Rhein-Pfalz Kreis Erfolgreich, humorvoll, bescheiden – und arm

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Schifferstadt. Olympiasieger, olympische Bronzemedaille, Europameister, Deutscher Bundessieger: Der 1964 verstorbene Jakob Brendel war ein großer deutscher Ringer. Ihm und seinen Ringerkollegen Georg Gehring und Fritz Schäfer hat das Erste Deutsche Ringermuseum Schifferstadt eine Ausstellung gewidmet. Das Leben der drei zeigt: Ringen ist ein harter Sport – auch abseits der Matte.

„Städtekampf Nürnberg-Budapest für Jakob Brendel“ steht auf der großen Tischuhr rechts neben der Tür zu dem kleinen Zimmer, das das Erste Deutsche Ringermuseum Schifferstadt für den Olympioniken eingerichtet hat. Neben zahlreichen Medaillen und Fotos, die den Sportler unter anderem mit Ringerkollegen zeigen, gibt es auch seinen Olympiakoffer, seine Olympiaurkunde mit griechischen Gottheiten, seinen Olympiaausweis und seine Ringerschuhe zu sehen. Die dunklen Lederschuhe mit fester Sohle sehen nicht so aus, als wären sie fürs Ringen gemacht. Sie sind mit modernen Modellen nicht vergleichbar. Überhaupt war zu Jakob Brendels Zeiten einiges anders. „Man kann sich heute kaum vorstellen, unter welch’ schwierigen Bedingungen der Alltag zu bewältigen war“, sagte Bürgermeisterin Ilona Volk (Grüne) bei der Ausstellungseröffnung am Mittwoch. Statt Pokalen gewannen die Sieger beispielsweise Wurst- und Esspakete. „Essen war notwendiger als Pokale“, sagte Hans-Otto Balmes, Beirat des Trägervereins. Um 1932 nach Los Angeles zu den Olympischen Spielen zu kommen, mussten Freunde des ASV Sandow für Brendel 2000 Mark sammeln. „Eine Riesensumme damals – und eine Unterstützung vom Deutschen Olympischen Komitee gab es noch nicht.“ Der Krieg und die anschließende Gefangenschaft rissen Brendel aus seinem Sport heraus. Als er nach Nürnberg zurückkehrte, nahm er seine Karriere altersbedingt nicht wieder auf. Fritz Schäfer, „Spitzer“ genannt, einem Ringerkollegen im VfK, erging es noch schlechter. Der viermalige Europameister, olympische Silbermedaillengewinner 1936 und mehrfache Deutscher Meister galt lange als verschollen. Er wurde 1972 von Ringerfreunden völlig verarmt gefunden und in die Pfalz zurückgeholt. Ihm und Georg Gehring, zweimaliger Europameister, sechsmaliger Deutscher Meister und Gewinner der olympischen Bronzemedaille von 1928, ist im Museum der Eingang vor Brendels Zimmer gewidmet. Jakob Bendel Junior erinnert sich an seinen Vater als humorvollen und sehr bescheidenen Menschen: „Eigentlich zu bescheiden. Er hat keine großen Ansprüche gestellt und war mit allem zufrieden.“ Das musste er auch sein, nach Olympia 1932 gab es für ihn keinen Job mehr. Brendel sicherte sich sein Auskommen, indem er mit einem Handkarren Holz und Kohle ausfuhr. Heute ist Schifferstadt zwar immer noch Ringerhochburg, aber die Ringer selbst genießen nicht den hohen Status wie beispielsweise Fußballer. Das bedauert Werner Schröter, Vizepräsident des Landessportbunds Rheinland-Pfalz. Daher sein Appell: Sportarten wie Ringen dürften nicht nur noch in Museen zu sehen seien. Die Zuschauer müssten vielmehr die Vielfalt des Sportes bewahren. (udn)

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