Rhein-Pfalz Kreis Es rollt, quietscht und eiert

Voll der Verkehr in der Maxdorfer Hauptstraße und darüber sprechen alle bei der Redaktion vor Ort.
Voll der Verkehr in der Maxdorfer Hauptstraße und darüber sprechen alle bei der Redaktion vor Ort.

«Maxdorf.» Manchmal möchte man gar nicht mehr hinschauen. Gewagte Wendemanöver, gestresstes Hupen, da steigt ein alter Mann mitten auf der Straße aufs Fahrrad, eine Dame mit Rollator zwängt sich an einem einparkenden Auto vorbei. Puh. Da ist Ablenkung willkommen. Der erste, der sich an diesem Morgen die blaue Dubbetasse füllen lässt, ist Volker Fickler. Der Kaffee schmeckt ihm. Schön heiß ist er. Auf der Seele brennt dem Rentner etwas anderes. Der Verkehr auf der Hauptstraße. Und die Parksituation an der Birkenstraße. Das möchte er bei der Redaktion vor Ort loswerden. Unwillkürlich fällt der Blick wieder auf die Straße. Gewagte Wendemanöver, gestresstes Hupen. Doch keine Ablenkung. Die Hauptstraße bleibt das beherrschende Thema an diesem Vormittag. Jeder, aber auch jeder, der kommt, macht eine Bemerkung zum Verkehr, zu gefährlichen Engstellen, zugeparkten Gehwegen. Fahrrad, Rollator, Chaos. Zuhören. Und dabei zusehen. Abgase einatmen. Puh. „Gell, man könnte meinen, irgendwo in München zu stehen“, sagt Ulrich Klamm und grinst. Heribert Vetter nickt. In ganz Maxdorf sei der Verkehr zu einem Problem geworden. „Weil die Leute zu viele Autos haben.“ Vor allem Fußgänger und Radfahrer schweben bei dem dichten Verkehr in Gefahr, findet Klamm. Aber ansonsten leben die drei Männer sehr gerne in Maxdorf. „Es gibt ja hier alles“, sagt Volker Fickler. Die drei überlegen. Ärzte, Banken, Bäcker und Supermärkte. Alles da. „Es fehlt nur ein uriges Lokal, wo man einfach mal ein gepflegtes Bier trinken kann“, sagt Klamm. Restaurants gebe es genug, keine Frage. Aber nur auf ein Bier wohin, ohne Essen, das sei schwer. „Vielleicht beim ASV?“, schlägt Fickler vor. „Ja, das geht“, sagt Klamm. Aber eher nur im Sommer. „Der Verkehr ist schon sehr dicht.“ Huch, da ist sie wieder, die Hauptstraße. Anna-Maria Vetter hat diese Bemerkung gemacht – mittenhinein in die Bierlaune. Sie ist die Frau von Heribert Vetter. Und hat ungefähr die gleiche Meinung zur Hauptverkehrsader ihres Heimatdorfs wie er. „Vor allem, wenn an beiden Seiten geparkt wird, wird es unübersichtlich“, findet sie. Sind die Vetters mit dem Rad unterwegs, umfahren sie die Hauptstraße über die Nebenstraßen, so gut es eben geht. Hilde Klehr macht das genauso. „Hier müsste dringend eine Geschwindigkeitsbegrenzung her, vor allem weil nun der Lkw-Verkehr von Amazon dazukommt“, sagt sie. „Der Verkehr hier ist schon enorm“, sagt auch Trudel Schöffel. Aber ansonsten leben die Frauen sehr gerne in Maxdorf. Weil es ja eben alles gibt. Sogar einen Drogeriemarkt. Den hatten die Männer bei ihrer Aufzählung vergessen. Es gibt so viel zu kaufen, dass es noch für Elke Bahlinger reicht. Die Friesenheimerin kommt extra aus der Stadt zum Einkaufen nach Maxdorf, vor allem dann, wenn in Ludwigshafen gerade