Rhein-Pfalz Kreis Für ein grünes Zuhause

Jäten, setzen, auf Vordermann bringen: Elf BASFler haben sich für das Projekt „Wohlfühlort Lebensgarten“ in Mutterstadt engagier
Jäten, setzen, auf Vordermann bringen: Elf BASFler haben sich für das Projekt »Wohlfühlort Lebensgarten« in Mutterstadt engagiert.

«Mutterstadt.» In der einen Ecke hat der Akkuschrauber gesurrt, in den anderen haben Frauen und Männer die Hacken geschwungen oder unermüdlich Unkraut gezupft. Jede Menge Helfer waren am Montag in dem großzügigen Garten an der Mutterstadter Trifelsstraße zugange. Der Grund: Für den „Wohlfühlort Lebensgarten“, ein Projekt des Ludwigshafener Vereins für Jugendhilfe, war ein BASF-Team zum ehrenamtlichen Einsatz auf das Grundstück der Wohngruppe ausgerückt.

Elf BASFler aus dem Bereich Personalpolitik und Personalarbeit haben am Montag ihre übliche Arbeitskleidung gegen rote und grüne Shirts, bedruckt mit dem Unternehmenslogo, getauscht. Dank der Unterstützung durch die BASF-Aktion „Gemeinsam Neues schaffen“ konnte das bereits im April gestartete Projekt „Wohlfühlort Lebensgarten“ nun weiter vorangetrieben werden. Im Frühjahr hatten Bewohner und Betreuer zwei Hochbeete gebaut und teilweise bepflanzt. „Aber wir haben gemerkt, dass wir tatkräftige Unterstützung brauchen“, sagte Tharaka Sriram, die Koordinatorin des Projekts „Wohlfühlort Lebensgarten“. Gemeinsam mit einigen der insgesamt acht Bewohner der Gruppe in der Trifelsstraße wollten die BASFler nicht nur den Garten auf Vordermann bringen, sondern auch das Wohnzimmer der Jugendlichen neu gestalten. Für solche Dinge bleibe leider im Alltag kaum Zeit, erklärte Tharaka Sriram. Schließlich gingen die jungen Männer entweder in die Schule, besuchten die Berufsvorbereitung oder machten eine Ausbildung. Unter den Bewohnern der Wohngruppe sind mehrere unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus Afghanistan und Eritrea. Ein Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit in der Einrichtung ist es, die teils schwer traumatisierten jungen Menschen zu stabilisieren und ihnen ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Das Anlegen und die Pflege des Gartens fügen sich in dieses Konzept ein. „Sie sollen sich zu Hause fühlen und sich das Haus im wahrsten Sinne des Wortes zu eigen machen“, betonte die Projektkoordinatorin. Einrichtungsleiter Stephan Weigert hat festgestellt, dass sich einige der Jugendlichen sehr gut um die bei der letzten Aktion gepflanzten Blumen kümmern. Manchmal seien diese schon gegossen, wenn er morgens in die Wohngruppe komme. Vor allem während des Ramadans sei das aufgefallen. „Diesmal soll der Schwerpunkt auf Essbarem liegen“, fügte Weigert hinzu. Die Jugendlichen sollten sehen, wo das Essen herkommt, was für eine Arbeit dahintersteckt und wie gut es dann schmeckt. Doch zunächst musste er gemeinsam mit einigen Helfern ein weiteres Hochbeet aus gespendeten Euro-Paletten bauen. Martin Fox, einer der Ehrenamtler, empfand den Einsatz als „Win-Win-Situation“. „Es ist eine Gelegenheit, als Team mal etwas anderes zu machen“, erklärte er, während er die Wände des neu gezimmerten Hochbeets mit Folie auskleidete. „Das andere ist der soziale Aspekt, dass wir den Jugendhilfeverein unterstützen und einen gesellschaftlichen Beitrag leisten.“ Ebenso wie Fox war auch seine Kollegin Sonja Schwald mit Spaß bei der Sache. Nachdem sie das Beet an der Terrasse von Unkraut befreit hatte, setzte sie Rosensträucher in die aufgelockerte Erde. „Ich habe auch viele Rosen“, erklärte sie, gab jedoch zu, dass ihr eigener Garten nicht ganz so akkurat aussehe wie das eben gesäuberte Beet. „Der ist eher naturbelassen und wild romantisch.“ Während draußen im Garten vor allem Kraft und Ausdauer gefragt waren, war von den Helfern im Wohnzimmer Kreativität und Genauigkeit gefordert. Mit Quadraten in den Farben Petrol, Sand und Grau-Grün sollte die bislang weiße Wand zum Hingucker werden. Der 17-jährige Javid aus Afghanistan hatte sogar eine eigene Zeichnung gemacht, wie er sich die Wandverzierung im Wohnzimmer vorstellt – mit einem großen, auf die Spitze gestellten Quadrat in der Mitte. Doch die bereits abgeklebten Flächen sorgten am Vormittag noch für Diskussionen. „Kleine Quadrate sehen komisch aus“, wandte der Jugendliche ein. „Es wird schon gut, Javid“, beruhigte ihn Jenny Kosmalla, die gemeinsam mit anderen Helferinnen jede einzelne Fläche sorgfältig ausmaß und markierte. Schräg gegenüber wurde derweil ein schon lange von Tharaka Sriram geplantes Kunstwerk auf den Weg gebracht: Mittels Beamer wurde eine Weltkarte an die Wand projiziert, deren Umrisse sie gemeinsam mit dem 17-jährigen Aleksandrs aus Lettland nachzeichnete. Ein Stück der Heimat der Jugendlichen ist so nun auch im Wohnzimmer zu finden. Und vielleicht hilft ihnen dies auch, sich in ihrem Mutterstadter Heim noch etwas mehr zu Hause zu fühlen.

x