Frankenthaler Umland
Ende des Tankrabatts: Noch mal voll machen, bitte!
An der TOP-Tankstelle in Heßheim war der Andrang am Mittwochmorgen größer als sonst. „Wirklich extrem viel war aber gestern Abend los“, sagt Mitarbeiterin Nicoletta Rummel. Die Tanks seien zum Glück rechtzeitig aufgefüllt worden, Engpässe habe es nicht gegeben. Rummel hat Verständnis dafür, dass viele noch mal den Tank voll machen, bevor der Tankrabatt ausläuft. „Jeder versucht zu sparen, wo es möglich ist, weil sowieso alles immer teurer wird.“
Gerd-Walter Keller aus Gerolsheim hat in der vergangenen Woche extra nicht getankt und die Preisentwicklung beobachtet. Jeden Tag sei es teurer geworden. Er empfindet das als willkürlich. „Man könnte meinen, das sei von langer Hand geplant, um die Kunden zur Kasse zu bitten.“ Weil keiner weiß, wie die Preise morgen aussehen werden, hat Keller beide Autos voll getankt und auch noch Kanister mitgebracht, in die Sprit für seinen Traktor kommt. 2,06 Euro kostet der Diesel hier aktuell pro Liter, Super 1,76 Euro.
Preise ziehen schon an
Keller ist nicht der einzige, den man mit Behältern an den Zapfsäulen sieht. Auch an der Tankstelle Ungefehr in Beindersheim haben Kunden Kanister mitgebracht. Am Mittag kostet Super hier 1,86 Euro und Diesel 2,13 Euro – freie Tankstellen bestimmen ihre Preise übrigens selbst und orientieren sich dabei an anderen freien in der Umgebung, während bei bekannten Ketten zentral an der Preisschraube gedreht wird. „Ich glaube nicht, dass es viel teurer wird“, sagt Mitarbeiter Osman Patir mit Blick auf die Spritpreise, die schon in den vergangenen Tagen angezogen haben. Aber es sei schon spürbar, dass etwas mehr Betrieb herrsche als üblich.
An der Aral-Tankstelle in Lambsheim schließt Sylke Kühnreich gerade dicke Schläuche an. Seit elf Jahren beliefert die Tankwagenfahrerin Tankstellen mit Treibstoffen, teilweise fährt sie dafür bis an den Bodensee. 18.000 Liter Diesel, 14.400 Liter Super und 3500 Liter E10 hat sie heute bei der Raffinerie in Karlsruhe abgeholt und nach Lambsheim gefahren. Und das war nötig, denn am Mittwochmorgen haben die Kunden die Vorräte fast komplett aufgekauft. „Derzeit gibt es lange Wartezeiten vor der Raffinerie, das ist echt eine Katastrophe“, erzählt Kühnreich, inwiefern der Ansturm auch ihre Arbeit beeinflusst.
Nachschub nach Bedarf
Wo Sprit nachgeliefert werden muss, wird bei den meisten Tankstellen automatisch erfasst. Freiraumermittlung heißt das in der Fachsprache. Registriert die Aral-Zentrale in Hamburg einen niedrigen Füllstand im Tank, werden Tanklaster mit Nachschub losgeschickt. Lambsheim ist heute aber Kühnreichs letzte Station. Wie oft sie ausliefern muss, hängt auch davon ab, wie sich Nachfrage und Preise in den kommenden Tagen ohne Tankrabatt entwickeln werden.