Bobenheim-Roxheim
Evakuierung nach Zugunglück: Kritik an Deutscher Bahn
Gegen 18.30 Uhr passierte der Regionalexpress 4496, der von Frankenthal in Richtung Worms unterwegs war, den Ort Bobenheim-Roxheim. Dort kam es, wie die Bundespolizei auf RHEINPFALZ-Anfrage mitteilt, zu einem Personenunfall. Die 410 Fahrgäste blieben nach Kenntnis der Polizei unverletzt. Wie es zu dem Unfall kam, ist noch Gegenstand der Ermittlungen.
Die Schnelleinsatzgruppe Transport des Rhein-Pfalz-Kreises sorgte laut Feuerwehr daraufhin für die Evakuierung des Zugs und die Versorgung der Fahrgäste, während nach Darstellung des Ersten Beigeordneten der Gemeinde Bobenheim-Roxheim, Frank Peter (CDU), ein dreiköpfiges Notfallteam der Deutschen Bahn (DB) die Betreuung des Lokführers übernahm.
Beigeordneter: Mangelnde Kommunikation
Für Notfallszenarien wie dieses ist in der Gemeinde vorgesehen, die Friedrich-Ludwig-Jahn-Halle in der Nähe des Bahnhofs Bobenheim zu nutzen. Markus Pfeffer, Verwaltungsstabsleiter der Gemeinde, war aus diesem Grund ebenfalls beim Einsatz und kümmerte sich unter anderem darum, Informationen an die gestrandeten Fahrgäste weiterzugeben. Einsatzkräfte hatten für diese bereits Sitzmöglichkeiten und Getränke besorgt.
„Vonseiten der Rettungskräfte ist alles hervorragend gelaufen“, erzählt Frank Peter am Tag danach auf RHEINPFALZ-Anfrage. Das Notfallmanagement der Deutschen Bahn sei jedoch katastrophal gewesen. Mehrfach haben nach Darstellung Peters die Vertreter der Gemeinde und die Einsatzkräfte das DB-Team darum gebeten, mit den gestrandeten Fahrgästen darüber zu sprechen, wie das Unternehmen den weiteren Transport der Menschen organisiert. Passiert sei jedoch nichts. „Das Notfallteam der Deutschen Bahn war bereits weg, da saßen die Leute immer noch in der Jahnhalle“, sagt Peter. Die Kommunikation zwischen Deutscher Bahn und ihren Fahrgästen habe die gesamte Zeit nur über die Einsatzkräfte stattgefunden. Markus Pfeffer bestätigt, dass die DB mit den Zugreisenden vor Ort trotz Bitten der Einsatzkräfte nicht kommuniziert habe.
Bahn reagiert knapp auf Kritik
Falls die Passagiere Essen oder eine Übernachtung benötigt hätten, wäre es Pfeffers Aufgabe gewesen, entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Doch dazu kam es am Sonntag nicht. Während einzelne Fahrgäste sich im Laufe des Abends von Angehörigen abholen ließen, hoffte der Großteil der Personen auf einen Ersatztransport durch die Bahn. Dieser war nach Aussagen von Frank Peter zunächst per Bus geplant. Aufgrund der Baustelle in der Grünstadter Straße, wegen der Busse in Richtung Bahnhof derzeit eine Umleitung fahren müssen, sei der Einsatz der Ersatzbusse wieder abgesagt worden. Auch das ärgert Peter: „Der Hinweis auf eine ausgeschilderte Umleitung wurde ignoriert.“
Die Deutsche Bahn hat die meisten Fragen der RHEINPFALZ, etwa wie stark der Zugverkehr in der Region durch den Unfall eingeschränkt war, bis Redaktionsschluss nicht beantwortet. Zur Kritik am Krisen-Management sagte eine Sprecherin: „Wir arbeiten bei Notfalleinsätzen eng mit den Behörden und Rettungskräften vor Ort zusammen. Darüber hinaus werten wir die Prozesse auch noch einmal umfassend aus, um gegebenenfalls erforderliche Schritte abzuleiten.“
Rund drei Stunden nach dem Unglück konnte die Strecke am Sonntag wieder freigegeben werden. Kurz nach 21 Uhr sind Peter zufolge die ersten Fahrgäste vom Bahnhof Bobenheim aus in einen Ersatzzug in Richtung Worms eingestiegen – unweit der Unfallstelle.