Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Feldsalat: Undankbar, aber lecker

Kontrollieren am Ende der Waschstraße die Qualität: Thomas und Justyna Beck.
Kontrollieren am Ende der Waschstraße die Qualität: Thomas und Justyna Beck.

Wer an Dudenhofen und Gemüse denkt, der denkt mit großer Wahrscheinlichkeit an Spargel. Aber auch anderes gedeiht auf hiesigen Äckern prächtig. Ein Beispiel: Feldsalat.

Das Urteil des Bauern klingt ein wenig hart: „Feldsalat ist eine undankbare Kultur“, sagt Thomas Beck. Aber was er damit meint, wird schnell klar, wenn der Dudenhofener vorführt, was alles passiert, bis die schmackhaften Blätter auf dem Teller landen. Eingeladen zu dem informativen Nachmittag hatte vor wenigen Tagen der örtliche Spargel- und Gartenbauverein um dessen Vorsitzenden Johann Josef Grill. Thomas Beck baut Feldsalat auf zirka 20 bis 25 Hektar an – und das schon seit rund 20 Jahren. Ein Hektar liefere zwischen 2000 und 4000 Kilo Ertrag – im Schnitt 400 Gramm pro Quadratmeter. Im Frühjahr und dann wieder zwischen August und Ende September säe er ihn kontinuierlich auf seinen Feldern ein, damit er ihn einige Wochen später ernten kann. Drei bis vier Millionen Körner werden pro Hektar Acker verteilt.

Feldsalat gibt es in verschiedenen Sorten. „Nach Elixir sind die Kunden ganz verrückt“, nennt Beck ein Beispiel. Sie habe den Vorteil eines kurzen Stiels. Ein bisschen gespritzt und gedüngt werden die Pflanzen während ihres Wachstums. „Denn niemand will gelben Feldsalat haben“, weiß der Landwirt. Dann gibt es noch „Faktoren, die wir nicht beeinflussen können“, wie Beck sagt. Dazu gehört die Witterung, aber auch ob sich Vögel an den Pflanzen gütlich tun.

Für den Einsatz des Vollernters müssen die Bedingungen perfekt sein.
Für den Einsatz des Vollernters müssen die Bedingungen perfekt sein.

Per Hand oder mit Vollernter

Interessant wird es bei der Ernte, denn dann muss sich Beck zwischen zwei Varianten entscheiden: Schnell ist die Arbeit mit dem Vollernter erledigt, dessen Funktionsweise er am laufenden Gerät erklärt. „Damit hole ich in einer Stunde mehr raus als mit zehn Leuten, die acht Stunden draußen sind“, veranschaulicht Beck. Der Traktor mit der angehängten Maschine fährt dabei mit langsamer Geschwindigkeit über den Acker. Ein Messer, das per Knopfdruck abgelassen wird, bewegt sich dabei quer zur Fahrtrichtung hin und her. Dabei schneidet es den Salat über den Wurzeln ab, so dass dieser über ein Förderband direkt in Transportkisten transportiert wird. Der Nachteil dieser Methode: „Der Vollernter holt alles raus, was auf dem Feld wächst“, erklärt Beck. Sein Einsatz sei daher nur sinnvoll, wenn alles passe von der Sortenreinheit bis zur Bodenbeschaffenheit.

Weil das nicht so häufig der Fall ist, wird bei Thomas Beck immer noch 80 Prozent des Feldsalats per Hand geerntet. „Per Hand kann man besser selektieren“, sagt der Landwirt. Mit speziellen abgeknickten Messern, die es in Rechts- und Linkshändervarianten gibt und die regelmäßig geschliffen werden müssen, wird der Salat dabei dicht über dem Boden abgeschnitten. „Das ist sehr aufwendig und eine echte Knochenarbeit, die auf die Knie geht“, berichtet der Bauer. Die Tätigkeit erledigt bei ihm eine Handvoll Erntehelfer aus Rumänien.

Der Salat durchläuft mehrere Waschgänge.
Der Salat durchläuft mehrere Waschgänge.

Ist der Feldsalat geerntet, muss er gewaschen werden, denn zwischen den Blättern ist jede Menge Erde, die dem Kunden nicht zugemutet werden soll. Damit dieser möglichst sauberen Salat bekommt, gibt es auf Thomas Becks Hof eine eigene Feldsalat-Waschmaschine. Das Gemüse wird dabei zunächst auf ein Förderband geschüttet, das es bis zu einer Wanne transportiert, die Beck „Whirlpool“ nennt. Durch Luft, die in das Wasser geblasen wird, wird die Erde von den Salatblättern gelöst und als Schlamm in einen eigenen Container befördert. „Der Sand kommt wieder auf den Acker“, berichtet Beck.

Weitere Waschgänge

Für den Feldsalat geht es auf dem Förderband weiter ins Innere einer Halle. Dort warten ein zweiter und seit ein paar Jahren sogar ein dritter Waschgang. „Wenn es beim Reinbeißen geknirscht hat, hat mich das genervt“, erklärt der Landwirt schmunzelnd die Investition. Ein Rüttelband sorgt dafür, dass das Gemüse trocknet. Am Ende der Waschstraße sortieren Beck und seine Mitarbeiter dann noch gelbe oder angefaulte Blätter aus.

Gelbe oder angefaulte Blätter werden aussortiert, während der Salat über das Förderband transportiert wird.
Gelbe oder angefaulte Blätter werden aussortiert, während der Salat über das Förderband transportiert wird.

Weil der eigene Hofladen nur während der Spargelzeit geöffnet ist, hat Beck verpackten Feldsalat auf einem Tisch bereitgestellt. Kunden können sich dort selbst bedienen und werfen das Geld in eine Kasse. Der Großteil der Ernte geht sowohl in den Direktvertrieb als auch in den Lebensmittel-Einzelhandel. „Manche Kunden sind sehr pingelig“, berichtet Beck. Sei der Salat nicht perfekt, werde reklamiert. „Da können auch schon mal 2000 bis 3000 Kilogramm zurückkommen“, sagt Beck. Oft müsse er die Ware dann wegwerfen. „Wir haben schon viel Lehrgeld bezahlt“, erzählt der Landwirt. Was als besonders unfair empfindet, dass er unter Umständen sogar doppelte finanzielle Einbußen hat, wenn die Ware nicht akzeptiert wird: „Wenn es dumm läuft, muss ich sogar eine Konventionalstrafe zahlen“, sagt Beck. „Da braucht man sich nicht wundern, wenn die jungen Bauern nicht weitermachen wollen.“ Ein gutes Nervenkostüm sei in jedem Fall nötig beim Geschäft mit dem Salat. Es müssten auch große Mengen produziert werden, damit genug Gewinn hängenbleibe. Der Spargel-Verkauf sei im Vergleich dazu etwas entspannter. Das beliebte Gemüse könne in verbilligter Form auch an den Mann und die Frau gebracht werden, wenn es mal nicht perfekt gewachsen sei.

Geerntet wird mit speziellen abgeknickten Messern.
Geerntet wird mit speziellen abgeknickten Messern.
Mehr zum Thema
x