Römerberg RHEINPFALZ Plus Artikel Feine Tropfen und gepimpte Leberwurst: Schlender-Weinwanderung kommt gut an

Gut gelaunt bei bestem Wetter: Kultur- und Weinbotschafter Volker Sümnig führt bei der Schlender-Weinwanderung durch die Rebzeil
Gut gelaunt bei bestem Wetter: Kultur- und Weinbotschafter Volker Sümnig führt bei der Schlender-Weinwanderung durch die Rebzeilen der Gemeinde.

Beim Weinbau denkt man nicht gleich an Römerberg. Seit Samstag wissen rund 40 Menschen mehr. Dank Weinbotschafter Volker Sümnig – und Gaumenschmeichlern wie „Frieda“.

Ein Gespräch zwischen Kultur- und Weinbotschafter Volker Sümnig und Thomas Sartingen war die Keimzelle einer Idee, auf deren Umsetzung augenscheinlich viele gewartet haben. Sartingen ist Vorsitzender des Heimat- und Brauchtumsvereins Römerberg und als solcher natürlich aufgeschlossen für Themen, die sich mit der Historie im Ort befassen. Das Ergebnis des Gesprächs ist eine Schlender-Weinwanderung durch die Rebzeilen der Gemeinde.

Sümnig ist begeistert vom Zuspruch, zeigt der doch das Interesse am Besonderen vor der Haustür. „Das Reizvolle an der Weinwanderung ist, dass wir ganz vieles entdecken, was wir bisher nicht kannten“, fasst er im RHEINPFALZ-Gespräch zusammen. Zu den alten Weinlagen hat er einiges zu erzählen, aber auch zur Geschichte des Ortes.

Spaß, Genuss und Wissen

„Die Veranstaltung soll eine Kombination aus Spaß, Genuss und Wissen sein“, betont Sümnig, der Wert auf Dialog legt. Bevor es den steilen Weg – der einzige in zwei Stunden – durch vier Rebzeilen des Römerberger Winzers Tobias Schmidt hinauf geht, zitiert Sartingen aus dem Buch „Daheim in Römerberg“ von Werner Jester: „Im Dorf Berghausen wurde der älteste deutsche Wein gefunden und zwar in einer mit Öl abgedichteten Flasche.“

Wie sich der Weinbau entwickelt hat, schmecken die Teilnehmer an fünf Stationen. Secco Frieda ist der prickelnde Anfang, bevor Schmidt an der Spitze der ersten Rebzeilen den Riesling Alte Rebe kredenzt. Die Trauben, Pflanzjahr 1964, bringen hervorragende Qualität, hebt er zum „typischen Riesling, mineralisch, mit schöner Fruchtsäure“, hervor.

Dazu gibt’s gepimpte Leberwurst in Blätterteig aus Sümnigs Küche. Als Kultur- und Weinbotschafter legt er Wert auf Harmonie. Der süße Apfel, mit der die Leberwurst verfeinert wurde, korrespondiert auf der Zunge perfekt mit dem Riesling.

„Müssen uns im Vergleich nicht verstecken“

„Es gibt rund 350 eingetragene Einzellagen“, erklärt Sümnig: „Drei davon sind in Römerberg.“ Den Narrenberg, den Alten Berg und den Schlittberg nennt er. Mit dem Narrenberg weist die Gemeinde sogar die niedrigste Weinlage mit gerade mal knapp über 90 Metern vor.

Sümnig weiß, dass über derlei Details nicht gleich nachgedacht wird, wenn das Gespräch auf Römerberg kommt. „Aber wir müssen uns im Vergleich zu Orten an der Haardt nicht verstecken“, betont er. Dazu passt Schmidts Info zu gut 14 Hektar bewirtschafteter Fläche. Die bringen auch einen Cabernet Blanc hervor, mit der der Winzer auf das Klima reagiert.

„Wie die Landschaft ist auch der Weinbau im Wandel“, stellt Schmidt heraus. Immer heißer werdende Sommer bedeuten Sonnenbrand für frei hängende Trauben. Da helfen sogenannte Piwi-Sorten. Die brauchen weniger Pflanzenschutz und sind von Haus aus weniger anfällig, was schon der Name verrät: Piwi bedeutet pilzwiderstandsfähig.

Während die Wanderer schluckweise genießen, erfahren sie von Sümnig einiges über Geologie, Geografie und den verschwundenen Ortsteil Machenheim. „Es sollen rein wirtschaftliche Gründe gewesen sein, weshalb der nicht mehr existiert“, sagt Sümnig. Heiligenstein zugesprochen worden sei Machenheim. Sartingen weiß: „Um die Geschichte streiten sich die Gelehrten.“

Ein Fakt sorgt für Skepsis

Bevor es nach einem Blick auf die Sandgrube und Sartingens Info zum dort entdeckten Gräberfeld zum letzten Testschluck aus Schmidts Flaschen und zum Abschluss bei ihm auf den Hof geht, gibt’s einen Exkurs von Heinrich Middendorf. Er steht mit Adelheid Schultz für das Weingut Feldschütz und überrascht mit einem „Gemischten Satz Piwi Pfalz 2024“, einer Cuvée aus Sauvignac, Donauriesling und Bronner, einer 1975 in Freiburg gezüchteten Piwi-Sorte.

Sümnigs Rechnung geht auf. Spaß, Genuss und Wissen werden optimal kombiniert. Nur einen Fakt können die Wanderer nicht glauben: „Das Weinbauklima bei uns wird als kühl kontinental eingestuft.“ Das Thermometer zeigt knapp über 30 Grad.

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