Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Fallschirmsprung zum Gedenken an Weltkriegsopfer

In Erinnerung an die Besatzung der Lancaster, die bei Mutterstadt abgestürzt ist: Das Gedenkkreuz nach dem Fallschirmsprung.
In Erinnerung an die Besatzung der Lancaster, die bei Mutterstadt abgestürzt ist: Das Gedenkkreuz nach dem Fallschirmsprung.

Es gibt viele Formen des Gedenkens an die Opfer von Krieg und Terror. Eine ungewöhnliche Art hat Erik Wieman gewählt: Gedenksprünge per Fallschirm. Nun auch für Soldaten, die bei Mutterstadt ihr Leben lassen mussten.

Akribisch sucht Erik Wieman aus Waldsee seit geraumer Zeit mit anderen Aktiven der Interessengemeinschaft (IG) Heimatforschung in der Region nach Absturzstellen von Maschinen aus dem Zweiten Weltkrieg. Er spricht mit Zeitzeugen, untersucht das betreffende Gelände, sammelt Fundstücke und – für ihn ganz wichtig – forscht nach den Nachkommen der Flugzeugbesatzungen, um ihnen Näheres zum Schicksal ihres Angehörigen zu berichten. Eine Reihe von Gedenksteinen sind inzwischen an einigen der Orte platziert, wo die Heimatforscher Abstürze dokumentieren konnten, so zum Beispiel bei Limburgerhof, Haßloch oder Rheingönheim.

Nun hat der gebürtige Niederländer ein weiteres Projekt angestoßen – Fallschirmsprünge zum Gedenken an die Toten, Verletzten oder Kriegsgefangenen, mit Hinterlassen eines Gedenkkreuzes. „Die Idee geht zurück auf Gespräche, die ich Mitte 2022 mit Nachfahren eines Besatzungsmitglieds eines im Zweiten Weltkrieg abgestürzten englischen Bombers hatte“, erläutert der 55-Jährige. Ein Enkel eines australischen Piloten, dessen Maschine im Januar 1945 zwischen Limburgerhof und Mutterstadt niederging, erzählte von seinem Opa, der den Flugzeugabsturz durch den Fallschirmabsprung und letztlich auch den Krieg überlebt hatte.

Die Nachfahren wollen mehr erfahren

Nun ist Wieman, der seit mehr als 30 Jahren hier lebt und als Sicherheitsmann bei der BASF arbeitet, selbst ehemaliger Fallschirmjäger und konnte Fragen der Angehörigen beantworten. „Da Nachfahren aber interessiert waren, mehr zu erfahren, dachte ich mir: warum nicht einfach zeigen oder gar filmen, wie das mit den alten runden Fallschirmen, die es ja immer noch bei Fallschirmjägereinheiten gibt, damals in etwa funktioniert hat“, beschreibt er seine Motivation. Er knüpfte an seine alten Kontakte unter Militärs an. Tatsächlich wurde ihm nach einer medizinischen Untersuchung erneut die erforderliche Fallschirmspringertauglichkeit attestiert, erzählt er. Nach einem Auffrischungskurs ging es in die Luft.

Inzwischen hat Wieman bereits neun „Gedenk-Fallschirmsprünge“ absolviert, und das mit Fallschirmen Typ Rundkappe, wie sie auch damals üblich waren. Wenig überraschend: Er springt nicht an den Orten, an denen die Flugzeuge tatsächlich abgestürzt waren, „das wäre nicht gegangen“. Stattdessen finden die Flüge und Sprünge in Tschechien in der Nähe von Pilsen statt. Auch an dieser Stelle, in der Nähe des Flugplatzes Dobrany, ist im Krieg eine britische Maschine abgestürzt, alle sieben Besatzungsmitglieder starben. Der Angriff galt laut Wieman den Skoda-Werken in Pilsen: „Stattdessen wurde Dobrany unweit von Pilsen schwer getroffen, da Markierungen durch Pathfinderflugzeuge falsch gesetzt worden waren und alle Bomber ihre Ladung falsch abgeladen haben.“

Gedenksprünge werden gefilmt

Den bisher letzten dieser Flüge, am 21. Januar, hat er den Opfern des Abschusses eben jener Lancaster gewidmet, die zwischen Mutterstadt und Limburgerhof abstürzte, dazu noch denen eines Absturzes bei Hardenburg (Bad Dürkheim). Wie bei den anderen Flügen hat er während des Sprungs, beim Absprung und bei der Landung gefilmt. „Und es lag Schnee, wie damals beim Absturz auch.“ Die Aufnahmen stellt er den Angehörigen zur Verfügung. Und hinterlässt ein Gedenkkreuz, „vor dem Hintergrund, diese Männer, ihre Namen, ihr Schicksal, ihre Geschichte, symbolisch am Leben zu erhalten“.

Erik Wieman nach seinem jüngsten Sprung in der Montur, wie sie die Flieger der Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg trugen.
Erik Wieman nach seinem jüngsten Sprung in der Montur, wie sie die Flieger der Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg trugen.
Herabschweben am Winterhimmel.
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