Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Erdbeer-Ernte: Wenn der Pfälzer Bauer fließend Rumänisch spricht

Einen Teil seiner Erdbeeren zieht Tim Ballreich mittlerweile in Stellagen heran.
Einen Teil seiner Erdbeeren zieht Tim Ballreich mittlerweile in Stellagen heran.

Die Erdbeerernte ist in vollem Gange. Was alles passieren muss, bis die roten Leckereien in der Schüssel oder auf dem Kuchen landen, erklärt Landwirt Tim Ballreich.

Landwirt Tim Ballreich vom Dudenhofener Martinshof hat aktuell rund 150 Saisonarbeiter im Einsatz, die neben Spargel vor allem Erdbeeren von den Feldern rund um seinen Bauernhof zurückbringen. Die meisten der Arbeiterinnen und Arbeiter kommen schon seit Jahren aus Rumänien – was zur Folge hat, dass Ballreich mittlerweile durchaus respektables Rumänisch spricht. Das kann der sprachbegabte Landwirt während des Besuchs des RHEINPFALZ-Reporters in einem kurzen Gespräch mit seinem für die Beregnung zuständigen „Wassermann“ direkt beweisen. „Man schafft ja den ganzen Tag zusammen, da habe ich mir leicht getan, die Sprache aufzuschnappen“, sagt Ballreich. Mittlerweile sind unter den Saisonarbeitern auch etliche Georgier, aber bei deren Muttersprache ist Ballreich bislang an seine Grenzen gestoßen, wie er zugibt.

Rund 300 Tonnen Erdbeeren produziert und verkauft Ballreich jedes Jahr. Hinzu kommen Spargel, Rhabarber, Rettich, Karotten und sonstiger Ackerbau. Als „durchwachsen“ bezeichnet der 30-Jährige die bisherige Erdbeer-Saison, die Ende April gestartet ist. „Das Trockene war schon gut für die Süße und den Ertrag“, erklärt er. „Die Qualität war so gut wie lange nicht mehr.“ Dafür seien die kalten Nächte nicht optimal gewesen. Nun seien die Nächte zwar wärmer, dafür könne der Regen Probleme bereiten, denn der begünstigt Pilzbefall. „Wir müssen schauen, dass wir die Erdbeeren nicht zu lange hängen lassen“, sagt Ballreich. Aber abhängig vom Wetter zu sein, dass sei eben schon seit Jahrhunderten das Los der Landwirte.

Der Kältereiz muss sein

Möglichst rot und süß und dabei lange haltbar, so wollen die Kunden die Erdbeeren. Während bei der Kundschaft Erdbeeren aber meistens nur zwei, drei Monate im Jahr im Fokus stehen, sieht das bei Bauer Ballreich anders aus: „Wir beschäftigen uns das ganze Jahr mit Erdbeeren“, sagt er. Schon im Februar oder März muss er die Pflanzen bestellen, die im folgenden Jahr die leckeren roten Früchte produzieren sollen. Rund 350.000 Pflanzen jährlich schafft der Dudenhofener, der den Hof 2017 übernommen hat, an – wobei einige davon auch zwei Jahre stehen bleiben. Eingepflanzt werden sie in der Regel im Juli oder August. Bis zum Winter sollen die Erdbeerpflanzen starke Wurzeln und genügend Blattmasse gebildet haben, um gut durch die kalte Jahreszeit zu kommen. Zu warme Winter sind dabei für die Erdbeerpflanzen auch nicht gut. „Sie brauchen den Kältereiz“, erklärt Ballreich. Es gebe übrigens auch tiefgefrorene Pflanzen, die man erst im Frühjahr einsetze – allerdings seien diese sehr teuer. Im Januar oder Februar würden die frühen Sorten mit Vlies abgedeckt. „Das muss spätestens beim Beginn der Blüte wieder runter“, sagt der Landwirt. Während der gesamten Wachstumsphase lässt er seinen Pflanzen viel Pflege angedeihen: Sie werden gedüngt, Unkraut wird entfernt und überflüssige Ranken sowie abgestorbene Blätter werden immer wieder entfernt.

