Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel EUTB berät: Hilfen im Antragsdschungel

Das Team der Beratungsstelle von links: Sina Eichler, Deborah Samba und Olaf Lütge.
Das Team der Beratungsstelle von links: Sina Eichler, Deborah Samba und Olaf Lütge.

Alle Menschen sollen am gesellschaftlichen Leben in vollem Umfang teilhaben können. Für Menschen mit Behinderungen ist Teilhabe nicht immer einfach, deshalb gibt es die EUTB.

Wer nicht weiß, welche Unterstützungen es gibt, kann sie nicht in Anspruch nehmen. Wer nicht weiß, welches Amt oder welche Behörde für sein Anliegen zuständig ist, kann keine Anträge stellen. Und selbst wer das weiß – es ist oft nicht einfach, die Antragsformulare zu verstehen und die gewünschten Informationen zu geben. „Ich hatte auch schon Fragen in Formularen, bei denen ich dachte: hä, was wollen die eigentlich?“, sagt Olaf Lütge. Er ist Sozialarbeiter und einer der Mitarbeiter der Beratungsstelle EUTB in Mutterstadt. Die Abkürzung bedeutet Ergänzende Unabhängige Teilhabe-Beratung. „Wir sind sozusagen Lotsen durch den Dschungel der sozialrechtlichen Regelungen“, sagt seine Kollegin Sina Eichler, ebenfalls Sozialarbeiterin. Deborah Samba ist Diplom-Soziologin und die dritte Mitarbeiterin in der Beratungsstelle in der Dahlienstraße 3a im Mandelgraben Center.

Gewusst wo

Es ist eine Vorgabe der Vereinten Nationen, dass auch Menschen mit Behinderungen, gleich welcher Art, möglichst in vollem Umfang am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Die Umsetzung dieses Ziels bedeutet, dass zum Beispiel Menschen mit eingeschränkter Mobilität Geschäfte, Behörden und Veranstaltungen besuchen können. Nun können Menschen, die nicht mehr gut laufen, vielleicht aber noch Auto fahren können, wenn das Fahrzeug entsprechend umgebaut wird.

Dafür gibt es finanzielle Unterstützung. Aber, das muss man wissen und an der richtigen Stelle beantragen. Kinder mit Autismus können Begleiter bekommen, für blinde Menschen gibt es ein Blindengeld. Pflegebedürftige Menschen brauchen eine Fachkraft, die den Grad der Bedürftigkeit einschätzt. Und so gibt es viele weitere Beispiele, wo Menschen gesetzlich garantierte Ansprüche auf Hilfen haben – aber es ist oft nicht einfach, das zu wissen und die Hilfe auch zu bekommen.

Die Mitarbeitenden der EUTB sind nicht nur selbst erfahren im Umgang mit Behörden und Anträgen, sie vermitteln auch Kontakte zu anderen Betroffenen, die bereit sind, andere zu unterstützen. „Peer to Peer Beratung“ nennt sich das und meint den Austausch unter Betroffenen. „Wir können zwar über Regelungen und Verfahren Auskunft geben, aber mit jemandem zu sprechen, der von derselben Einschränkung betroffen ist, schafft besonderes Vertrauen und Verständnis“, erklärt Deborah Samba. Und so kann die EUTB auch Kontakte zu Selbsthilfegruppen und ähnlichen Unterstützungsangeboten geben. „Wir haben vielleicht nicht alles sofort parat, aber wir haben ein großes Netzwerk und viele Kontakte, die wir nutzen können, um die nötige Hilfe zu finden“, sagt Olaf Lütge.

Noch zu wenig bekannt

Das Angebot der EUTB ist grundsätzlich kostenlos und kann auch anonym genutzt werden. Es gibt regelmäßige Sprechstunden, in denen ein Erstkontakt möglich ist. Wer ausführlichere Beratung wünscht, kann auch telefonisch Termine vereinbaren. Auch Auskunft per Telefon ist möglich. „Das Angebot soll möglichst niederschwellig sein, so dass wirklich alle Menschen es in Anspruch nehmen können“, erklärt Lütge.

Wichtig ist, dass die Berater nur Hilfestellung geben, Informationen und Kontakte weitergeben. Anträge stellen und Entscheidungen treffen, sollen die Ratsuchenden selbst. Auch gibt es zwar Auskunft zu rechtlichen Verfahren, wie etwa Widerspruchsfristen und Eingaben, aber keine Rechtsberatung. Finanziert werden die Beratungsstellen vom Bund, der jährlich 65 Millionen Euro zur Verfügung stellt, sowie von den Ländern. Die Beratungsstelle in Mutterstadt gibt es seit 2023. Bislang wurden hier etwa hundert Menschen pro Jahr beraten – aber dieses Angebot ist noch zu wenig bekannt, sagen die Mitarbeitenden.

Kontakt

EUTB Rhein-Pfalz-Kreis, Dahlienstraße 3a, Telefon 06234 604360, E-Mail an rhein-pfalz-kreis@eutb-rlp.de. Offene Sprechstunden montags, 10 bis 15 Uhr, mittwochs 10 bis 12 Uhr, donnerstags 11 bis 15 Uhr.

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