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Will an der Spitze der FDP-Liste für die Landtagswahl 2021 in den Wahlkampf ziehen: Wirtschaftsstaatssekretärin Daniela Schmitt.
Will an der Spitze der FDP-Liste für die Landtagswahl 2021 in den Wahlkampf ziehen: Wirtschaftsstaatssekretärin Daniela Schmitt.

Spät hat sich die FDP für die Landtagswahl 2021 aufgestellt. Daniela Schmitt soll die Partei in den Wahlkampf führen. Hinter Parteichef Wissing ist sie bisher kaum öffentlich durchgedrungen. Aber es ist etwas anderes, was sie von den Frontfrauen Dreyer (SPD) und Spiegel (Grüne) grundlegend unterscheidet.

Neulich in Hornbach bei Zweibrücken: Wirtschaftsstaatssekretärin Daniela Schmitt wirbt in Wanderschuhen für die Premiumwege in Rheinland-Pfalz – sieben Kilometer auf dem Paradiesgartenweg, ein paar Dutzend Leute, gute Gespräche. Die stellvertretende FDP-Landesvorsitzende geht gerne auf Menschen zu – und die Menschen gehen unbefangen auf sie zu. Denn kaum jemand weiß, wer sie ist.

Dabei macht sich Daniela Schmitt auf den Weg, eine führende Politikerin im Land zu werden. Bei der Landtagswahl am 14. März 2021 tritt die 48-Jährige aus Alzey als FDP-Spitzenkandidatin an. Der Landesvorstand hat es im August so beschlossen, nachdem die lange gehegten Berlin-Pläne von FDP-Landeschef und Wirtschaftsminister Volker Wissing gereift waren. Er ist designierter Generalsekretär der Bundespartei und soll diese Woche, am 19. September, gewählt werden.

Beliebt und geachtet in der Partei

Schmitt ist beliebt und geachtet in der Partei. Es gibt keine Zweifel, dass sie bei der Listenaufstellung im November ein ordentliches Ergebnis einfahren wird. Aber die Mitglieder sorgen sich: „Wissing ist nun mal das Zugpferd“, bringt es jemand auf den Punkt. Seinen kurzfristig angekündigten Abschied nehmen ihm manche übel. Dass er Schmitt nicht für die wenigen verbleibenden Monate sein Ministeramt überlässt, damit sie in der ersten Reihe stehen kann, auch.

„Ich möchte gerne mit meinen Ideen überzeugen und nicht mit meiner Visitenkarte“, sagt Schmitt zu der Debatte. „Ich bin dagegen, mit Staatsämtern zu jonglieren, um einen vermeintlichen Vorteil für die Partei herauszuholen.“ Es sind fast die gleichen Worte, die Wissing selbst gewählt hat. „Mit Staatsämtern spielt man nicht.“

Klare Hierarchie und gegenseitige Loyalität

Die beiden sind ein enges Gespann – mit klarer Hierarchie und gegenseitiger Loyalität. Schmitt räumt offen ein, dass sie auch mit Platz zwei hinter Wissing zufrieden gewesen wäre. Ihr Führungsanspruch folgt seinen Plänen. Wenn sie davon spricht, dass sie Lust auf die Führungsrolle hat, wird die Stimme etwas energischer.

Nach Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Integrationsministerin Anne Spiegel (Grüne) ist Schmitt die dritte Frau in der Mainzer Ampelkoalition, die ihre Partei in den Wahlkampf führen wird. Männer greifen aus der Opposition an: Christian Baldauf (CDU) und Michael Frisch (AfD). Dreyer und Spiegel bezeichnen sich selbst als Feministinnen. Unter Dreyer als Ministerpräsidentin ist die Staatskanzlei weiblicher geworden. Sie lädt zur Frauenwerkstatt ein und sie hat einen Frauenpreis ins Leben gerufen.

„Noch nie als Nachteil erlebt, Frau zu sein“

Schmitt dagegen scheint es fast unangenehm zu sein, auf die Frauenfrage angesprochen zu werden. Mit der Frauenquote tue sie sich schwer, sagt die Liberale. „Aber ich weiß, wir müssen was verändern.“ Das ist wohl doch der grundlegendste Unterschied zu den Mitbewerberinnen.

Ihre Sicht auf die Wirtschaft, die Partei und die Geschlechterfrage hat mit ihrer Vita zu tun. „Ich habe es noch nie als einen Nachteil erlebt, Frau zu sein.“ Karriere hat sie bis zur Ernennung als Wirtschaftsstaatssekretärin 2016 in der Bankenbranche gemacht. Wenn sie dafür wirbt, dass die gesellschaftliche Anerkennung der beruflichen Bildung der akademischen gleichgestellt werden müsse, weiß sie, wovon sie spricht.

Berufsbegleitend studiert

Schmitt verließ die Schule nach der Mittlere Reife und ging in die Lehre – zur Sparkasse. Erst später studierte sie berufsbegleitend, unter anderem Bankbetriebswirtschaft an der Frankfurt School of Finance and Management. Von der Sparkasse wechselte sie zur Volksbank, wo sie zuletzt Führungsverantwortung hatte – als Direktorin für die Regionalmärkte Bingen/Ingelheim und Mainz.

Der frühere Wirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage warb sie 2006 für die FDP. Fünf Jahre später übernahm Schmitt den Vorsitz des Liberalen Mittelstands und zwei Jahre später, 2011, wurde sie Volker Wissings Stellvertreterin an der FDP-Spitze. Es war die Zeit der Aufbauarbeit, denn die Partei lag am Boden. Sie war nicht nur 2011 aus dem Landtag, sondern 2013 auch aus dem Bundestag geflogen. Es gab Teile in Politik und Gesellschaft, die die FDP schon abgeschrieben hatten. Wer sich damals engagierte, konnte nicht auf einen Posten und einen Dienstwagen spekulieren. So ging es auch Schmitt: „Tagsüber arbeitete ich in meinem anspruchsvollen Beruf, abends fuhr ich für die FDP quer durchs Land – und saß bei Veranstaltungen manchmal in der dritten Reihe.“

Schmitt handelte den Koalitionsvertrag mit aus

Aber die FDP hat sich zurückgekämpft. Wissing an der Spitze, Daniela Schmitt dahinter. Sie handelte den Koalitionsvertrag mit aus, wurde Staatssekretärin, Amtschefin im Wirtschaftsministerium. Sie ist viel unterwegs im Land – bei Unternehmen, Kammern, Verbänden. Hans-Artur Bauckhage hat es vorgemacht. Ihn hat der frühere Landesvorsitzende Rainer Brüderle als „Mr. Mittelstand“ bezeichnet. Aber Bauckhage hatte damals schon ein Ministeramt und war bekannt, wenn auch nicht so wie Brüderle.

Alleine mit Unternehmen und Kammern sei die Wahl nicht zu gewinnen, heißt es skeptisch in der Partei. Hätte es eine Alternative zu Schmitt gegeben? Andi Becht, der zweite Staatssekretär im Wirtschaftsministerium? Oder Philip Fernis, Staatssekretär im Justizministerium? Oder Cornelia Willius-Senzer, die Fraktionschefin? Nein ist der allgemeine Tenor. Aber Angst vor der Fünf-Prozent-Hürde macht sich breit. 2016 holte die FDP 6,2 Prozent bei der Landtagswahl – und zog in die Regierung ein. Will sie das wieder schaffen, muss die Spitzenkandidatin aus Wissings Schatten treten. Wanderschuhe sind sicher ein Mittel, aber ausreichen wird das auch nicht.

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