Frankenthaler umland
Feuerwehrübungen in Kleingruppen wieder möglich
Für die Feuerwehren ist die Corona-Krise eine Herausforderung, denn was jetzt alles zur Verhinderung von Infektionen beachtet werden muss, macht den Brandschutz nicht gerade einfacher. Die Übungen wurden wegen der Pandemie Mitte März auf Geheiß des Landes abgesagt, und es gab keine Treffen mehr in den Gerätehäusern. Jetzt gibt es wieder eine Perspektive, berichtet Thiemo Seibert, Wehrleiter in der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim. Kreisweit werde erarbeitet, wie die Einheiten die gelockerte Richtlinie des Landesfeuerwehrverbands umsetzen können und sollen.
Dabei wird es auf Standardübungen in Kleingruppen und unter den vorgegebenen Abstands- und Desinfektionsregeln hinauslaufen, sagen Seibert und sein Bobenheim-Roxheimer Kollege Kai Neiheiser. „Wir teilen unsere Feuerwehr in zwei große Züge auf, die sich nicht vermischen“, so Neiheiser. Jede Gruppe werde noch mal geteilt, sodass nur neun, zehn Leute bei einer Übung mitmachten. 55 Aktive hat Neiheisers Truppe, „doch davon können derzeit nicht alle in den Einsatz“, zum Beispiel weil manche bestimmten Berufs- oder auch Risikogruppen angehörten.
Bei jedem Einsatz Masken
Ausgerückt wird grundsätzlich mit Mundschutz. Bei einem Flächenbrand sei es für die Wehrleute kein Problem, den Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten, sagt der Wehrleiter der Verbandsgemeinde Leiningerland, Markus Ittel. Wenn hingegen zwei Mann zum Bedienen eines C-Rohrs gebraucht würden, gehe das eben nur mit Masken. Wenn nötig würden höherwertige Masken, Atemschutzgeräte und Einweganzüge getragen, berichtet Kai Neiheiser.
Die Ausstattung mit Schutzmasken und -kleidung, die zeitweise nur zu horrenden Preisen zu bekommen waren, bezeichnen alle drei Wehrleiter inzwischen als ausreichend. „Zusätzlich zu den Masken, die uns die Verbandsgemeinde zur Verfügung gestellt hat, wurden wir außerdem noch mit Stoffmasken ausgestattet“, sagt Ittel.
Thiemo Seibert ergreift anlässlich der RHEINPFALZ-Anfrage die Gelegenheit, allen Bürgern zu danken, die seine Leute mit selbst genähtem Mund-Nasen-Schutz versorgt haben. „Da hatten wir eine ganz, ganz große Resonanz auf unseren Aufruf. Das hat uns sehr gefreut.“ Weil die 140 Aktiven der Lambsheim-Heßheimer Wehr für Einsätze auf der Süd-Müll-Deponie gerüstet sein müssen, gebe es immer ein gewisses Kontingent an FFP2-Masken, Anzügen und Schutzbrillen, sagt Seibert.
Weniger Unfälle, mehr Türöffnungen
Wie er hat auch Kai Neiheiser einen Rückgang an Einsätzen verzeichnet, nachdem das öffentliche Leben stark eingeschränkt worden war. Das heißt vor allem: weniger Verkehrsunfälle. Rauchmelderalarm kam dagegen häufiger vor, und seit ein paar Wochen häufen sich laut Seibert die Fälle von medizinischen Notfällen, in denen Haustüren geöffnet werden müssen.
Alle drei Wehrleiter halten ihre Einheiten für uneingeschränkt einsatzfähig. Markus Ittel erinnert an den Wohnungsbrand am 26. April in Laumersheim: „Da haben wir zwölf Wehrleute mit Pressluftatmern eingesetzt.“ Thiemo Seibert nennt den Brand am 9. April im Süd-Müll-Wertstoffzentrum in Heßheim als Beweis. Auch an der körperlichen Fitness ihrer Kollegen zweifeln sie nicht. Allerdings: Die Mannschaftsfahrzeuge rückten wegen des Abstandsgebots nicht mehr voll besetzt aus, und Personal, das sicherheitshalber zum Einsatzort gebracht wurde, aber dann doch nicht benötigt wird, werde frühestmöglich wieder entlassen.
Was wird mit der Jugendfeuerwehr?
Was Sorgen bereitet, ist eher der Verlust an Gelegenheiten, die Kameradschaft zu pflegen. „Es fehlen die Kontakte, das Zusammensitzen nach den Übungen“, sagt Seibert. Der digitale Austausch über Skype, Zoom oder WhatsApp sei dafür kein Ersatz. Kai Neiheiser denkt außerdem an die reaktivierte Bobenheim-Roxheimer Jugendfeuerwehr, deren Treffen wohl noch eine ganze Weile ausfallen müssen. „Natürlich besteht da die Angst, dass die Kinder abspringen.“ Die Entscheidung, wann und unter welchen Bedingungen die Jugendarbeit wieder aufgenommen wird, orientiere sich an den Vorgaben, die für Schulen gelten.