soll – eigentlich. Nina ist auch da, sie ist die älteste hier: Die 61-Jährige ist mit ihrer Tochter und den zwei Enkelsöhnen (zehn und elf Jahre alt) vor etwa zwei Wochen nach Schauernheim gekommen. Sie flohen aus einer von Russland besetzten Region im Süden der Ukraine, aus Wasyliwka, keine drei Stunden Autofahrt von Mariupol entfernt. Ihr Mann ist dortgeblieben, kämpfen müsse er mit 62 zum Glück nicht mehr. Wäre er nur zwei Jahre jünger, wäre er von der russischen Armee eingezogen worden, hätte möglicherweise gegen seine eigenen Landsleute in den Krieg ziehen müssen, erzählt Nina und schaut besorgt.

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Dankbar über Hilfsbereitschaft

Ninas Enkel sind an diesem Vormittag in der Schule. Sie erzählt, dass es ihnen dort gut gefällt und alles sehr gut klappt, ein Enkelsohn sei sogar schon zu einem Kindergeburtstag eingeladen worden. Sie sei so dankbar, wie sie hier in Deutschland aufgenommen worden sind. „Spasiwa“, sagt sie leise auf Russisch. Das muss Evgenia Alexseeva nicht übersetzen.

Evgenia Alexseeva stammt aus St. Petersburg, lebt seit etwa zehn Jahren mit ihrem Mann Bernd Schwehm in der Verbandsgemeinde, ist eigentlich Übersetzerin für Englisch und Russisch und dolmetscht nun hier ehrenamtlich im Flüchtlingscafé. Ein Segen für alle, denn die Sprachbarriere lässt sich auch mit Übersetzungsapps nicht immer überwinden, wie eine nette Dame erzählt, die namenlos bleiben möchte. Sie beherbergt Irina und ihre zwei Töchter bei sich zu Hause in Hochdorf und hat sie hierher begleitet. Schon in Assenheim besuchten sie das Flüchtlingscafé im Alten Rathaus. Irina kam vor etwa drei Wochen aus Krematorsk – jene Stadt, in der vor wenigen Tagen Raketen in einem Bahnhofsgebäude einschlugen, etwa 50 Menschen starben, Hunderte wurden verletzt. Irina erhielt die Nachricht übers Handy, „es war sehr schwer für sie“, erzählt ihre Herbergsmutter. Zum Glück geht es Irinas Mann und ihren Verwandten gut, übers Handy sind sie in Kontakt.

Frauen haben viele Fragen

Das Café lenkt ein wenig davon ab – und das soll es auch, betont Manuela Winkelmann. Doch es ist an diesem Tag noch viel mehr: Die Frauen nutzen die Gelegenheit, der Ortsbürgermeisterin und den anderen Helfern die Fragen zu stellen, die ihnen auf den Nägeln brennen. „Wie lange können wir denn überhaupt in den Wohnungen bleiben?“, fragt Irina besorgt. „Und wer bezahlt den Strom und das Wasser, das wir hier verbrauchen?“, fragt Anastasia. Winkelmann versucht, ihnen die Sorgen zu nehmen und greift zum Telefon. Sie möchte eine Mitarbeiterin der Verbandsgemeinde zum nächsten Café einladen, die die Fragen beantworten kann – übersetzt von Evgenia Alexseeva. Und die kommt im Laufe des Vormittags richtig in Stress, eine Frage folgt der anderen: Wo ist der nächste Kinderarzt? Wie bekomme ich Medikamente? Wo ist das Sozialamt? Darf man auch als Rentner arbeiten? Der Ortsbürgermeisterin wird klar: „Wir müssen uns besser vernetzen.“ Spontan wird per WhatsApp eine Gruppe eröffnet und rege Nummern ausgetauscht.

Nina notiert sich alles in ihr kleines Buch. Sie ist bei Verwandten in Schauernheim untergekommen, alle müssen zusammenrücken. Ob sie sich vorstellen könnte, hier zu bleiben? Sie muss überlegen, die Antwort liegt zu weit in der Zukunft. Vielleicht, sagt sie, wenn die Enkel hier besser aufgehoben wären und sie sich hier wohlfühlen. Für Anastasia ist dieser Gedanke ganz weit weg: „Ich habe eine Familie, Freunde, eine Wohnung, ein Leben in Odessa“, sagt die 24-Jährige, die mit ihrem dreijährigen Sohn vor dem Krieg geflohen ist. Sie sagt es mit Optimismus in der Stimme. Alle wollen sie den Gedanken nicht aufgeben, dass es eine Zukunft in ihrer Heimat gibt.

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