Auf rund zwölf Hektar Boden wachsen bei Ballreich Erdbeeren. Die meisten Pflanzen stehen dabei im Freien, knapp die Hälfte ist durch Folientunnel geschützt. Auf zwei Hektar hat der Landwirt Stellagen errichten lassen, auf denen die Erdbeeren in 200 Meter langen Reihen in mit Kokossubstrat befüllten Pflanzkästen wachsen. Die Bewässerung und Düngung läuft per Computer automatisiert, zwischen einem und vier Liter Wasser braucht jede Pflanze täglich. Die Vorteile des Stellagen-Anbaus: Die Erntehelfer müssen sich nicht bücken und können dadurch die Erdbeeren wesentlich schneller ernten. Die Pflanzen tragen dabei sogar mehrmals im Jahr Früchte, so dass Ballreich bis in den Oktober Erdbeeren anbieten kann. Weil die Pflanzen nicht im Ackerboden wachsen, muss der Bauer außerdem nicht die Fruchtfolge beachten und kann im folgenden Jahr die Stellagen an gleicher Stelle wieder bepflanzen. Trotzdem ist Ballreich nicht restlos von dem System, dass er seit wenigen Jahren nutzt, begeistert. Nicht nur die Anschaffung war teuer, auch das Substrat, in dem die Pflanzen wachsen, drückt den Gewinn.

Um kurz vor sechs geht’s los

Ein Erntetag beginnt in der Regel schon vor 6 Uhr morgens mit einer Besprechung. „Dann kriegen die Vorarbeiter gesagt, welche Bestellungen wir haben“, erklärt Ballreich. Denn weil die Erdbeeren so ein empfindliches und leicht verderbliches Produkt sind, darf es keine langen Lagerzeiten geben. Der Landwirt muss daher schon bei der Pflanzung darauf hinarbeiten, dass er möglichst nie zu viel oder zu wenige Erdbeeren hat, die gerade reif sind. Einen Überhang an Früchten soll es nicht geben. „Das ist die Kunst an der Sache“, sagt Ballreich. Seine Erntehelfer packen die Erdbeeren direkt in die Schalen, die später über die Ladentheken wandern. Auch gewogen werden sie schon vor Ort auf dem Feld. „Warum soll ich die Erdbeere zweimal in die Hand nehmen?“, verweist der Bauer wieder auf die empfindliche Struktur der Früchte. Auf seinem Hof lagern sie dann auch in der Regel nur bis zu einer Stunde in der Halle, bevor sie per Lkw abtransportiert werden – meist in Richtung Pfalzmarkt in Mutterstadt.

Rund 15 Prozent der Ernte gehen außerdem in den eigenen Hofladen oder in die vier Verkaufsstände mit Ballreich-Produkten, die in Edenkoben, Edesheim und Hambach sowie in der Speyerer Maximilianstraße stehen. Den Speyerer Stand gibt es in diesem Jahr zum ersten Mal. Die Preise seien vergleichbar mit dem vergangenen Jahr. Im Hofladen drohen die Erdbeerbestände während des RHEINPFALZ-Besuchs gerade zu Neige zu gehen. Doch kein Problem: Ein Grüppchen Saisonarbeiterinnen ist zur Stelle, um Nachschub zu holen – frisch vom Feld, so wie es bei Erdbeeren sein muss.

Termin

Noch bis Ende Juni ist der Hofladen im Martinshof Dudenhofen täglich von 8 bis 19 Uhr geöffnet, anschließend bis Dezember Dienstag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr. Am Samstag, 6. September, 14 bis 24 Uhr, und am Sonntag, 7. September, 10 bis 16 Uhr, lädt der Martinshof dieses Jahr zu seinem Hoffest mit Betriebsführungen, Live-Musik sowie Essen und Trinken ein.

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