Rhein-Pfalz Kreis Erneut Einbruchserie in Kindergärten
. Was genau die Einbrecher reize, gerade in Kindergärten einzubrechen, sei auch für die Polizei ein Rätsel, sagt Kai Giertzsch, der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Schifferstadt. Denn viel zu holen sei dort meist nicht. In der Regel werden nur kleine Beträge erbeutet oder Kleingeräte wie Kameras oder Handys. Manchmal auch Lebensmittel. „Selbst wenn Tresore mitgenommen wurden, war die Beute darin meist nicht hoch“, sagt Giertzsch. Aber diese Erfahrung scheint die Täter nicht von weiteren Einbrüchen abzuhalten. In zehn Nächten – zwischen dem 3. und 13. Januar – stiegen die Unbekannten in zehn Kindergärten in Altrip, Limburgerhof, Mutterstadt, Neuhofen und Waldsee ein, oder sie versuchten es. Oft waren zwei Einrichtungen in einer Nacht betroffen. Auch die Polizeiinspektion Frankenthal verzeichnete im Januar einen Einbruch in einen Fußgönheimer Kindergarten und je einen Versuch in Birkenheide und Maxdorf. Ob es sich dabei um dieselben Täter handelt wie bei den Fällen im Bereich der Schifferstadter Polizei, könne man zurzeit noch nicht sagen, sagt Kommissar Alexander Maurer. Es werde auch in diese Richtung ermittelt. Während die drei Fälle der Polizei Frankenthal laut Maurer „keine auffällige Häufung“ darstellen, spricht Giertzsch für den Bereich der Polizei Schifferstadt von einer „auffälligen Serie“. Um weiteren Einbrüchen vorzubeugen, will die Polizei Schifferstadt die Präsenz vor Kindergärten verstärken. Sie sei aber auch verdeckt unterwegs, „um selbst Ermittlungsansätze erlangen zu können“, wie Giertzsch sagt. Bei einer ähnlichen Einbruchserie im Rhein-Pfalz-Kreis konnte die Polizei 2015 elf von 16 Einbrüchen aufklären. Für fast alle dieser Einbrüche waren zwei Ludwigshafener im Alter von 18 und 19 Jahren verantwortlich, die dafür zu mehr als einem Jahr Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt wurden. „Einer der Täter konnte kurz nach einem Einbruch in Hockenheim festgenommen und dessen Partner kurz darauf ermittelt werden“, sagt Kommissar Jörg Haßler vom Sachgebiet Jugendkriminalität der Polizeidirektion Ludwigshafen auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Während einer der Täter arbeitslos war und durch die Einbrüche wohl seine Drogensucht finanzieren wollte, sei auch für die Polizei schwer nachvollziehbar gewesen, warum der andere Täter sich an den Einbrüchen beteiligte, so Haßler. „Er hatte sogar einen Job.“ Grundsätzlich stünden Kindergärten aber „immer auf der Liste von Einbrechern jeglicher Couleur“, informiert der Kommissar. Das reiche von Jugendlichen, die hauptsächlich Süßigkeiten klauten und randalierten, bis zu organisierten Tätern, die auch Elektrogeräte und Tresore mitnähmen. Besonders ärgerlich für die Kindergärten: Der Sachschaden, den die Täter bei ihren Raubzügen anrichten, ist oft höher als der Wert des Diebesguts selbst. Diese Erfahrung machte etwa die Kindertagesstätte Pavillon in Neuhofen, als sie 2015 ins Visier der Diebe geriet. Wäre der versuchte Einbruch im Januar ebenfalls erfolgreich gewesen, hätten die Täter deshalb offene Schränke, aber keine Wertsachen vorgefunden. Wie Betreuerin Brigitte Dzengel erklärt, würden die Wertsachen jeden Abend mitgenommen werden und selbst der Tresor, der nach dem Einbruch 2015 neu angeschafft wurde, stehe derzeit offen: „Dann können die Täter sehen, dass darin nichts zu holen ist. Auch ohne ihn aufzubrechen oder zu stehlen.“ In der Kindertagesstätte Storchennest in Böhl-Iggelheim blieb es im Dezember jedoch nicht beim Versuch. In der Nacht zum 22. Dezember wurden eine Bürotür, ein verschlossener Schrank und zwei Geldkassetten aufgebrochen, mehrere Schränke durchwühlt und dabei Bargeld gestohlen. „Die Reparaturarbeiten sind bereits in vollem Gang“, sagt Leiterin Heike Schoonwater. Dabei sei aber nicht geplant, die Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken. Denn „man kann sich einfach nicht hundertprozentig schützen“. Einige Türen würden jedoch ausgetauscht und damit den aktuellen Sicherheitsstandards entsprechen, so Schoonwater. Etwa die Tür zum Garten, durch die die Einbecher ins Gebäude kamen.