Rhein-Pfalz Kreis „Es herrschen Bürokratie und Preisdruck“
Es hatte zuvor schon ein bis zwei Anläufe für einen Zusammenschluss gegeben, die aber vor allem daran scheiterten, dass man sich nicht auf einen Vorsitzenden einigen konnte, der von den Landwirten beider Ortsteile akzeptiert wurde. Das lag vor allem an der ungleichen Mitgliederzahl. Der Bauernverein Roxheim zählte damals 19 Mitglieder, in Bobenheim waren es 31. Die Roxheimer befürchteten eine Bobenheimer Dominanz im Vorstand. Ich war damals stellvertretender Vorsitzender im Ortsverein Bobenheim, und meine Vorfahren mütterlicherseits kamen aus Roxheim. Zusammen mit meinem Vater, der Metzger war, haben wir in beiden Ortsteilen Hausschlachtungen gemacht. Daraus erwuchs ein Vertrauensbonus auf beiden Seiten. Da waren die Erwartungen an Sie doch sicherlich hoch? Zweifellos, zumal wir schon ein Jahr später, 1986, mit den Folgen der Atomkatastrophe von Tschernobyl zu kämpfen hatten. Die erste große Herausforderung. Ich wurde als Bauernvereinsvorsitzender Mitglied in der Sonderkommission des Landkreises. Erntereife Felder mussten wegen der Kontaminierung umgepflügt werden, und es musste ein Schadensausgleich hergestellt werden. Es gab abendfüllende Sitzungen. Die Bauern wurden vom Land entschädigt. Welche Themen und Probleme haben sonst noch Ihre lange Amtszeit geprägt? Da gab es viele Herausforderungen, zum Beispiel dass ein landwirtschaftlicher Betrieb im Ortskern keine Zukunft mehr hat. Die Zahl der Aussiedlerhöfe ist zwangsläufig angestiegen. Es wurde immer schwerer, mit den größer gewordenen landwirtschaftlichen Fahrzeugen die innerörtlichen Straßen zu nutzen. Auch der Preisdruck für landwirtschaftliche Produkte hat zugenommen. Immer wieder war auch ein Ausgleich zwischen Landwirtschaft und Naturschutz herzustellen. Wer Bobenheim-Roxheim kennt, hat den Eindruck, dass die Traktoren der Bauern immer schneller durch die Gemeinde fahren. Ist diese Wahrnehmung zutreffend? Ja, und ich möchte ergänzen: bei Tag und bei Nacht. Können Sie das näher erläutern? Unsere Bauern sollen nachts um 3 Uhr Spinat ernten und anliefern, danach um 5 Uhr Kartoffeln und um 8 Uhr Petersilie und Kräuter. Um 13 Uhr sind dann Zwiebeln anzuliefern und um Mitternacht Zuckerrüben. Früher war der Bauer ein „freier Mann“, heute ist er oft fremdbestimmt. Sie sind jetzt 30 Jahre Vorsitzender des Ortsvereins im Bauern- Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd. Was stört Sie in der Branche heute am meisten? Ich beklage vor allem die überzogene Bürokratie und den Preisdruck, der durch große und einflussreiche Handelsketten entstanden ist. Die landwirtschaftlichen Betriebe stehen unter einem enormen Druck. Das hat Auswirkungen auf das kollegiale Miteinander. Beispiel: Wenn früher ein Landwirt ernstlich erkrankte, haben Kollegen seine Arbeit solidarisch mitübernommen. So etwas ist heute kaum noch machbar. In Bobenheim-Roxheim können Landwirtschaft und Naturschutz schnell in einen Konflikt geraten. Wie kamen Sie damit klar, beispielsweise wenn Wildgänse Getreidefelder abgrasen? Das Problem mit den Gänsen zeigt ja deutlich, wohin es führt, wenn das Gleichgewicht der Natur durch menschliche Einflüsse gestört wird. Diese Vögel sind keine einheimische Spezies und konnten sich durch das Fehlen natürlicher Feinde überproportional vermehren. Wir als Bauernverein haben uns immer bemüht, die uns anvertraute Natur zu pflegen und zu schützen. Sicher gibt es auch mal ein „schwarzes Schaf“. Aber wir haben stets den konstruktiven Dialog und Interessenausgleich mit den Umweltverbänden gesucht. Eine Gemeinsamkeit dürfte wohl die Ablehnung einer Ortsumgehungsstraße sein. Damit tun wir uns schwer, zumal sich im Westen von Bobenheim-Roxheim breitgefächert die wertvollsten landwirtschaftlichen Nutzflächen befinden. Wir verwehren uns nicht grundsätzlich gegen eine Entlastungsstraße. Sie ist aus unserer Sicht jedoch nur in einer abgespeckten Variante sinnvoll, auch um die berechtigten Interessen der Bewohner von Bobenheim-West zu schützen. Einer großen Umgehungsstraße würden wir nach wie vor nicht zustimmen. Hat die Jahrhunderte alte landwirtschaftlichen Tradition von Bobenheim-Roxheim eine Zukunft? Die Landwirte hier sind bekannt für ihre Beweglichkeit und ihren Ideenreichtum. Die Zukunft ihrer Produkte liegt sicherlich auch im Bio-Anbau. Unsere jungen Landwirte sind da dynamisch und innovativ. Sie verstehen ihr Fach und arbeiten mit Herzblut. Termin Generalversammlung des Bauern- und Winzerverbands am Montag, 22. Februar, um 19 Uhr im katholischen Pfarrheim St. Antonius. Anschließend Versammlung der Jagdgenossenschaft.