Rhein-Pfalz Kreis Für gerechtere Geschäfte
«Mutterstadt.» Die Kommune soll zur Fairtrade-Gemeinde werden. Das hat der Gemeinderat Mutterstadt im Oktober 2017 beschlossen. Um das entsprechende Siegel zu bekommen, muss sie bestimmte Kriterien erfüllen – zum Beispiel eine Steuerungsgruppe gründen. Das ist inzwischen geschehen. Deren Aufgaben und Ziele erläutern die Mitglieder im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
Fairen Handel vor Ort fördern und sich bei dem Verein Transfair in Köln um das Siegel bewerben: Diese Idee stammt von der Mutterstadter Grünen-Fraktion, die das Ganze in einen Antrag im Gemeinderat hat münden lassen. Dass dieser zugestimmt hat, ist zugleich der erste Schritt für eine erfolgreiche Bewerbung, um das Fairtrade-Prädikat zu bekommen. Das Vorhaben sei in Mutterstadt ohnehin auf fruchtbaren Boden gefallen, da der Weltladen und ein Teil des Fachhandels schon seit Jahren in dieser Richtung aktiv gewesen seien, sagt Rüdiger Geib. Der Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste der Verwaltung fungiert in der Steuerungsgruppe als Vertreter der Gemeinde. Die Gründung der Steuerungsgruppe ist nun ein weiterer Schritt. Sie soll die Bewerbung vorantreiben und zum Erfolg führen, indem sie dafür sorgt, dass sämtliche Kriterien erfüllt werden. Eine wichtige Aufgabe dabei besteht darin, das Thema Fairtrade in die Öffentlichkeit zu tragen. „Wir müssen die Inhalte vermitteln und die Bürger davon überzeugen“, sagt Geib. Dafür arbeitet er mit den anderen fünf Mitgliedern der Gruppe zusammen: Elke Nies, Bernd Mikoteit, Peter Reinartz, Josef Rödl und Andreas Wittig. Zum erweiterten Unterstützerkreis gehören der Beigeordnete Klaus Lenz (CDU) und Geschäftsinhaberin Esma Schneider. „Jedes Mitglied kümmert sich um einen bestimmten Bereich. Ich bin zum Beispiel für die Vereine und die katholische Kirchengemeinde zuständig“, sagt Reinartz. Wittig kümmere sich darum, die Schulen und Kitas zu beteiligen, Nies betreue die protestantische Kirchengemeinde, Mikoteit die Freikirche. Für den Weltladen ist Rödl zuständig, für die Gemeinde(-verwaltung) passenderweise Geib und für den Gewerbeverein Schneider. Die geforderte Einbindung der Zivilgesellschaft in Form von mindestens einem Verein und einer Kirchengemeinde sei bereits gelungen. „Wir sind sogar deutlich über diesem Minimum“, sagt Rödl. Mindestens vier örtliche Geschäfte, die fair gehandelte Produkte anbieten, und die Verwaltung selbst, die Fairtrade-Kaffee und -tee im Angebot hat, seien ebenfalls abgehakt. Insgesamt zwei Drittel der Kriterien für das offizielle Fairtrade-Siegel habe Mutterstadt mittlerweile erfüllt. „Wir brauchen noch wenigstens zwei Gastronomiebetriebe“, nennt er einen Punkt, der sich momentan noch schwierig gestaltet. Dabei möchte Rödl mit einem alten Vorurteil gegenüber dem Projekt aufräumen: dass Fairtrade-Produkte teuer und meist Zeug seien, das niemand wirklich haben will. Es gebe heute unglaublich viele fair gehandelte und trotzdem preiswerte Waren, von Lebensmitteln über Haushaltshandschuhe und Seifen bis hin zu Bauarbeiterkleidung und feinen Damenkleidern. „Fairtrade-Jeans etwa sind nur wenig teurer als normale und von guter Qualität. Man hat keine Einbußen und tut anderen etwas Gutes“, sagt Rödl. Wobei natürlich auf der Hand liege, dass fair gehandelte Erzeugnisse preislich nicht mit Billigprodukten mithalten können, merkt Reinartz an. Es gehe bei Fairtrade auch nicht darum, den Herstellern beziehungsweise Menschen am anderen Ende der Warenkette ein Leben im Luxus oder nach hiesigen Standards zu verschaffen, ergänzt Rödl. Ziel sei es vielmehr, ihnen ein zumindest halbwegs menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen. Kontakt Wer bei der Steuerungsgruppe mitwirken oder sie unterstützen möchte, kann sich bei Rüdiger Geib melden: Telefon 06234/946465, oder per E-Mail an fairtrade@mutterstadt.de.