Rhein-Pfalz-Kreis
Förster: „Es wird in Zukunft mehr Waldbrände geben“
Der Waldboden ist noch etwas feucht vom Regen in der Nacht. Ein Reh spaziert über den Weg und verschwindet flugs wieder hinter den Bäumen. Und auf dem Entenweiher mitten im Maxdorfer Wald flattern ein paar Graugänse umher. Nein, beim Blick auf das Gewässer kommt einem wirklich nicht die Gefahr eines Waldbrandes in den Sinn. Doch das Risiko, dass Feuer in den Wäldern tobt, wird gerade in der warmen Rheinebene immer höher, meint Bildungsförster Volker Westermann vom Forstamt Pfälzer Rheinauen. „Unsere Gegend um den Rhein und in der Pfalz ist schon sehr günstig für Waldbrände“, sagt er.
Die Vorder- und Südpfalz sei eine recht warme Region mit vergleichsweise weniger Niederschlag als in vielen anderen Gegenden Deutschlands. „Außerdem haben wir hier oft sehr sandige Böden – und Feuer kann sich auf trockenem Untergrund natürlich schneller ausbreiten“, erklärt der Förster.
Mehrere Waldbrände in der Pfalz
Vorboten von Waldbrandkatastrophen habe es auch „in unserer Region schon so einige in den vergangenen Jahren gegeben“, sagt Westermann. Etwa als es vor drei Jahren rund um das Hambacher Schloss brannte und das Feuer erhebliche Schäden am dortigen Laub-Mischwald verursachte. Auch im Frühjahr dieses Jahres glimmten die Flammen bei einem Waldstück in Bad Bergzabern auf, und erst im Juni brannte in Dudenhofen im Rhein-Pfalz-Kreis etwa ein halbes Fußballfeld im Wald nieder. „Der Klimawandel vergrößert die Gefahr. Wir müssen uns klar sein, dass es mehr Waldbrände geben wird“, sagt Westermann.
In diesem Jahr allerdings vermutet Westermann in den kommenden Wochen erstmal keine größere Feuerbrunst. Es sei ein nasses Frühjahr gewesen, das eine gute Winterfeuchte mitgebracht habe. „Zwar hatten wir auch eine längere Trockenphase im Juni, aber es hat in den vergangenen Wochen im Juli so viel geregnet, dass die Waldbrandgefahr aktuell nicht akut ist“, betont er.
Trotzdem: Das könne sich auch ganz schnell ändern. „Wenn eine Hitzephase über ein paar Wochen andauert, dann kann das sofort wieder eine extrem hohe Waldbrandgefahr auslösen“, erklärt der Bildungsförster.
Prävention gegen den Waldbrand
Doch es gebe Möglichkeiten, wie auch die Förster präventiv die Waldbrandgefahr verringern können. „Wir müssen den Wald besser durchmischen. Reine Nadelwälder brennen wie Zunder, aber Mischwälder sind deutlich resistenter gegen Waldbrände“, erklärt er. Das brauche Zeit, sei aber am effektivsten. Zudem müssten kaputte Bäume aus dem Wald geschafft werden, denn ein abgestorbener, trockener Stamm sei „wie ein zusätzlicher Brandbeschleuniger für einen Waldbrand“, meint der Förster.
Außerdem sei in den vergangenen Jahren die Koordination und Kommunikation mit Feuerwehr und Katastrophenschutz regelmäßig trainiert worden. „Wir sind im stetigen Austausch, damit im Notfall alles schnell abgeklärt werden kann“, betont Westermann. Es gebe immer wieder gemeinsame Übungen mit dem Katastrophenschutz und der Feuerwehr.
Darüber hinaus werde geschaut, dass möglichst viele und gut zu erreichende Wasserentnahmestellen in der Nähe der Wälder verfügbar sind. „Beim Maxdorfer Wald haben wir mit dem Entenweiher mitten im Wald gute Voraussetzungen für den Notfall“, betont der Förster.
Falsches Verhalten der Menschen
Eine weitere wichtige Präventionsmaßnahme sieht Westermann in der Öffentlichkeitsarbeit. „Wir müssen die Menschen sensibilisieren, dass sie sich während der Hitzeperioden im Wald richtig verhalten“, sagt er. Die allermeisten Waldbrände werden nämlich durch menschliche Fehler verursacht. Ganz oft lösen beispielsweise weggeworfene Zigarettenstummel riesige Schadenfeuer aus. „Auch das Grillen im Wald oder in der Nähe ist verboten, denn das ist wegen des Funkenflugs ein extremes Risiko“, betont der Experte.
Außerdem sollten Autofahrer daran denken, die Waldwege nicht zuzuparken – sonst kämen Feuerwehrautos und Löschfahrzeuge nicht mehr zur Brandstelle. „Der absolute Großteil der Menschen achtet ja darauf, nicht rücksichtslos einen Waldbrand auszulösen. Aber es reicht oftmals schon eine unvorsichtige Person für eine mögliche Katastrophe“, erklärt Westermann.
Kaputte Flächen reparieren
Nach einem Waldbrand sei der Schaden an der verbrannten Fläche erstmal groß: Die Pflanzen sind abgebrannt und viele Tiere sind gestorben. „Aber die Natur kann vieles wieder selbst reparieren“, berichtet der Förster. Einige Baumarten könnten recht gut auf verbranntem Boden wachsen, etwa die Birke oder die Zitterpappel. „Diese Arten schaffen es, dort zu keimen, und gestalten den Wald wieder neu.“
Kommt es nur ganz selten zu Waldbränden, dann könne die Natur sich gut selbst erholen und im Wald neue Strukturen schaffen. „Aber je öfter es zu Feuern kommt, umso länger dauert es, bis sich wieder intakte Waldflächen etabliert haben. Die Natur repariert alles, aber in langen Zeiträumen“, erklärt der Experte.
Hier in Maxdorf wie auch in den vielen anderen Wäldern im Rhein-Pfalz-Kreis sieht es dieser Tage nicht danach aus, als ob das Waldbrandrisiko sonderlich hoch wäre. „Aber das kann sich schnell ändern. Man muss den ganzen Sommer über stets vorsichtig sein“, betont Förster Volker Westermann. Im Maxdorfer Wald gibt es für den Notfall ja immerhin den Entenweiher als Wasserentnahmestelle. Auch wenn das Gewässer hoffentlich nicht so schnell von der Feuerwehr gebraucht wird.