Speyer / Speyerer Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Finanzchef des Bistums: „Wir haben keine blühenden Landschaften vor uns“

Leitet seit 2009 die Abteilung Finanzen und Immobilien im Bistum Speyer: Peter Schappert.
Leitet seit 2009 die Abteilung Finanzen und Immobilien im Bistum Speyer: Peter Schappert.

Der Kirche laufen Gläubige davon, die Einnahmen sinken. Wie steht es um die katholische Kirche? Peter Schappert, Diözesanökonom des Bistums Speyer, gibt einen Einblick.

Herr Schappert, welche Rolle spielt Geld in der katholischen Kirche?
Es ist wie im normalen Leben: Wenn man etwas haben will, das Geld kostet, muss man Geld haben, um es zu bezahlen.

Hat das Bistum Speyer denn noch genug Geld?
Das Bistum wird in den kommenden Jahren leicht sinkende Kirchensteuereinnahmen haben. Gleichzeitig werden die Aufwendungen in allen Bereichen höher. Insofern haben wir nicht mehr so viel Geld für die Dinge, die wir bisher hatten.

Wo muss denn nun gespart werden?
Darauf hat sich die Diözese schon vor drei Jahren in einem Strategieprozess verständigt und hat alle Bereiche im Haushalt in Segmente eingeteilt. Für jedes Segment wurde der Anteil der Kirchensteuereinnahmen definiert und dabei auch ein abschmelzender Prozentsatz festgelegt. Damit wird, auch bei den geringeren Einnahmen, eine gewisse Sicherheit im Eigenkapital auf Dauer gewährleistet. Insgesamt wird in jedem Bereich gespart.

Wie viel Geld steht dem Bistum jedes Jahr zur Verfügung und woher kommen diese finanziellen Mittel?
Wir rechnen ungefähr mit einem Kirchensteueraufkommen von 130 Millionen Euro jährlich. Dazu kommen an staatlichen Zuweisungen noch einmal 20 Millionen Euro und weitere kleinere Posten. Das heißt, es geht um ein Volumen zwischen 150 und 160 Millionen Euro.

Welche Ausgaben stehen dem gegenüber?
Dem gegenüber steht die gesamte Seelsorge in den Pfarreien, die mehr als die Hälfte dieses Betrags braucht. Dazu gehören auch die Kindertagesstätten in den Pfarreien, weitere kleinere, aber nicht unbedeutendere Bereiche wie übergemeindliche Seelsorge etwa Krankenhäuser, der gesamte karitative Bereich, wie die Zuschüsse an den Caritas-Verband, darüber hinaus finanzielle Mittel für die Schulen, Hochschulen und Bildung sowie als großer Teil die Verwaltungsaufgaben der Diözese und noch mehrere kleinere Aufwendungen für Klöster, Orden und nahestehende Körperschaften.

Der größte Anteil, für den es Geld braucht, ist also die Seelsorge?
Nicht nur der größte Teil, sondern alle Aufwendungen sind für die Seelsorge bestimmt. Die Kirchensteuer und alle genannten Bereiche sind dafür da, dass Seelsorge geschieht. Indirekt gilt das auch für die Verwaltung. Es gibt keine Kostenstellen in unserem Haushalt, die sich nicht auf die Seelsorge beziehen.

