Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel FDP-Politiker Jürgen Creutzmann denkt ans Aufhören

Seit einem halben Jahrhundert politisch aktiv: Jürgen Creutzmann.
Seit einem halben Jahrhundert politisch aktiv: Jürgen Creutzmann.

Jürgen Creutzmann ist aus der Politik nicht mehr wegzudenken. Zusammengerechnet saß das FDP-Urgestein mehr als 100 Jahre in Parlamenten. Am Sonntag wird der Dudenhofener 75 Jahre alt. Obwohl ihm die Politik weiterhin viel Spaß macht, denkt er ans Aufhören und nennt einen Zeitpunkt.

Eigentlich wollte Jürgen Creutzmann seinen Geburtstag groß feiern und auch seine Weggefährten Rainer Brüderle und Volker Wissing einladen. Das lässt er aufgrund der Corona-Pandemie jedoch sein. „Ich will niemanden gefährden“, sagt er. Der Dudenhofener findet es schade, dass das Miteinander wegen des Virus schwieriger geworden ist. „Am Wochenende saßen wir auf dem Landesparteitag mit Maske und 1,50 Metern Abstand am Vorstandstisch. Das ist nicht schön, aber wir können Kontakt haben“, sagt Creutzmann, der seit 37 Jahren Schatzmeister der rheinland-pfälzischen FDP ist.

Was ihn in dieser Funktion „sehr schmerzt“ ist, dass solche Veranstaltungen aufgrund der Corona-Vorgaben teurer sind. Vor der Pandemie habe ein Parteitag 3000, 4000 Euro gekostet, diesmal seien 20.000 Euro fällig geworden, weil die Halle größer sein musste und entsprechende Ausstattung notwendig war, sagt der studierte Betriebswirt.

Erfahrener Wahlkämpfer

Beim Parteitag wurde Daniela Schmitt als Spitzenkandidatin für die Landtagswahl gekürt. Der erfahrene Wahlkämpfer Creutzmann hat ihr mit Blick auf die Corona-Beschränkungen bereits Besuche bei sozialen Einrichtungen, Betrieben und Start-ups statt der klassischen Wahlkampfveranstaltungen empfohlen. Es gebe so viele Möglichkeiten, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, sagt er und nennt auch die modernen Medien, die verstärkt genutzt werden sollten. Denn der 74-Jährige ist sich bewusst: „Bei Wahlveranstaltungen kamen immer die eigenen Parteifreunde und nicht die Besucher, die man gerne hätte.“

Von Volker Wissing, der zuletzt zum Generalsekretär der Liberalen gewählt wurde, erhofft sich Creutzmann „mehr Schwung, dass er seine Kompetenz in Wirtschafts- und Finanzfragen nutzt“. Das werden aufgrund der Pandemie und der damit verbundenen Wirtschaftskrise die Themen der nächsten Jahre sein, ist sich der Dudenhofener sicher.

Die Digitalisierung sieht er als „Riesenchance“ an. Bei der BASF, wo er zuletzt bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2006 als Prokurist für das Rechnungswesen von etwa 50 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften verantwortlich war, habe er bereits erlebt, wie eine Mitarbeiterin mit Kind von zu Hause aus gearbeitet habe. Das setze viel Eigenverantwortung voraus. Allerdings brauche es Flexibilität, wenn die Individualität des Menschen gefördert werden solle, findet Creutzmann. Er sieht die Corona-Krise deshalb als Chance an und sagt, dass durch Homeoffice Büroräume und CO2 wegen wegfallender Autofahrten gespart werden könnten.

Nach vorne gewählt

Creutzmann lebt für die Politik. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande saß fünf Jahre im Europaparlament, zehn Jahre im Bezirkstag, elf Jahre im Landtag und gehört aktuell noch dem Dudenhofener Ortsgemeinderat, dem Verbandsgemeinderat und dem Kreistag an. Die Arbeit mache ihm „viel Spaß und viel Freude“, sagt der Jubilar, der regelmäßig Nachrichten schaut, „viele Meldungen“ liest und sich derzeit vor allem für den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf interessiert. Nebenbei pflege er dadurch sein Englisch.

Auch wenn Creutzmann ein durch und durch politischer Mensch ist, soll sein Wirken bald ein Ende haben. „Es wird Zeit, dass ich aufhöre“, sagt er. Diese Legislaturperiode werde die letzte sein, kündigt Creutzmann an und bekräftigt, dass er nicht mehr auf einer Liste kandidieren werde – auch nicht auf einem hinteren Platz. Denn von dort wurde er bereits nach vorne in Gremien gewählt. Am Ende der Legislaturperiode, im Frühjahr 2024, ist er 78 Jahre alt und würde dem Kreistag dann 35, dem Ortsgemeinderat mit einer Unterbrechung 30 und dem Verbandsgemeinderat 50 Jahre angehören. Wenn es die Partei befürworte, werde er sich im nächsten Frühjahr noch einmal als FDP-Schatzmeister auf Landesebene zur Wahl stellen. Dann hätte er dieses Amt insgesamt 40 Jahre inne. „Ich mach’s gerne“, sagt Creutzmann und erwähnt, dass er „mit nichts in der Kasse“ angefangen habe und die Partei nun über ein Vermögen von 1,1 Millionen Euro verfüge.

Der Dudenhofener kann sich ein Leben ohne politische Gremiensitzungen „sicher“ vorstellen. „Mir wird nicht langweilig“, sagt er. Seine Freizeit verbringt er mit täglichem Fahrradfahren. „Bewegung ist Leben“ hat Creutzmann verinnerlicht. Für sein neues Lebensjahr wünscht er sich Gesundheit, denn „die ist das Allerwichtigste, was Sie haben können“. Seinen Ehrentag wird der Jubilar im kleinen Kreis mit seiner Frau, seinen zwei Kindern und den vier Enkeln bei einem Essen im Elsass begehen.

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