Rhein-Pfalz Kreis Expertin für Extreme

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«Altrip/Lambsheim.» Steigen abends am Weiher kleine Luftblasen an die Wasseroberfläche, sind die dämmerungsaktiven Schleien nicht weit. Dann durchwühlen die goldenen Schätzchen der Angler den Bodenschlamm nach Nahrung. Jetzt heißt es: Angel auswerfen und stillhalten. Denn der beliebte Speisefisch ist sehr scheu.

„Wenn sich Schilfrohr bewegt, gründeln am Boden Schleien, und Spaziergänger können vom Ufer aus den schönen Edelfisch beobachten“, erzählt Ralf Kopecek, Pressewart des Sportangler-Vereins (SAV) Lambsheim. Doch ein falscher Schritt reiche aus, um die misstrauischen Tiere, die bei Hitze am aktivsten sind, zu vertreiben. Jetzt ist für die Sportangler Schleien-Zeit, im Winter hingegen beißen die Fische nicht an. Dann lassen sie sich in der Mitte des Sees in die Tiefe sinken und verfallen in eine Kältestarre. Als wahre Hungerkünstler nehmen sie dann monatelang keine Nahrung auf. Auch extremen Sauerstoffmangel kann die Schleie einige Zeit überleben. In einem fast ausgetrockneten Tümpel gräbt sie sich im Schlamm ein und fällt in eine Art Hitzekoma, indem sie den Stoffwechsel stark zurückfährt. Die Schleie gehört zur Familie der Karpfenfische. Angelprofis erkennen sie an ihrem bräunlichen bis grünlichen gedrungenen Körper, den abgerundeten Enden der Flossen, den goldfarbenen Seiten und den roten Augen. Ihre in eine feste Haut eingelassenen Rundschuppen sind mit einem Schleim ummantelt, der eine heilende Wirkung haben soll, weshalb die Schleie auch Doktorfisch genannt wird. Erzählungen zufolge reiben sich verletzte Fische an der Schleimschicht und werden so wieder gesund. Raubfische seien dafür so dankbar, dass sie die Schleien nicht fressen, so heißt es. Tatsächlich wirkt medizinischen Untersuchungen zufolge die Schleimhaut antibakteriell und pilzhemmend. Der genügsame, ökologisch anpassungsfähige Süßwasserfisch ist nahezu in ganz Europa beheimatet. Auch in den Gewässern rund um Altrip – außer im Rhein – ist der karpfenartige Fisch zahlreich zu finden. Etwas zu zahlreich, sagt Gewässerwart Klaus Mansky vom Sportanglerverein Altrip. Denn: Zu viele Schleien schaden ebenso wie ihre Verwandten, die Karpfen, dem Pflanzenbewuchs und damit dem Gewässer selbst. „Wir reduzieren deshalb den Bestand und haben das in den vergangenen zwei Jahren ganz gut im Griff“, sagt Mansky. Das zeige sich zum Beispiel im Neuhofener Altrhein. Neue Schleien würden deshalb von den Altripern nicht mehr eingesetzt. Aber: „Schleien schmecken schon sehr gut und werden gerne verspeist.“ Im Nachtweideweiher in Lambsheim zählen die Schleien zu den mittelgroßen Fischen. „Sie werden bis zu 35 Zentimeter groß“, sagt Ralf Kopecek. Ein Kollege habe aber einmal ein Prachtexemplar von einem halben Meter gefangen. Interessant an der Schleie ist: Sie wächst nur sehr langsam und ist erst mit vier Jahren geschlechtsreif. Bei Nährstoffmangel und fehlenden Raubfischen neigen die Schleien zur Verbuttung. Das bedeutet: Es kommt zu einer Massenentwicklung bei gleichzeitigem Wachstumsstopp – die Schleien bleiben dann klein. „Dieses Phänomen haben wir in unserem Weiher noch nicht beobachtet“, sagt Kopecek. Die Familiengründung der Schleien wird im Juli abgeschlossen. Damit sind die Schleien laut dem Altriper Sportangler Mansky später dran als die meisten anderen Fische. Bis zu 400.000 klebrige Eier heftet jedes Weibchen an die Wasserpflanzen. Nach etwa drei bis fünf Tagen schlüpfen die Larven, die als Jungfische mit einem geschickten Schachzug der Natur überleben: Solange sie noch nicht schwimmen können, kleben sie sich mit einem am Kopf befindlichen Drüsenfeld an den Pflanzen fest. Auf diese Weise können sie nicht in den Faulschlamm absinken. Auf dem Speiseplan der Schleien stehen Kleinlebewesen, die sie gern von der Unterseite der Wasserpflanzen zupfen. Wer im Weiher bis auf den Boden taucht, kann dort kleine, trichterförmige Spuren entdecken – sogenannte Fraßtrichter. Dann war eine Schleie auf Futtersuche und hat sich senkrecht mit dem Kopf nach unten in den Schlamm gewühlt. Vielleicht hat sie dabei ihre Leibspeise entdeckt, die nach ihr benannt wurde: die Schleienschnecke. Serie Oben paddeln Enten, Schwäne und Badegäste – aber was schwimmt unten? In unserer Serie „Abgetaucht“ stellen wir einige Bewohner in der Tiefe der Baggerweiher, im Altrhein und in Bächen vor. Von Aal bis Zander erzählen uns Angler von heimischen Fischen.

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