Rhein-Pfalz Kreis Firmen fühlen sich schikaniert
An der Ecke Kleinniedesheimer/Gutenbergstraße in Bobenheim-Roxheim soll am heutigen Mittwoch der vierte Absperrbügel installiert werden. Sattelzüge können dann nicht mehr über den Bürgersteig fahren, aber sie kommen vermutlich auch nicht mehr um die Kurve, sodass sie die Firmen in der ehemaligen DHL-Halle nicht mehr erreichen. Die Existenz seines Betriebs stehe auf dem Spiel, sagt Nedo Drvar, Inhaber der Firma nd-logistik.
Die Entscheidung des Gemeinderats, alle vier Ecken der Kreuzung mit Pollern zu versehen, um Fußgänger zu schützen, haben die Chefs der in der Gewerbehalle ansässigen Firmen aus der RHEINPFALZ und wenig später auch aus einem Brief der Gemeindeverwaltung erfahren. Sie fühlen sich schikaniert. „Die Politik in Bobenheim-Roxheim lautet: Alle Lkw müssen weg“, sagt Nedo Drvar von der Spedition nd-logistik, die seit zehn Jahren mit 18 Mitarbeitern in einem Teil der früheren DHL-Immobilie tätig ist. Er hat acht Lastwagen, die seinen Angaben zufolge das Gelände in der Gutenbergstraße nur zum Parken benutzen. „Ein- bis dreimal täglich wird hier ein- oder ausgefahren“, sagt Drvar. Und: „Meine Laster kämen hier spielend rein und raus.“ Erst seit die Gemeinde mit dem Aufstellen von Pollern angefangen habe, gebe es Probleme mit dem Kurvenradius und dem Überfahren von Gehwegsecken. Davon betroffen ist auch das Unternehmen Abacus Resale GmbH, das mit gebrauchten und neuwertigen Pumpen, Motoren und Armaturen handelt. Etwa einmal pro Woche sei die Firma auf Materiallieferungen angewiesen, „und wir können der Spedition nicht vorschreiben, welche Fahrzeuge sie dafür nehmen soll“, sagt Prokurist Andreas Walla, der die Abteilung Einkauf & Vertrieb leitet. Damit spielt er auf den Vorschlag von Dorfpolitikern an, die Firmen könnten ja kleinere Wagen benutzen, die besser um die enge Kurve zwischen Kleinniedesheimer und Gutenbergstraße kommen. Unrealistisch sei auch der Vorschlag, den Speditionslaster außerhalb abzustellen und die Lieferungen in kleinen Transportern aufs Firmengelände zu schaffen. Wallas Beobachtung, wenn Sattelzüge kommen: „Die brauchen wegen der Pfosten mehrere Minuten zum Rangieren. Das verlängert für die Anwohner doch nur unnötig die Störung.“ Er und Nedo Drvar weisen darauf hin, dass es früher schon Versuche der Gemeinde gegeben habe, den Lkw-Verkehr in dem Gewerbegebiet zu erschweren. Auf Fotos ist festgehalten, dass es mal ein „Radweg kreuzt“-Schild auf dem Gehweg gab. In Verbindung mit einem der ersten Eckenpoller sei Lastern das unfallfreie Abbiegen so gut wie unmöglich gemacht worden. Das Schild sei dann zunächst nach innen gedreht und dann ganz entfernt worden. „Es gibt ja auch gar keinen Radweg an der Stelle“, sagt Nedo Drvar, „alles Schikane“. Sein Vorschlag zur Lösung des Problems in dem schlecht erschlossenen Gewerbegebiet lautet: Wenn schon keine Umgehungsstraße gebaut wird, dann sollte doch wenigstens der Feldweg von der Kleinniedesheimer Straße aus in Richtung Süden ausgebaut werden. Auf die Idee ist die Gemeinde auch schon gekommen, doch Eigentümer von benötigten Grundstücken hatten etwas dagegen. Seit Nedo Drvar und Andreas Walla der RHEINPFALZ im November diese ihre Sicht auf das Problem dargelegt haben, sind mehr als drei Wochen vergangen. Unternommen haben die beiden nichts. Noch nicht mal einen Protestbrief haben sie an die Gemeinde geschrieben. „Wir wollen erst mal abwarten, wo genau der Poller hingesetzt wird und ob die Lkw nicht doch noch um die Kurve kommen“, sagt Drvar auf Anfrage. Wenn der Weg zum Firmenparkplatz tatsächlich blockiert wird – davon geht die Gemeindeverwaltung aufgrund von Aussagen der Kreisverwaltung aus – steht sein Betrieb still, das weiß der Unternehmer. „Und es wird schwer, etwas Neues im Raum Worms zu finden.“ Ihren Lampertheimer Vermieter haben nd-logistik und Abacus Resale auch nicht in die Pflicht genommen. Er besitzt laut Gemeinde für die aktuelle Nutzung der ehemals vom Paket- und Briefzusteller DHL genutzten Immobilie keine Genehmigung und wird sie, wie man hört, zum Jahresende verkaufen. Dass sie illegal auf dem Gelände ansässig sein sollen, ist Drvar und Walla nicht bekannt. Sie fragen sich, was an ihrer Nutzung so anders sein soll als bei DHL. Auf die Frage der RHEINPFALZ, was genau der Grund für die Ablehnung einer Baugenehmigung war, gab es bis gestern keine Auskunft im Kreishaus.