kein Markt ist und sie frische Sachen braucht: Spargel, Erdbeeren oder so. Eine Mutterstadterin berichtet, dass sie am liebsten ihren Kuchen hier beim Konditor kaufe. Aha. Verkaufsschlager. Verkehrschaos. Das attraktive Einkaufsangebot macht Maxdorfs Hauptstraße so voll. „Das Dorf soll alles bieten und lebendig sein, aber viel Verkehr darf es nicht geben“, sagt Verbandsbürgermeister Paul Poje (CDU). Er bringt damit das Dilemma vieler Dörfler im ganzen Rhein-Pfalz-Kreis zum Ausdruck. Ein lebendiges Dorf mit allen Möglichkeiten, aber kein Verkehr – das ist eben schwierig. Und deshalb bleibt nur eins: Die Hauptstraße ordentlich gestalten. „Das ist aber Ortsgemeindesache“, sagt Poje und lacht. Und die Ortsgemeinde hat es eben nicht einfach. Bernd Lupberger ist einer, der sich auf dieser Ebene politisch engagiert. Er ist Beigeordneter (CDU). Und hat die Hauptstraße nicht nur vom RHEINPFALZ-Stand aus im Visier. In unzähligen Ortsgemeinderatssitzungen war sie bereits Thema. Unzählige Ideen hat es bereits gegeben. Von einem mediterranen Flair wurde sogar schon geträumt. Palmen, die sich im Wind wiegen. Statt Wasserbecher, die vom Winde verweht werden. Es geht ein Lüftchen in der Hauptstraße. Gerade ist es sogar relativ ruhig. Keine gewagten Wendemanöver, kein gestresstes Hupen. „Die Hauptstraße ist das Thema hier im Ort. Gerade die Menschen, die hier wohnen, sind belastet“, sagt Lupberger. Aber die Hauptstraße sei eben auch eine Landesstraße. Alle Vorhaben müssten deshalb mit dem Landesbetrieb Mobilität besprochen werden, ob das nun Tempo 30 oder Schutzstreifen für die Radfahrer sind. „Um da etwas zu erreichen, müssen wir dicke Bretter bohren.“ Und derweil andere Wege nehmen. Was die Vetters und Hilde Klehr schon machen. Ginge es nach Lupberger sollte ein kluges Schildersystem Radfahrer von der Hauptstraße wegleiten. Wie Volker und Sigrid Gerhart zur Redaktion vor Ort geradelt sind – keine Ahnung. Aber sie kommen wohlbehalten an. Und das, obwohl es so gefährliche Kreuzungen gibt. „Hauptstraße, Friedhofstraße, Heideweg“, nennt Volker Gerhardt ein Beispiel. Jeder, aber auch jeder, der kommt, macht eine Bemerkung zum Verkehr, zu gefährlichen Engstellen, zugeparkten Gehwegen. Fahrrad, Rollator, Chaos. Zuhören. Und dabei zusehen. Abgase einatmen. Puh. Es geht auf Mittag zu, als Horst Klein vorbeikommt. Und tatsächlich von etwas anderem spricht. Er organisiert das Maxdorfer Open-Air-Kino. In diesem Jahr geht es drei Tage lang. Weil Maxdorf Jubiläum feiert. Mit tollen Filmen und viel Musik. Wenn ab dem 20. Juni die Hauptstraße verstopft ist, ist Klein schuld. Er hat total viele Flyer auf dem Betze verteilen lassen. Eine Lawine Lauternfanautos droht Maxdorf. Damit die Hauptstraße Thema bleibt.

Auf ein Kaffee mit ... Horst Klein und Hilde Klehr im Gespräch mit den Redakteurinnen Doreen Reber und Britta Enzenauer.
Auf ein Kaffee mit ... Horst Klein und Hilde Klehr im Gespräch mit den Redakteurinnen Doreen Reber und Britta Enzenauer.
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