Bedrohte Naturparadiese (4) RHEINPFALZ Plus Artikel Für die Nachtschwalbe wird’s finster

Brütet auf dem Boden: die Nachtschwalbe.
Brütet auf dem Boden: die Nachtschwalbe.

In den Kiefernwäldern und Sanddünen zwischen Dudenhofen und Hanhofen findet die Nachtschwalbe einen optimalen Lebensraum vor. Doch die Anzahl der vom Aussterben bedrohten Vögel hat in dem Gebiet stark abgenommen.

Kiefern und Birken, dazwischen einige Eichen und neuerdings auch Buchen, stehen am Rand der „großen Düne“, auch als „Ameisenberg“ bekannt. Auf dem Weg zu der Düne, deren südwestlicher Zipfel auf Dudenhofener Gemarkung liegt, während der Großteil zu Speyer gehört, ist vielfältiges Vogelgezwitscher zu hören. Neben dem optischen Reiz des Gebiets, das stellenweise Nord- und Ostseestränden ähnelt, mag das „Vogelkonzert“ dazu beitragen, dass es offenbar immer mehr Menschen aufsuchen. Doch einige Facetten des Freizeitverhaltens zeitigen zunehmend Schattenseiten.

Freilaufende Hunde stören

Christiane Brell, Vorsitzende des Natur- und Vogelschutzvereins Dudenhofen, nennt „unzählige freilaufende Hunde im Bereich der offenen Dünen und des Truppenübungsplatzes“ als Hauptgrund dafür, dass am Boden brütende Vögel wie Heidelerche und Nachtschwalbe, bis vor Kurzem noch Ziegenmelker genannt, „hier keine Chance mehr haben“. Dabei sollte die Ausweisung des kompletten Wald- und Dünenareals vor mehr als 15 Jahren als Teil des EU-Vogelschutzgebiets „Speyerer Wald, Nonnenwald und Bachauen zwischen Geinsheim und Hanhofen“ genau das verhindern.

„Im Dudenhofener Wald ist vor circa 15 Jahren die letzte Brut der Heidelerche beobachtet worden. Früher hat sie immer wieder auf Kahlschlag- und Windwurfflächen gebrütet“, teilt Brell mit. Außer Naturgewalten und massive forstliche Eingriffe, die heute aus anderen Naturschutzgründen untersagt sind, nennt die Biologin auch die militärische Nutzung als einen Faktor, der insbesondere bedrohten Bodenbrütern unter den Vögeln selten gewordene Lebensräume schafft und erhält. Der Bereich des Truppenübungsplatzes Speyer-Dudenhofen und benachbarte Flächen mit zusammen ungefähr 80 Hektar (800.000 Quadratmeter) sind 2015 zum Nationalen Naturerbe Speyerer/Dudenhofener Sanddünen erklärt worden, erinnert sie.

Mehr Schilder gewünscht

„Es müsste hier Schilder geben, die darauf hinweisen, dass man Hunde anleinen und Hauptwege nicht verlassen soll“, fordert Naturschützerin Brell. Nicht ausreichend seien militärische Hinweisschilder, nach denen das Betreten außerhalb von Übungszeiten auf eigene Gefahr erfolgt. Nicht angegeben ist der Urheber von jüngst aufgestellten Schildern, die für den Truppenübungsplatz fordern: „Die befestigten Wege dürfen nicht verlassen werden. Hunde sind anzuleinen.“ Die gibt es abschnittsweise am Dünenpfad, der vor fünf Jahren eröffnet worden ist. Der Lehrpfad wurde mit Mitteln des Nabu-Projekts „Lebensader Oberrhein“ angelegt. Das Gebiet ist Teil des Hotspots Biologische Vielfalt „Nördliche Oberrheinebene mit Hardtplatten“.

Die Ausweisung eines Naturschutzgebiets im Bereich des Truppenübungsplatzes könnte zwei Probleme lösen: Die Anleinpflicht für Hunde und die Bindung an befestigte Wege wären vorgeschrieben – und auf Hinweisschildern bekannt zu machen. „Die fertigen Pläne für das Naturschutzgebiet liegen bei der Oberen Naturschutzbehörde in der Schublade. So lange der Truppenübungsplatz von der Bundeswehr nicht aufgegeben wird, kann man ein solches Schutzgebiet dort nicht ausweisen“, schildert Brell das Dilemma. Sie hofft darauf, dass eine Beweidung den gleichwohl nachlassenden Einsatz schweren Geräts in den Dünen als Mittel zur Offenhaltung einmal ergänzt. Für die Erlaubnis dazu setzen sich die Naturschützer ein.

Dramatische Entwicklung

Doch der Nachtschwalbe läuft die Zeit davon, wie Thomas Dolich vom Verein der Vogelfreunde Hanhofen mitteilt. „2004 wurden auf drei Vierteln der Fläche des EU-Vogelschutzgebiets 95 Brutpaare der Nachtschwalbe gezählt, 15 davon im Bereich Hanhofen und Dudenhofen“, erinnert er sich. „Im Hanhofener Wald gab es viele Jahre immer drei bis sechs Brutpaare. 2019 war es bloß noch eines und im vergangenen Jahr war die Nachtschwalbe verschwunden“, berichtet Dolich über eine dramatische Entwicklung. „Es ist nicht auszuschließen, dass dabei die Zunahme des Publikumsverkehrs eine Rolle spielt. Wir bitten deshalb Spaziergänger eindringlich, zum Schutz der extrem seltenen Nachtschwalbe, Hunde anzuleinen und nur offizielle Wege zu benutzen und die Trampelpfade zu meiden“, sagt er. Entsprechende Hinweisschilder sollten insbesondere an Waldparkplätzen aufgestellt werden.

Die Serie

Die Gemarkungen der Gemeinden Dudenhofen, Hanhofen und Harthausen werden seit Anfang der 1950er-Jahre intensiv vogelkundlich von Mitgliedern der drei Natur- und Vogelschutzvereine betreut. Dazu zähl(t)en Willi Aures (Dudenhofen), Georg, Otfried und Thomas Dolich (Hanhofen) sowie Richard, Dieter und Ute Hoffmann (Harthausen). Mit Sorge sehen sie zunehmende Schädigungen von Schutzgebieten durch rücksichtslose Freizeitaktivitäten. In einer Serie stellt die RHEINPFALZ diese Flächen vor.

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