Neuhofen / Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Encrochat-Prozess: Es geht um eine Vielzahl von Details.

Angeklagt sind die Männer überwiegend wegen ihrer Drogengeschäfte, die die drei Angeklagten zwischen März und Mai 2020 über den
Angeklagt sind die Männer überwiegend wegen ihrer Drogengeschäfte, die die drei Angeklagten zwischen März und Mai 2020 über den verschlüsselten Kurznachrichtendienst Encrochat getätigt haben sollen

Die drei Angeklagten sollen über den Kurznachrichtendienst Encrochat Drogen verkauft und damit hohe sechsstellige Summen verdient haben. Beim Prozesses geht es aber nicht mehr um große Zahlen, sondern um eine Vielzahl von Details.

Die drei Angeklagten haben sich zu den Vorwürfen nicht geäußert. Der Versuch eines Deals, also einer Einigung, scheiterte. Jetzt muss jedes kleine Detail der Ermittlungen in der Verhandlung behandelt werden. Die Vorsitzende Richterin Mirtha Hütt hat für einen Teil der Unterlagen das Selbstleseverfahren angeordnet. Das bedeutet, alle Prozessbeteiligten, einschließlich der Angeklagten – zwei Neuhofener und ein Ludwigshafener – müssen diese Unterlagen lesen. Trotzdem bleibt noch jede Menge Material, über das in der Verhandlung gesprochen werden muss. Über die Ermittlungen berichten Polizei- und Kriminalbeamte. Anders als in Krimis machen nicht wenige Beamte alles, sondern jeder ist nur für einen kleinen Bereich zuständig. Drei Beamte standen auf der Zeugenliste.

Die Wohnung der Eltern durchsucht

Eine Polizeibeamtin sagte, dass sie unter anderem ein I-Pad ausgewertet habe, das einem der Angeklagten, einen 39-jährigen Neuhofener, gehöre. Auch sei sie in Grünstadt bei der Durchsuchung der Wohnung der Eltern des 35-jährigen Angeklagten aus Neuhofen dabei gewesen. Roman Schweitzer, einer der Rechtsanwälte des 35-Jährigen, forderte, dass die Polizistin sich nicht mehr über die Aussagen der Eltern während der Durchsuchung äußern dürfe. Die sollen noch als Zeugen gehört werden und es könnte sein, dass sie die Aussage verweigern. Ein Recht, das sie als nahe Verwandte haben.

Zahlreiche Anträge und Widersprüche der insgesamt acht Anwälte sind ebenso ein wesentlicher Bestandteil des Verfahrens, wie die Vielzahl von Details. So beanstandete Rechtsanwalt Friedrich Demandt, dass Hütt bei den Fragen an die Zeugen zu viel vorgebe.

Der 39-jährige Neuhofener habe einen „sehr hohen Lebensstandard“ gehabt, berichtete die Polizeibeamtin, welche „Rückschlüsse“ sie aus der Auswertung des I-Pads gezogen habe. So habe er in einem Jahr elf Reisen unternommen. Auf Nachfragen konnte die Polizistin nicht sagen, wann das gewesen sein soll, ob die Reisen nur geplant wurden oder wirklich stattgefunden haben. „Das ist nicht auszuschließen“, antwortete die Polizistin auf die Frage von Rechtsanwältin Miriam Haas, ob eine andere Person das I-Pad benutzt haben könnte.

Fahrt in die Schweiz

Bei der „akustischen Innenraumüberwachung“ eines Autos des 36-jährigen Ludwigshafeners sei ein Gespräch aufgenommen worden, dass der Ludwigshafener mit anderen in die Schweiz fahren wolle und dass dabei Drogen mitgenommen werden sollen, sagte ein Kripobeamter. Er berichtete ebenfalls von Hinweisen auf einen teuren Lebensstil des 39-jährigen Neuhofeners, von Urlauben in Dubai, Thailand und der Karibik. Der Mann habe sich immer wieder Geld geliehen und dieses bar zurückgezahlt. Er vermute, dass dies Einnahmen aus Drogengeschäften waren – abgewickelt über den Kurznachrichtendienst Encrochat – deren Herkunft so „verschleiert“ werden sollte. Er berichtete, dass derzeit ein weiteres I-Phone des 39-jährigen Neuhofeners mit über einer Million Nachrichten ausgewertet werde. Der Prozess wird am Dienstag, 11. Oktober, 9 Uhr, fortgesetzt.

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