Sie haben eben auch Kitas angesprochen. Es kommt vermehrt vor, dass Kommunen die Baulast von Kita-Gebäuden übernehmen. Die Kirche gibt kein Geld für die Unterhaltung aus. Warum ist das so?
Zunächst einmal ist es so: Wer eine Kita betreibt, muss auch dafür bezahlen. Im zweiten Schritt kommt dazu, dass eine Kita – in Rheinland-Pfalz ist das seit den 1990er-Jahren so – als eine öffentliche Aufgabe gilt, die den Kommunen zufällt. Daraus ergibt sich zum Beispiel auch der Anspruch für Eltern auf einen Kita-Platz für jedes Kind und die Beitragsfreiheit. Das bedeutet, dass die Kita keine Refinanzierungsmöglichkeit über einen Elternbeitrag hat. Die Kirche betreibt Kindertagesstätten aus guter Tradition und übernimmt damit den oben beschriebenen kommunalen Auftrag. Sie leistet in diesem Bereich das, was sie kann. Faktisch sind das bezogen auf die Gesamtaufwendungen dieser Einrichtungen ein Anteil an den Personal- und Sachkosten und bisher die gesamten Overhead-Kosten, also zum Beispiel die Verwaltung. Die Gebäude werden je nach Verhandlung vom Träger oder von einer Kommune finanziert. Bei uns in der Diözese ist es so, dass wir seit 1995 sukzessive Kita-Gebäude an Kommunen abgeben beziehungsweise Vereinbarungen abschließen, in denen es heißt, dass die Kommune die Baulast oder geringer vielleicht eine einzelne Renovierung übernimmt. Die katholischen Kirchenstiftungen sind bei zirka der Hälfte der Kita-Gebäude noch Eigentümerinnen und damit für die Gebäude verantwortlich. In diesen Fällen geben die Kommunen bei konkreten, größeren Renovierungen oft große finanzielle Zuschüsse.

Jetzt sind wir schon in den einzelnen Kommunen. Wie wird das Geld verteilt? Wie viel Geld fließt in die Pfarreien Heiliger Christophorus Waldsee, Heilige Hildegard Dudenhofen, Seliger Paul Josef Nardini Germersheim und in die Dompfarrei Pax Christi in Speyer?
Jede Pfarrei erhält, ohne einen Grund und ohne einen Nachweis zu führen, am Anfang des Vierteljahres eine Schlüsselzuweisung aus den Kirchensteuern für ihre Ausgaben. Das Geld ist gedacht für Personalausgaben, Gebäudekosten, aber auch für Ansparungen für größere Investitionen. Diese Schlüsselzuweisung bemisst sich an der Anzahl der Katholiken. Zu dieser Schlüsselzuweisung kommt ein Baukostenzuschuss, wenn eine bestimmte Maßnahme durchgeführt wird. Für Dudenhofen waren das für das Jahr 2024 eine halbe Million Euro. Das betrifft den Pfarrheim-Neubau in Dudenhofen. Für die Pfarrei Speyer steht hier eine Null. Es gab dort keine Baumaßnahme im Jahr 2024, die bezuschusst wurde. Für das gesamte Gebiet der Pfarrei in Waldsee ist ein kleiner Betrag von 27.000 Euro ausgewiesen. Für Germersheim steht der stattliche Betrag von 1,15 Millionen Euro, weil dort die Pfarrkirche renoviert wird.

Wir haben jetzt über die Zuschüsse für Gebäude gesprochen. Welche Zuweisungen vonseiten des Bistums für die Pfarreien gibt es noch?
Ein weiterer Posten an die Pfarreien sind die Zuweisungen für Kitas, also Personal- und Sachkosten, von denen wir es schon hatten. Diese liegen in den vier genannten Pfarreien immer im sechsstelligen Bereich zwischen 220.000 und 500.000 Euro. Also ein sehr stattlicher Betrag. Zum Vergleich: Die Schlüsselzuweisungen in diesen Pfarreien liegen zwischen 54.000 und 300.000 Euro. Der Betrag, der in Kitas fließt, ist also zirka doppelt so hoch wie der Betrag für die Schlüsselzuweisungen. Darüber hinaus erhalten alle Pfarreien die Personalkosten der Pfarrsekretariate, das sind in den vier genanten Pfarreien Beträge zwischen 100.000 und 170.000 Euro. Ein kleinerer Posten im dreistelligen Bereich war für Freizeitmaßnahmen für Familien und Jugendliche. Und im letzten Jahr haben wir noch die sogenannte Winterhilfe gewährt. Das war ein karitativer Posten, der von zwei der vier Pfarreien abgerufen wurde, jeweils im kleineren vierstelligen Bereich.

