Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Faule Tomaten

Braunfäule macht Tomaten ungenießbar.
Braunfäule macht Tomaten ungenießbar.

Es ist ein echtes Trauerspiel, was sich da gerade in vielen Gärten der Region abspielt. Vor Kurzem standen da noch kräftige Tomatenpflanzen voller grüner Früchte, die langsam begannen, rot zu werden. Nun sind die Blätter und Früchte braun. Braunfäule lautet die Diagnose von Pflanzendoktor Sebastian Hauptmann, und die Prognose sieht nicht gut aus.

Für dieses Jahr macht der pensionierte BASF-Pflanzendoktor wenig Hoffnung auf eine Ernte. Doch er hat Tipps, wie sich Gärtner in Zukunft vor einem solchen Totalausfall schützen können. Er erklärt, was es mit dieser Pflanzenkrankheit auf sich hat: Braunfäule tritt immer mal wieder auf, aber so extrem wie dieses Jahr kommt es zum Glück nicht so oft vor. Ursache sind die vielen Regenfälle in den letzten Wochen. Der Pilz Phytophthora infestans fühlt sich wohl und der löst die Pflanzenkrankheit aus.

Er befällt nicht nur Tomaten, sondern auch Kartoffeln, daher heißt die Krankheit auch Kraut- und Knollenfäule. „Schuld an der Misere im Hausgarten sind deshalb vor allem die vielen Kartoffelfelder hier in der Vorderpfalz“, erklärt Hauptmann. Schon seit mehr als drei Wochen entdeckt er gelbe und braune Flecken auf den Blättern der Kartoffelpflanzen, Anzeichen dafür, dass hier schon der Phytophthora infestans hockt. Von den Blättern der Kartoffeln gelangen die Pilzsporen mit den Westwinden auf die Tomatenpflanzen in den Gärten. „Das Gros der Pilzsporen kommt tatsächlich von den Kartoffelfeldern. Der Pilz wird aber auch durch kontaminierte Gartengeräte oder Erde übertragen“, erklärt Hauptmann.

Befallene Blätter und Früchte in die Biotonne

In diesem Jahr hat der krankmachende Pilz optimale Bedingungen, denn er liebt es feucht und warm. Dauerregen hat er gar nicht mal so gern, weil da die Sporen von den Blättern gewaschen werden, aber über regelmäßige Regenfälle freut er sich.

Als Erste-Hilfe-Maßnahmen sollten Hobbygärtner befallene Blätter und Früchte abtrennen und in die Biotonne werfen, nicht in den Kompost. Es ergebe wenig Sinn, infizierte Tomaten noch ausreifen zu lassen, denn sie schmeckten nicht mehr. „Das Einzige, was jetzt helfen würde, wäre eine lange Trockenperiode, in der der Pilz austrocknet, aber danach sieht es nicht aus“, sagt Hauptmann. Für dieses Jahr müssen die Tomatenträume wohl beerdigt werden. Doch man kann sich schon einmal Gedanken für den Tomatenanbau für das nächste Jahr machen.

Mit Spiritus gegen Pilzsporen

Wichtig ist es, die Pflanzen trocken zu halten. Etwa durch eine Überdachung oder einen Folientunnel. Bei Regen sollte man die Planen herunterhängen lassen und danach wieder hochrollen oder regelmäßig lüften. Denn eine hohe Luftfeuchtigkeit unter dem Tunnel ist schlecht. „Nicht abends gießen und nie übers Laub.“

Tomatenstäbe sollten vor dem Einsatz im Frühjahr mit Spiritus abgerieben werden, um möglicherweise daran haftende Pilzsporen zu vernichten. Wer genug Platz im Garten hat, soll den Standort für die Tomaten jedes Jahr wechseln. Ist das nicht möglich, sollte die Erde hin und wieder ausgetauscht oder eine Schicht Ackerboden oder Gartenerde aufgebracht werden. Auch tiefes Umgraben hilft, den schädlichen Pilz unter die Erde zu bringen und von den Tomatenpflanzen fernzuhalten. Hauptmann hat noch einen weiteren Trick: Im Frühjahr den Boden um die jungen Pflanzen mit Grasschnitt bedecken, dann kann der Pilz bei Regen nicht von der Erde auf die Pflanzen zurückspringen.

Feld- oder Endiviensalat als Ersatz

Außerdem gebe es in Gartenmärkten wirksame Spritzmittel auf Kupferbasis. Die sollten im Abstand von zwölf bis 14 Tagen bis etwa ein bis zwei Wochen vor der Ernte aufgebracht werden. Richtig resistente Pflanzen, denen Braunfäule überhaupt nichts anhaben kann, gebe es kaum. Allerdings seien schon Unterschiede bei den verschiedenen Sorten zu bemerken. Philovita, Primabella und Primavera etwa seien widerstandsfähiger.

Dieses Jahr lässt sich wohl nicht mehr viel retten. Also, wenn es zu schlimm ist: Tomaten rausreißen und Feldsalat oder Endiviensalat anbauen.

Zur Sache: Ein Nachtschattengewächs

Tomaten sowie Kartoffeln oder Paprika gehören zu den Nachtschattengewächsen. Das heißt aber nicht, dass sie im Schatten der Nacht wachsen. Der Begriff Nachtschatten kann auf die Pflanze Solanum nigrum, den Schwarzen Nachtschatten, zurückgeführt werden. Ein Gebräu aus dem Schwarzen Nachtschatten soll gegen Albträume helfen – das glaubten zumindest die Menschen im Mittelalter. Ein Albtraum wurde früher übrigens auch Nachtschaden genannt. Und die Wörter Schaden und Schatten sollen verwandt sein. Dieser Schwarze Nachtschatten jedenfalls hat wie 2000 andere Pflanzen, die zu seiner Familie gehören, besondere Inhaltsstoffe: die Alkaloide. Alle diese Pflanzen werden deshalb Nachtschattengewächse genannt. Die Alkaloide stellen einen Schutz vor Fressfeinden dar, da sie oftmals giftig sind und vor allem bei Säugetieren und dem Menschen auf das zentrale Nervensystem wirken und unter anderem Halluzinationen auslösen. Sie können auch bis zum Tod führen. Als Rauschmittel bekannte Nachtschattengewächse sind die Schwarze Tollkirsche und das Schwarze Bilsenkraut. Zur Pflanzenfamilie der Nachtschattengewächse gehören aber auch Nutzpflanzen wie Tomate, Kartoffel oder Paprika. Das Alkaloid der Tomate ist das Solanin. Es steckt in unreifen Tomaten. Mit zunehmender Reife nimmt das Solanin aber ab.

Alles Tomaten!
Alles Tomaten!
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