Rhein-Pfalz Kreis Entspannt in der Natur unterwegs
«Schifferstadt.» In der Natur fühlt sich Günter Remmel einfach nur wohl. Ihn zieht es regelmäßig auf die Wanderwege rund um Schifferstadt und in der Pfalz. Mit ein Grund, warum er sich seit 1984 in der Ortsgruppe Schifferstadt des Pfälzerwald-Vereins (PWV) engagiert. Das Land Rheinland-Pfalz hat ihm nun die Ehrennadel verliehen.
Das Wetter, das stört Günter Remmel nicht. „Es gibt höchstens falsche Kleidung“, sagt er, lacht und fasst sich an den Kragen seiner Regenjacke. Er hat nichts zu befürchten und die Kapuze kann glücklicherweise das ganze Treffen lang im Kragen eingerollt bleiben. Die paar Tropfen, die von den Blättern im Schifferstadter Wald fallen, stören den 66-Jährigen nicht. Ein richtiger PWVler lässt sich von so etwas nicht beeindrucken. Seit 1984 wandert der Schifferstadter in der Ortsgruppe mit. Aus einem „mal gucken, wie es so ist“, sind 23 Jahre Mitgliedschaft und einige Ämter geworden. „Meine Frau Inge und ich waren damals beim Langlauf und haben festgestellt, dass wir keine Kondition haben“, erinnert er sich. Da sein Schwiegervater Vorsitzender der PWV-Ortsgruppe war, kam Remmel die Idee mitzulaufen. „Wir sind immer mal gewandert“, erzählt er. Aber eben nie in einer Gruppe. Zu zweit, sagt er, gingen einem nach zwei Stunden auch mal die Gesprächsthemen aus. Da sei eine größere Wanderung mit 20 Leuten praktischer. Irgendwer habe immer was zu erzählen. Diese Geselligkeit, das gemeinsame Bewegen schätzt der 66-Jährige sehr. Die Luft an diesem Morgen ist klar und frisch. Der Regen hat dem Waldboden gut getan. Es duftet nach Erde und Laub. Tief einatmen und genießen. „Ich bin gerne in der Natur“, sagt Günter Remmel. „Es entspannt und bringt Ruhe.“ Zielstrebig läuft er den Waldweg, der die Verlängerung der Herzog-Otto-Straße bildet, entlang, während er aus seinem Vereinsleben erzählt. 1985 hat er das Amt des Pressewarts übernommen, 1991 den stellvertretenden Vereinsvorsitz und von 1992 bis 2003 war er Bezirkswanderwart des Bezirks Vorderpfalz. Dann kam der bisher am längsten versehene Posten: Seit 2003 ist Günter Remmel Vorsitzender der PWV-Ortsgruppe Schifferstadt. „Es hat immer Spaß gemacht. Mit der Ehrung bin ich wohl auf dem Höhepunkt angekommen.“ Vielleicht, meint er, sei es mal an der Zeit, den Posten weiterzugeben. Günter Remmel ist stolz auf das, was er in den vergangenen Jahren im Verein geleistet hat. 1984 hatte die Ortsgruppe 110 Mitglieder, heute sind es 315. Allein in den vergangenen zehn Jahren kamen mehr als 100 neue Mitglieder dazu. Auch aus seiner Familie: „Meine vier Enkel sind angemeldet“, sagt er und erzählt von Tochter, Sohn und dessen Kindern. Seinem „Hobby“ neben dem PWV. Denn bis die Kleinen mitwandern und diesen Freizeitpart mit ihm teilen, dauere es noch ein bisschen. Er lacht. Dabei wünscht sich der Vorsitzende mehr Familien mit Nachwuchs im Verein. „Die jungen Leute laufen lieber alleine auf unseren Wegen.“ Das sei natürlich in Ordnung, aber doch schade. Damit die Mitgliederzahl weiter steigt, lasse man sich im Verein aber einiges einfallen. Eine besondere Winterwanderung zum Beispiel. „Das war die schönste Wanderung überhaupt“, sagt der ehemalige BASFler, der bis vor acht Jahren als Versuchstechniker im Werk gearbeitet hat. Unter dem Motto „Wir folgen dem Licht“ wurden 200 Teelichter am Wanderweg entlang aufgestellt, erinnert sich Günter Remmel. „Es war perfekt: Es war kalt, es hatte frisch geschneit und es war dunkel. Nach dem Abend hatten wir 15 Neuanmeldungen.“ Der Boden unter seinen Füßen ist feucht vom Regen. „Gleich geht es rechts ab“, sagt Günter Remmel, reckt den Kopf und sucht die Abzweigung zum neuesten Weg des PWV Schifferstadt, dem sogenannten Weg der Erinnerung. Mit der FWG Schifferstadt hat die Ortsgruppe ihn umgesetzt und am 14. Mai eröffnet. Und tatsächlich, da prangt ein gelbes Kreuz an einem Baum. Etwa 200 Meter von der Einmündung entfernt erinnert ein Grabstein an ein Verbrechen von 1925. Die achtjährige Agatha Thomas wurde an dieser Stelle ermordet. „Lange hat man den Stein gar nicht gefunden, so zugewachsen war alles“, erzählt der Schifferstadter, der auch die vereinseigene Homepage betreut. Die Vereinsmitglieder haben den Weg zur Gedenkstätte freigelegt, nachdem Remmel sogar mit GPS-Daten gesucht hat, wo genau der Platz sein muss. „Weiter entlang des Wegs kommt noch das Grab eines ermordeten Waldhüters.“ Etwas entdecken und lernen – das ist dem Schifferstadter PWV-Vorsitzenden wichtig. „Ich bin überall gerne, wo Wald ist und wo es Sehenswürdigkeiten gibt“, sagt Günter Remmel. Er sei schon so viele Strecken gelaufen und habe immer noch etwas Neues entdecken können. „Die Wanderführer laufen die Strecken vorher ab und informieren sich, was es zu sehen gibt“, erzählt der 66-Jährige. Er selbst geht zweimal im Monat 15 bis 20 Kilometer – gemeinsam mit seiner Frau – im Verein wandern. An anderen Tagen trifft man ihn am Rehbachwanderweg. „Ich genieße die Natur.“ Das Laufen mache den Kopf frei. „Man kann wunderbar nachdenken und bleibt gesund.“ Und einen Vorteil für seinen Posten haben die Ausflüge zu Fuß oder teils auch auf dem Rad auch: „Man sieht immer, wo etwas ausgebessert werden muss.“ Auf den sechs Wanderwegen, die alle an der Waldfesthalle beginnen, gebe es immer etwas zu tun. Von Markierungen erneuern bis freischneiden. Da zeigt sich Günter Remmel glücklich, ein starkes Team im Rücken zu haben. Das, findet er, sei Gold wert. Und nur so sei es möglich, einen Verein auf stabile Füße zu stellen. Bevor es zurück zum Teerweg geht, schlägt der 66-Jährige noch eine kurze Rast auf der alten Bank am Grabstein vor. „Es ist schön hier. So ruhig“, sagt er und blickt sich um und nach oben ins Blätterdach. Die Bank ist durchweicht vom Regen, Blätter kleben auf der Sitzfläche. Remmel greift in seine Jackentasche und zieht ein blaues Bündel raus. Aus dem Säckchen zieht er eine gefaltete isolierte Sitzunterlage. „So bleibt der Hosenboden trocken.“ Er lacht. Ein guter Wanderer weiß sich eben zu helfen.