Also können Sie den Vorwurf, dass das Bistum seinen Pfarrgemeinden kein Geld, etwa für Baumaßnahmen, gibt, so nicht stehenlassen?
Nein. Im Schnitt hat jede der vier genannten Pfarreien im vergangenen Jahr gut eine Million Euro erhalten.

Und wer ist für die Aufteilung des Geldes innerhalb der Pfarrei zuständig?
Die Schlüsselzuweisung kann jede Pfarrei selbst aufteilen. Die Zuweisungen für Kitas sind für Kitas. Bei den Zuweisungen für Baumaßnahmen läuft es so ab: Die Pfarrei sagt zum Beispiel, dass sie den Kirchturm renovieren will. Das Bauamt prüft und stimmt dann gegebenenfalls anschließend zu, und die Renovierung wird genehmigt. Dabei wird berücksichtigt, ob es die Renovierung wirklich braucht, ob sie angemessen ist, die Denkmalpflege gesichert ist und die Handwerker die Arbeiten ausführen können. Mit der Genehmigung wird auch gleich ein fester Zuschuss, zum Beispiel bei Pfarrkirchen 50 Prozent der Kosten, gewährt. Die Genehmigung hängt somit von der Notwendigkeit der Baumaßnahme und dem Vergleich aller Pfarreien ab, also ob finanzielle Mittel jetzt oder erst später vorhanden sind.

Dem Bistum wird in Zukunft weniger Geld zur Verfügung stehen – auch weil Menschen aus der Kirche austreten und damit keine Kirchensteuer mehr bezahlen. Was bedeutet das für die Pfarreien?
Wir sehen, dass unsere Einnahmen sanft abschmelzen. Wenn wir heute 130 Millionen Euro zur Verfügung haben, haben wir morgen vielleicht noch 128 Millionen Euro und so weiter. Gleichzeitig sehen wir eine Inflation. Das heißt, dass der Geldwert bis zum Jahr 2030 ungefähr um 10 bis 20 Prozent sinken wird. Gleichzeitig schmilzt der Anteil für die Kirchengemeinden vom Jahr 2023 bis 2030 um ein weiteres Viertel. Das ist extrem. Ein hoher Anteil des Geldes für die Kirchengemeinden fließt in Personal. Diese Personen brauchen wir, es sind Pfarrer, Pastoralreferenten, Gemeindereferenten, Diakone, Kapläne und Kooperatoren. Es gilt daher die Maxime, eher in Personal als in Gebäude zu investieren. In der Folge können wir natürlich nur weniger Gebäude unterhalten, als wir heute haben. Die Abgabe von Kirchen ist nichts Neues: Wir geben seit dem Jahr 2000 jährlich im Schnitt eine und seit dem Jahr 2020 zwei bis drei Kirchen auf. Das gab es auch schon, wenn auch nicht in dieser Anzahl, in den letzten Jahrhunderten. Das Allerheiligenkloster an der Sparkasse in Speyer oder die Jesuitenkirche sind Beispiele. Es wird so kommen, dass wir neben anderen kirchlichen Gebäuden auch eine nennenswerte Anzahl von Kirchen in mittlerer Zukunft nicht mehr als Kirchen haben werden.

Können Sie schon Kirchen nennen, die aufgegeben werden?
Das ist Sache der Pfarreien. Die Kirchen sind Eigentum der jeweiligen Kirchenstiftungen. Die Willensbildung, was mit den Kirchen geschieht, liegt bei den Verwaltungsräten in den einzelnen Pfarreien. Deswegen kann ich dazu nichts Konkretes sagen. Wir haben innerhalb des letzten halben Jahres in fünf Kirchengemeinden gesehen, dass der Verwaltungsrat entschieden hat, eine Kirche aufzugeben. Anschließend folgt der Prozess, wie das Gebäude verwertet werden kann.

