Mutterstadt
Faire Wochen: Fair gehandelt kann auch fair-dammt gut schmecken
„Fair trifft Genuss“ – das war das Motto des Genießerabends am Freitag im Pfarrer-Fuchs-Haus. So lauteten aber auch die Herausforderung und der an sich gestellte Anspruch der Steuerungsgruppe – bestehend aus Vertretern aus Verwaltung, Vereinen, Gruppierungen, Kirche, Handel und interessierten Bürgern – faire Produkte, Saisonalität und Regionalität in Einklang zu bringen. Gleichzeitig sollte die Aktion die Teilnahme am Kreativ-Wettbewerb „Unsere Botschaft für eine faire Welt“ des Verbands Region Rhein-Neckar in Zusammenarbeit mit dem Eine-Welt-Zentrum Heidelberg ermöglichen.
Generell waren eine menschenwürdigere und ebenso zukunftsfähige wie nachhaltige Wirtschaft insbesondere für die von der Coronakrise besonders betroffenen Menschen im globalen Süden im Fokus der Fairen Woche 2021. „Wir wollen gemeinsam mit Ihnen die Metropolregion mit fairen Botschaften füllen und so ein Zeichen für eine gerechtere Welt und den Fairen Handel setzen!“. Das war die Aufforderung an Kommunen, an Steuerungskreise der Fair-Trade-Towns, an Schüler und Bürger im Rhein-Neckar-Gebiet – geknüpft an den Leitfaden: Was brauchen wir für eine gerechtere Welt? Was wollen wir der Öffentlichkeit mitteilen?
Auch saisonal und regional
„Für uns ist es wichtig, zu vermitteln, dass es auch fairen Genuss gibt“, sagt Christa Scheid, Sprecherin der Mutterstadter Steuerungsgruppe. Früher hätte der Geschmack fairer Produkte oft zu wünschen übrig gelassen. Heute dagegen müsse keiner, der sich dafür entscheide, mehr darben. „Fairer Genuss und Lifestyle sind vereinbar“, ist sie überzeugt. Ein Beweis dafür war das Büfett aus lauter Leckereien der lokalen Gastronomie. Das Hotel Ebnet und das Restaurant Palatinum kredenzten unter anderem Carpaccio aus Semmelknödeln und Grumbeeren mit Pfifferlingen, Kürbissüppchen und Sellerie-Kürbis-Pannacotta, Wirsingrouladen, Pfälzer Herbstgemüse und Bio-Fleisch vom Bärenbrunnerhof. Damit wurde der saisonal-regionalen Komponente Rechnung getragen. Um einen Beitrag für faire, sichere und gute Arbeitsbedingungen in den Herkunftsländern zu leisten, gab es im Anschluss eine Wein- und Schokoladenverkostung mit Weinen aus Argentinien, Chile und Südafrika zu fair produzierter Schokolade.
Mit Filmbeiträgen wurden die meist familiengeführten Weingüter vorgestellt und die Verarbeitung von Kakaobohnen gezeigt. Da inmitten der Pfalz als Weinanbaugebiet ein guter lokaler Tropfen auch dazu gehört, war ergänzend noch ein Vertreter der Bad Dürkheimer Lebenshilfe geladen worden und hatte Secco, Sekt, einen Riesling und einen Spätburgunder im Gepäck. Die Lebenshilfe Bad Dürkheim baut selbst Wein an und biete t Menschen mit Behinderungen einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz.
Chili-Schokolade und Schaumwein
Weinexperte Phillipp Theobald forderte das Publikum auf, ein kleines Stückchen Fleur-de-Sel-Biovollmilchschokolade erst einmal langsam im Munde zergehen zu lassen und daraufhin ein Schluck Riesling-Sekt zu trinken, um zu erfahren, wie gut das Prickeln des Schaumweines mit dem Salzgeschmack harmoniert. Oder er empfahl den chilenischen Merlot mit Bitterschokolade samt Chili-Extrakt als „fair-dammt“ gute Kombination. Die Blaskapelle, als Verein auch eine Unterstützerin der Fairtrade Gemeinde, lieferte mit einem Quintett musikalische Beiträge. Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) versprach: „Wir werden uns weiterhin ausdrücklich bekennen und Verantwortung übernehmen.“ Sollte die Veranstaltung, die er als vollen Erfolg sah und daher unbedingt wiederholt werden müsse, im Wettbewerb gewinnen, winken faire Fußbälle als Gewinn.