Rhein-Pfalz-Kreis Es ist die Motte, nicht der Spinner

So sieht das aus, wenn die Gespinstmotte am Werk ist.
So sieht das aus, wenn die Gespinstmotte am Werk ist.

Der Eichenprozessionsspinner erfährt als Falter keinerlei Aufmerksamkeit, aber wehe er taucht als Raupe auf! Da kommt Panik auf. In Schifferstadt machen besorgte Bürger das Tier immer wieder auf Pflanzen aus. Aber dann ist es doch ein Fehlalarm.

Immer wieder klingeln die Telefone bei Schifferstadter Stadtverwaltung und Stadtgärtnerei, weil Bürger den Eichenprozessionsspinner gesichtet haben wollen, der für Menschen, vor allem Allergiker, gefährlich werden kann. Doch in den meisten Fällen krabbeln nur die harmlosen Raupen der Gespinstmotte im Geäst umher, wie Mitarbeiter, die sich die Sache vor Ort ansehen, feststellen müssen.

Sträucher, die von der Gespinstmotte befallen sind, sehen ekelig aus. Sie sind vollkommen umwoben von einem weißen Gespinst. Das Tier hat nicht umsonst seinen Namen. Darunter wirken die kahl gefressenen Äste gespenstisch. Den seidigen Schleier spinnen die kleinen Raupen, um sich vor Fressfeinden wie Vögeln oder Witterungseinflüssen wie Regen zu schützen. „Gespinstmotten gibt es verschiedene – sie sind auf unterschiedliche Sträucher spezialisier“, erklärt Volker Westermann vom Forstamt Pfälzer Rheinauen. „Auf Weißdorn oder Pfaffenhütchen, aber auch Pappel oder Weide.“ Für den Menschen sind die Tiere ungefährlich. „Man mag halt bloß nicht in so ein Netz geraten“, sagt Westermann. Aber selbst die Bäume und Sträucher, die von der Gespinstmottenraupe befallen werden, erholen sich in der Regel. „Sie schlagen neu aus.“

Raupenketten von zehn Metern Länge

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners bilden ebenfalls Netze und deshalb kommt es wohl zu den Verwechslungen. „Doch die Gespinste werden etwa nur schneeballgroß“, sagt der Förster. Sie sehen also anders aus als bei den Raupen der Gespinstmotte. Aber es gibt einfachere Unterscheidungskriterien. „Der Eichenprozessionsspinner heißt Eichenprozessionsspinner, weil er fast ausschließlich auf Eichen anzutreffen ist“, erklärt der Forstexperte. Und dann steckt da noch die Prozession in seinem Namen – ebenfalls nicht von ungefähr: Die Raupen fressen hauptsächlich nachts und wandern dazu gemeinsam den Baumstamm und die entsprechenden Äste entlang. Diese namensgebende Raupenketten unzähliger Tiere können bis zu zehn Meter lang sein.

Im Gegensatz zu den Raupen der Gespinstmotte können die Raupen des Eichenprozessionsspinners Menschen gefährlich werden – beziehungsweise ihre Haare. Das sind aber nicht etwa die Haare, die man sehen könnte, wenn man dem Tier nahe käme, sondern Haare, die man mit bloßem Auge gar nicht sieht. Haare wie aus Glas, fachlich korrekt: Brennhaare. Sie sind mit einem Nesselgift gefüllt, einem Eiweiß. Die Spitze der Haare bohrt sich wie ein Pfeil in die Haut. Und das Eiweiß läuft hinein. Rote Flecken. Jucken. Allergische Reaktionen – noch der harmloseren Form. Reizungen an Mund- und Nasenschleimhaut können zu Bronchitis oder gar Asthma führen. Sehr empfindliche Menschen fallen sogar in einen Schockzustand. Deshalb werden die Raupen auch von Fachleuten entfernt. Also im Stadtgebiet. „Im Wald geht das nicht“, sagt der Förster. Da gilt es eben aufzupassen.

Und es gibt noch einen Unterschied: Wenn aus den Raupen Schmetterlinge geworden sind, wirkt der entfaltete Eichenprozessionsspinner unscheinbar, findet Westermann. „Im Gegensatz zur Gespinstmotte, die durch ihre vielen schwarzen Punkte auffällt und vielleicht manchem sogar gefällt.“

Kontakt

Wer in Schifferstadt den Eichenprozessionsspinner entdeckt, kann sich direkt an Helge Geißler von der städtischen Baumkontrolle unter der Telefonnummer 06235/44237 wenden. Stadtverwaltung und Stadtgärtnerei bitten jedoch darum, zuerst sicherzustellen, dass es sich tatsächlich um den giftigen Eichenprozessionsspinner und nicht etwa um die harmlose Gespinstmotte handelt.

Total getüpfelt: Die Gespinstmotte trägt ein auffälliges Muster auf ihren hellen Flügeln.
Total getüpfelt: Die Gespinstmotte trägt ein auffälliges Muster auf ihren hellen Flügeln.
Gespinst der Raupen des Eichenprozessionsspinners.
Gespinst der Raupen des Eichenprozessionsspinners.
Raupe an Raupe an Raupe: Prozession den Stamm hinauf.
Raupe an Raupe an Raupe: Prozession den Stamm hinauf.
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