Welche Möglichkeiten gibt es und wie kommt das bei den Gläubigen vor Ort an?
Zunächst einmal stellt eine Gemeinde fest, dass sie das Gebäude nicht mehr braucht, und das führt zur sogenannten Profanierung. Profan heißt in diesem Kontext verweltlichen. Sobald eine Kirche profaniert ist, ist sie für uns keine Kirche mehr, sondern nur noch ein Gebäude, bei dem entschieden werden muss, wie die Eigentümerin, die Kirchenstiftung, weiter damit umgeht. Das kommt bei den Gläubigen unterschiedlich an. Wenn Gebäude sehr beliebt sind und viele Erinnerungen damit verbunden sind, sind die Entscheidung und der Prozess sehr umstritten und schwierig. Es gibt aber auch Gebäude, bei denen dieser Prozess sehr schnell geht. Wir haben in der Diözese derzeit eine Gemeinde, die noch vor nicht allzu langer Zeit sehr lebendig war, und bei der die Profanierung ohne Rückmeldungen erfolgte, also sehr bemerkenswert. Ich denke, dass den Gläubigen in diesem Fall bewusst war, dass man sich etwas nur leisten kann, wenn man die nötigen Mittel dazu hat. Welche emotionale Dimension jeweils mitschwingt, hängt von den Betroffenen vor Ort ab. Ich habe manche sehr gefasst erlebt, anderen fällt der Abschied von ihrer Kirche sehr schwer.

Was die Gemeinden ebenfalls beschäftigt ist die Strukturreform 2027. Welche Rolle spielen dabei die Finanzen?
Ich sehe bei der Strukturreform keinen direkten finanziellen Bezug. Die Reform reagiert zunächst auf eine Personalnotlage. Dabei gilt: Die Seelsorgerinnen und Seelsorger, die wir haben, werden wir brauchen und ordentlich bezahlen. Einsparungen, die direkt aus der Strukturreform erwachsen, sind derzeit nicht angezielt.

Schwindet der Einfluss der Kirche auch, weil sie in Zukunft weniger Geld zur Verfügung hat?
Einfluss misst sich erstens an Inhalten, die wir verkünden; zweitens an bestimmten Möglichkeiten zur Weitergabe und Kommunikation, das sind vor allem die Menschen, die verkündigen; und drittens an den technischen Medien. Besonders für den letzten Teil werden wir weniger Geld haben, und deshalb wird der Einfluss der Kirche sinken. Wie stark er schwindet, wird davon abhängen, wer aus welchen Mitteln was macht.

Blicken Sie als Finanzchef optimistisch in die Zukunft?
Bei abnehmenden Einnahmen bin ich nicht sehr optimistisch. Unsere Aufgabe ist es, in dieser Situation ordentlich zu wirtschaften, damit kirchliches Leben in dem Rahmen, den wir haben, gut gelingt. Dass das möglich ist, glaube ich schon. Insofern bin ich auch optimistisch. Wir haben aber keine blühenden Landschaften vor uns, sondern es geht eher darum, wie wir kleiner und trotzdem gut wirksam sind.

Müsste Kirche aber gerade in diesen herausfordernden Zeiten nicht eine wichtigere Rolle spielen und einer Gesellschaft Halt geben?
Davon bin ich überzeugt! Wir erleben ein Auseinanderfallen der Gesellschaft. Wir könnten ein Scharnier zwischen den verschiedenen Gruppen, auch über die Konfessionen und das Christentum hinaus sein. Zum Kern der christlichen Botschaft gehört es gerade, dass wir Menschen zusammenführen und dass wir, wenn es schwierig wird, nicht hoffnungslos werden. Die Kirche ist gut und kann zukunftsfähig sein, wenn wir sinnvoll mit den Ressourcen umgehen, die wir haben.

Zur Person

Peter Schappert (62 Jahre) stammt aus Pirmasens und ist seit 2009 Leiter der Hauptabteilung Finanzen und Immobilien im Bistum Speyer. Er wurde 1992 zum Priester geweiht und war von 2005 bis 2007 Generalvikar des Bistums. Er gehört seit 20 Jahren dem Domkapitel an, das die Gesamtverantwortung für den Speyerer Dom hat und auch für die Erhaltung zuständig ist.

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