RÖMERBERG
Facharbeit über Bahnunterführung: Schülerin übt Kritik an Landesbetrieb Mobilität
Der Verkehr in der Germersheimer Straße begleitet Therese Schuster schon ihr Leben lang. Dabei hatte sie gegenüber manchen Freunden noch einen Vorteil: „Ich musste auf dem Weg zur Grundschule nicht die Straße überqueren“, erzählt sie. „Die Nachbarskinder sind morgens wegen des Verkehrs nur schlecht über die Germersheimer Straße gekommen.“ Nicht nur die schiere Menge des Verkehrs sei ein Problem in der Straße, findet Therese Schuster: „Viele halten sich nicht an Tempobeschränkungen“, hat sie beobachtet. Mit bis zu 100 Stundenkilometern rasten manche durch die wichtige Römerberger Nord-Süd-Achse.
Dass sich die 18-Jährige, die im kommenden Jahr das Abitur im Speyerer Purrmann-Gymnasium machen möchte, mit der Bahnunterführung in Berghausen ein Verkehrsthema für ihre Facharbeit in Erdkunde ausgesucht hat, kommt nicht von Ungefähr: Ihre Mutter Bärbel Endres war Gründungsmitglied und Vorsitzende der Verkehrsinitiative Römerberg (VIR), die von 2009 bis 2014 auch mit drei Sitzen im Gemeinderat vertreten war.
Mühsame Recherche
„Meine Lehrerin fand gut, dass ich mir ein Thema mit einem persönlichen Bezug ausgesucht habe“, erinnert sich Therese Schuster. Vor rund einem Jahr habe sie dann mit der Recherche für die Facharbeit begonnen. Dabei hat sich die Schülerin nicht nur auf Unterlagen ihrer Eltern und auf RHEINPFALZ-Artikel gestützt. Sie hat auch versucht, persönlich mit Protagonisten zu sprechen. Das war nicht in jedem Fall einfach: „Ich habe lange versucht, einen Termin mit einem Mitarbeiter des Landesbetriebs Mobilität zu bekommen“, erzählt sie. Geklappt hat es erst, nachdem Therese Schuster irgendwann einfach einen Mitarbeiter direkt ansprach, als sie zufällig ein LBM-Auto erspähte. Auch bei der Verbandsgemeindeverwaltung hat sich die Schülerin über das Thema kundig gemacht. Um ein aktuelles Stimmungsbild zum Thema Verkehrsberuhigung in der Römerberger Bevölkerung zu gewinnen, hat die 18-Jährige eine Online-Umfrage mit mehr als 100 Teilnehmern gemacht, bei der eine Ortsrandstraße und Tempo 30 am häufigsten als gewünschte Maßnahme genannt wurden. Nur rund 20 Prozent hielten die Bahnunterführung für das geeignete Instrument.
Kritik am Landesbetrieb
In der Facharbeit hat Therese Schuster die verschiedenen Interessen, die auf dem Weg zur Entscheidung für eine Bahnunterführung in Berghausen eine Rolle spielten, zusammengefasst und gegenübergestellt. Auch damals geäußerte Kritik am Verfahren – zum Beispiel am Zeitpunkt der Offenlage der Planungsunterlagen und an deren Umfang – führt die Schülerin an. In ihrem Fazit kommt sie zu einem klaren Urteil, die Bahnunterführung betreffend: Diese sei eigentlich geplant worden, um eine Verkehrsentlastung für Römerberg zu erreichen, was der LBM anfangs auch so kommuniziert habe. Später sei von einer Verkehrsentlastung aber kaum mehr die Rede gewesen. Stattdessen sei die Sicherheit als Begründung für das Projekt angeführt worden. „Schlussendlich hat der Landesbetrieb Mobilität seiner eigenen Aussage, welche diese verkehrsentlastende Wirkung zugesichert hatte, widersprochen“, schreibt die 18-Jährige.
Facharbeit mit Note Eins
Eine Verkehrsentlastung kann es ihrer Ansicht nach nur durch andere Maßnahmen wie eine Umgehungsstraße oder Tempo 30 im ganzen Ort geben. Mit dem LBM geht die selbstbewusste junge Frau hart ins Gericht: Es scheine, als habe dieser „weder Interesse an einer Maßnahme, welche die Römerberger befürworten, noch daran, den Anwohnern des Dorfes eine gerechte Möglichkeit zur Planungseinsicht sowie zur Meinungsäußerung zu geben“, findet die Schülerin.
„Es war mir vorher nicht bewusst, wie sehr eine Behörde über Anwohnerinteressen hinweggeht“, beschreibt Therese Schuster, was sie an Erkenntnissen aus der Recherche für ihre Facharbeit – für die sie übrigens 14 Punkte, also eine glatte Eins, bekam – mitgenommen hat. „Es ist ernüchternd, dass man nichts dagegen machen kann. Es gab Kontra aus der Bevölkerung, aber das hat niemanden interessiert“, ist ihr Eindruck.
Nach dem Abitur im kommenden Jahr will Therese Schuster ein Duales Studium in Wirtschaftsrecht im hessischen Riedstadt beginnen. Ob sie Römerberg langfristig die Treue hält, weiß sie noch nicht. „Wenn ich die Wahl hätte, würde ich nicht an eine Durchgangsstraße ziehen“, ist sich die Schülerin jedenfalls schon sicher. „Ich weiß nicht, ob ich wollen würde, dass meine Kinder so aufwachsen.“ Andererseits habe Römerberg eine sehr gute Verkehrsanbindung. Und dann bleibe ja noch die Hoffnung auf die Ortsrandstraße, mit der etwas mehr Ruhe auf den Römerberger Straßen einkehren würde.