VG Rheinauen
Fasnachtsumzüge: Freundlich, aber resolut für die Sicherheit
Tatjana Matzat sitzt bereits vor 8 Uhr an ihrem Schreibtisch im Rathaus in Altrip und geht ihre Checkliste durch. Die 51-Jährige arbeitet seit 25 Jahren im kommunalen Vollzugsdienst, seit sieben Jahren ist sie bei der Verbandsgemeinde Rheinauen angestellt. Ihre Checkliste beinhaltet den Zeitplan, was wann wo passiert sein muss, damit die Fasnachtsumzüge in Waldsee und Neuhofen reibungslos über die Bühne gehen können. Der kommunale Vollzugsdienst, der am Dienstag mit insgesamt acht Personen bei den beiden Umzügen im Einsatz ist, kontrolliert die Aufstell-, Umzugs- und Umleitungsstrecken.
In Waldsee fußt alles auf einem etwa 25-seitigen Sicherheitskonzept, das die Ordnungsbehörde der Verbandsgemeinde Rheinauen in Absprache mit dem als Veranstalter auftretenden Karnevalverein Uno und der Polizei erstellt hat. „Man glaubt gar nicht, wie viel Arbeit drei Stunden Umzug sind und wie viele Personen damit beschäftigt sind“, sagt Tatjana Matzat. Die erfahrende Vollzugsbeamtin hat keinen Bammel vor zahlreichen Besuchern, die bei frühlingshaften Temperaturen und Sonnenschein nach Waldsee kommen, weil im Umkreis alle Umzüge abgesagt wurden. „Wir sind gut organisiert“, begründet sie ihre Ruhe und verweist auf die vielen Besprechungen im Vorfeld.
Eine Änderung im Polizei- und Ordnungsbehördengesetz hat es notwendig gemacht, dass das Sicherheitskonzept noch einmal sorgfältig zusammengeschrieben werden musste. Unter anderem wurde beim Parkkonzept und bei der Beschilderung nachgebessert, und es wurde eine Durchsage für die Einsatzkräfte für den Katastrophenfall vorbereitet, wenn der Umzug aufgrund eines Vorfalls hätte abgebrochen werden müssen. Ansonsten seien die Beteiligten in Waldsee in Sachen Sicherheit schon in der Vergangenheit sehr gut aufgestellt gewesen, sagt Simon Schneider, stellvertretender Leiter der Ordnungsbehörde.
15 Wagen, 43 Fußgruppen und zwei Musikkapellen sind für den Umzug angemeldet. Die Fahrzeuge müssen Tüv-geprüft sein. An jedem Wagen müssen Ordner mitlaufen, damit keine Personen, vor allem Kinder, zu nah kommen. In der Neuhofener Straße, in der sich die Teilnehmer ab 11 Uhr aufstellen, auf der Umzugsstrecke in der Ludwig-, Kanal- und Schifferstadter Straße sowie in der Goethestraße, die als Umleitung dient, haben die Bauhofmitarbeiter „in Knochenarbeit“ in den vergangenen Tagen zahlreiche Haltverbotsschilder aufgestellt.
Brille und Kulli als Waffen
Und damit beginnt auch Tatjana Matzats Außendienst. Sie zieht sich ihre acht Kilogramm schwere stich- und schusssichere Schutzweste an, schnappt sich Schlagstock, Pfefferspray und Handschellen und ihre „wichtigsten Waffen: Brille und Kulli“, wie sie sagt. Denn die 51-Jährige will den Bürgerinnen und Bürgern ebenbürtig und freundlich begegnen. Schlagstock, Pfefferspray und Handschellen kommen nicht zum Einsatz, sondern dienen nur der Sicherheit. Die Vollzugsbeamtin holt ihre Kollegin Simone Wagner ab und beide machen sich in ihrem Dienstfahrzeug auf den Weg durch Waldsee.
Am Dienstag herrscht in den genannten Straßen ab 9 Uhr Haltverbot. Nicht jeder hält sich daran. Zwischen 9 und 12.30 Uhr sind die beiden Beamtinnen in ihrem Fahrzeug immer wieder auf der Umzugs- und Umleitungsstrecke unterwegs. Sie werden von Fasnachtern freundlich gegrüßt, winken und rufen den Narren auch „Ahoi“ und „Helau“ entgegen. Wer sein Auto im Haltverbot abgestellt hat, bekommt einen Strafzettel. In einigen Fällen kommen die Fahrer herbeigeeilt. Einmal springt ein Fahrzeug nicht an, der Halter hat sich bereits um ein Pannehilfe-Unternehmen gekümmert und versichert den Beamtinnen, dass das Fahrzeug rechtzeitig von der Umzugsstrecke entfernt ist.
Einmal wird’s teuer
Wenn nicht klar ist, wem ein im Haltverbot stehendes Auto gehört, und auch das Klingeln bei den Anwohnern keinen Erfolg bringt, rufen Matzat und Wagner ihre Kollegin im Rathaus an, die sich um eine Halterabfrage kümmert. Vier Mal müssen die beiden Vollzugsbeamtinnen diesen Weg wählen. Wenn das Fahrzeug nicht zeitig weggefahren wird, hilft nur der Abschleppdienst, der am Dienstag einmal in der Goethestraße tätig sein muss. Für die nicht auffindbare Halterin wird es teuer – sie wird mehr als 250 Euro zahlen müssen. Ihr Fahrzeug steht im Haltverbot und sorgt für Verzögerungen auf der Umleitungsstrecke, auf der auch der Bus durchkommen muss.
Insgesamt müssen Matzat und Wagner zehn Strafzettel schreiben, bevor der Umzug beginnen kann. Die Halter werden 25 Euro bezahlen müssen. Ihre letzte Fahrt auf der Umzugsstrecke absolviert Tatjana Matzat mit Ronny Keller von der Bereitschaftspolizei. Die Polizei ist für das Umzugsgeschehen zuständig. Keller und Matzat besprechen noch einmal alle Punkte, schauen sich vor Ort alles an: Die Zufahrtsstraßen sind abgesperrt. Die vier Hauptzufahrtsstraßen zur Umzugsstrecke sind zusätzlich mit Fahrzeugen der Feuerwehr beziehungsweise mit Lastwagen von Unternehmen gesichert. Kein Auto steht mehr dort, wo es nicht darf. „So will ich es immer haben, dass die Polizei die Umzugsstrecke sauber übergeben bekommt“, sagt Matzat zufrieden. Dann kann das närrische Treiben beginnen.