Dannstadt-Schauernheim Faszination Weihnachtskrippe: Jede hat ihre eigene Geschichte

Ganz klein: Die Krippe in einer Mohnkapsel ist 4,5 Zentimeter groß.
Ganz klein: Die Krippe in einer Mohnkapsel ist 4,5 Zentimeter groß.

Krippen sind so vielfältig, wie die Menschen, die sie kaufen, schnitzen, töpfern, nähen, malen. Und unter den Weihnachtsbaum stellen. Oder an einen anderen Ort zu Hause. Denn manche Krippen sind unglaublich winzig. Zum Staunen. Wie die Weihnachtsgeschichte vielleicht selbst.

Es gibt sie in jeder Größe und aus verschiedenen Materialien. Manche sind verspielt und bunt, andere dagegen ganz schlicht. Einige Familien haben sie vielleicht schon von den Großeltern geerbt, während andere sie sich selbst in einem Geschäft oder auf einem Markt ausgesucht haben. Sie alle haben das gleiche Thema, und doch sind Weihnachtskrippen nahezu so vielfältig wie die Menschen, die sie sich unter den Baum stellen.

Einen Einblick in diese Vielfalt erhalten die Besucher der Krippenausstellung im protestantischen Gemeindehaus Schauernheim am ersten Adventswochenende. Mehr als 20 Krippen präsentiert die zur protestantischen Kirchengemeinde gehörende Initiative „Aktiv in Schauernheim“ am Samstag und Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr in weihnachtlicher Atmosphäre.

Viele Kinder kennen Krippen nicht

Die Idee dazu hatte Organisatorin Helga Petersen bereits vor zehn Jahren. „Solange träume ich schon davon“, sagt die 87-Jährige. Auf ihre Anregung hin habe sich die Gemeinde seinerzeit um die Planung kümmern wollen, berichtet sie. Nachdem die Realisierung aber auf sich habe warten lassen, habe sie einen neuen Anlauf unternommen. „Dann kam Corona“, erklärt Petersen, warum auch dieser Versuch scheiterte.

Umso mehr freut sich die Schauernheimerin, dass es nun endlich soweit ist. Wenn sich am Samstag die Türen des Gemeindehauses öffnen, wünscht sie sich vor allem eines: „Leuchtende Kinderaugen und zufriedene Omas und Opas.“ Ihr geht es vor allem darum, den jungen Besucherinnen und Besuchern diese Tradition näherzubringen. „Wir haben überquellende Klassenzimmer, aber so etwas steht nicht auf dem Lehrplan“, bedauert sie. Sie selbst habe schon erlebt, dass Kinder im Grundschulalter nicht einmal den Begriff „Krippe“ kannten.

Bei der Ausstellung können sie nun viele verschiedene Krippen bewundern, die Privatleute aus dem Ort und umliegenden Gemeinden für diesen Zweck zur Verfügung stellen. So zeigt etwa Lothar Distler aus Mutterstadt eine Krippe, die er vor 50 Jahren erworben hat. „Sie stammt von einem Schnitzer im Bayerischen Wald“, verrät er. Maria, Josef, das Jesuskind und die weiteren Figuren sind handgeschnitzt und handbemalt.

Aus Ton und bunt bemalt sind dagegen die Figuren einer Krippe aus der Provence, die eine Bürgerin aus Schauernheim präsentiert. Diese Santons de Provence, wie die traditionellen Figuren heißen, haben ihren Ursprung in der Zeit der Französischen Revolution, als die Menschen ihre Krippen selbst herstellen und heimlich zu Hause aufstellen mussten. Die Besitzerin stammt selbst aus Frankreich und hat ein Stück Heimat mit in die Pfalz gebracht.

Farbenfrohe orientalische Kleider tragen die 20 bis 25 Zentimeter großen Krippenfiguren von Wolfgang und Brigitte Kälin aus Dannstadt. „Dazu passend haben wir dann noch Kamele in der Türkei und Tunesien gekauft“, sagt Brigitte Kälin. Den Stall habe ein Bekannter extra für sie gebaut. Schließlich passen so große Figuren nicht in gewöhnliche Krippen, da brauch es schon eine Eigenanfertigung

Winzig klein ist dagegen eine Krippe, die Helga Petersen selbst bei der Ausstellung zeigt. Eine Mohnkapsel bietet der heiligen Familie ein Dach über dem Kopf. Die Figuren sind dabei aus Körnern gefertigt und tragen Kleider aus Getreideschalen. „Ich habe sie vor rund 60 Jahren auf einem Flohmarkt in Bremen gekauft“, erinnert sich die 87-Jährige. Seither hält sie sie in Ehren und bewahrt sie unter einer Glaskuppel auf, damit sie nicht beschädigt wird.

Eine weitere Krippe von Helga Petersen stammt aus Polen. Sie war ein Geschenk eines polnischen Gastarbeiters, dem sie vor fast 50 Jahren geholfen hatte und mit dem sie bis heute befreundet ist. Eine Schindel sei absichtlich schief angebracht, erklärt die Schauernheimerin. Maria und Josef seien dem Glauben nach in einem zerfallenen Stall untergekommen. „Um das nicht zu vergessen, werden polnische Krippen mit einem kleinen Defekt gefertigt.“

Jeder Krippe hat ihre eigene Geschichte

So haben alle Krippen ihre Besonderheiten und ganz eigenen Geschichten. Es ist Helga Petersen eine Herzensangelegenheit, den Raum zu bieten, diese Geschichten kennenzulernen. Dafür soll auch die Atmosphäre stimmen: „Es wird nach Tannen duften, und wir zünden echte Kerzen an“, verspricht sie. „Es soll ein ausschließlich emotionales Event werden.“

Und weil Kinder ja häufig nicht nur anschauen, sondern auch anfassen möchten, gibt es eine Spielecke mit Krippen und Zubehör, die ausdrücklich zum Spielen freigegeben sind. „Zutaten“ für diese Kinderecke seien noch willkommen, sagt Helga Petersen, die nun hofft, dass viele Kinder kommen und sich für diese Weihnachtstradition begeistern.

Termin

Die Krippenausstellung im protestantischen Gemeindehaus Schauernheim, Hintergasse 14, öffnet am Samstag und Sonntag, 2. und 3. Dezember, jeweils von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt sowie weihnachtliches Gebäck und alkoholfreie Getränke sind frei.

Eine polnische Krippe mit handgeschnitzten Figuren.
Eine polnische Krippe mit handgeschnitzten Figuren.
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