Rhein-Pfalz Kreis Es wächst hingebungsvoll
/Mutterstadt. Zu Ostern mal nicht nur Eier. Die Speisekarte an den Feiertagen konnte dieses Jahr bestens um Spargel erweitert werden. Die Marktstände waren voll mit dem beliebten Gemüse und sind es noch. „Spargel wächst wie blöd“, sagt Pfalzmarktsprecher Hans-Jörg Friedrich. „Dafür, dass wir noch früh in der Saison sind, ist es viel zu viel. Und der Spargel wächst nicht nur bei uns in der Pfalz, sondern in allen Anbaugebieten in Deutschland.“ Für den Verbraucher ist das gut. Die Preise sind günstig. Die Nachfrage ist zwar da, das Angebot aber auch. „Für unsere Erzeuger ist das eher schlecht“, meint Friedrich. Aus ihrer Sicht sind die Preise im Keller, sprich: Sie verdienen schlecht am Spargel, bekommen kaum die Materialkosten rein. Die frühen Sorten sind oftmals dreifach abgedeckt. „Und die Folien kosten Geld“, sagt der Gemüseexperte vom Mutterstadter Großmarkt. Doch nicht nur der Spargel wächst wie verrückt, sondern auch Salate, Radieschen und Bundzwiebeln können schon reichlich geerntet werden. Bald wird der Kohlrabi reif. Die Regale im Pfalzmarkt füllen sich. Alles ist dieses Jahr viel früher dran. „Der März war schon ungewöhnlich warm“, sagt Friedrich. Und auch der April ist nicht gerade mit kalten Tagen gestartet. Auf den Feldern wächst es deshalb hingebungsvoll. „Fast zu gut – ein bisschen Entschleunigung wäre für uns nicht schlecht“, sagt Friedrich. Ein paar kühle Tage und Regen – das wäre für die Landwirte jetzt perfekt. Und zumindest für diese Woche scheint der Wunsch in Erfüllung zu gehen. Zumindest die Temperatur ist gefallen. Ob es genug regnet, bleibt abzuwarten. Es war nämlich ziemlich trocken bislang. Dank des künstlichen Beregnungssystems war das allerdings nicht das große Problem. Aber die künstliche Wasserversorgung kostet eben auch Geld. Zu viel Regen soll es dann aber auch nicht sein. „Sie erinnern sich an vergangenes Jahr ...?“, fragt der Pfalzmarktsprecher. Da hatte das Frühjahr auch gemäßigt begonnen – im Mai aber setzte der große Regen ein. Unwetterartig. Die Felder im Rhein-Pfalz-Kreis standen bald unter Wasser, die Ernte ging im wahrsten Sinne des Wortes baden. „Das war eine schlimme Zeit, die Äcker konnten quasi nicht mehr bearbeitet werden“, erinnert sich Friedrich. Auf ein solches Desaster können der Pfalzmarkt und seine Erzeuger verzichten. Und deshalb zählen die positiven Entwicklungen. So sei heuer etwa auch die Obstblüte sehr gut. Wenn es keinen Spätfrost mehr gibt, ist es laut Friedrich ein super Ansatz für ein gutes Obstjahr. „Es wird viele Früchte geben – sollte alles gut gehen.“ Ein Bangen bleibt immer, welche Launen die Natur noch auslebt. Wer Rhabarber mag, kann sich mit den rot-grünen Stängeln auch schon eindecken. Normalerweise kommt das Gemüse, das so fruchtig-säuerlich daherkommt, erst Ende April auf den Markt. „Der Rhabarber braucht den Kältereiz, damit die Wurzel Triebkraft entwickelt. Und wir hatten ja frostige Tage im Winter. Dazu jetzt die Sonne – dann wächst und gedeiht er“, erklärt Friedrich. Rhabarber und Spargel müssen aber aufpassen, dass sie ihr Pulver nicht zu schnell verschießen. So kann es Friedrich zufolge passieren, dass die Saison vor dem Johannistag beendet wird. Gerade der Spargel verbrauche jetzt schon viel Kraft. Da sei es ganz gut, dass kühle Tage den Druck rausnehmen. Und da man nie weiß, wie es weitergeht, gilt es zuzugreifen. „Die Qualität ist jedenfalls sehr gut“, versichert Friedrich allen Spargelfans. Bleibt die Frage der Zubereitung. Mit Hollandaise oder mit Butter? Mit Schinken, Schnitzel – oder einfach Kartoffeln?