Römerberg
Eiserne Hochzeit: Liebe über Konfessionsgrenze hinweg
Im Garten der Haafs steht eine beeindruckende Palme. Dem Ehepaar ist wichtig, dass sie immer genug Wasser hat und gut gedüngt ist. Zum Überwintern geben sie die Pflanze jedes Jahr an eine Gärtnerei ab. Der Grund, warum Anna und Otto Haaf so an ihrer Palme hängen: Sie war ein Geschenk zur Hochzeit vor 65 Jahren, ist also genauso alt wie die Ehe des Jubelpaares. „Da hängt mein Herz dran“, sagt Anna Haaf.
Kennengelernt hat sie ihren Mann in Kaiserslautern: Otto Haaf ist Berghausener durch und durch, arbeitete aber damals als Bäckergeselle in der Westpfalz. Seine heutige Frau war bei der gleichen Familie als Haushaltshilfe angestellt. 1952 war das. „Kaiserslautern war damals noch ein Trümmerhaufen“, erinnert sich Anna Haaf. An die erste Begegnung mit ihrem Otto kann sie sich noch gut erinnern: „Da ist ein junger Mann an mir vorbeigelaufen, der hatte schöne schwarze Haare“, erzählt sie. Zu ihrer Mutter habe sie dann gesagt: „Mama, das gibt mal mein Mann.“
Verschiedene Konfessionen: Damals ein Skandal
Begünstigt wurde die immer größer werdende gegenseitige Sympathie dadurch, dass beide von nun an im gleichen Haus wohnten. Gegenseitige Besuche im Zimmer des jeweils anderen blieben nicht lange verborgen – obwohl Otto Haaf extra die Türen ölte, damit diese nicht mehr quietschten. Geradezu skandalös für die damalige Zeit war, dass beide unterschiedlichen Konfessionen angehörten: Otto Haaf war katholisch, die sechs Jahre jüngere Anna evangelisch.
Doch davon ließ sich das junge Paar nicht beirren: 1957 wurde geheiratet – zunächst standesamtlich in Berghausen, dann kirchlich in Kaiserslautern. In Otto Haafs Heimatdorf baute sich das junge Ehepaar ein Häuschen, in dem es heute noch lebt. Urlaube führten die Haafs in die verschiedensten Ecken der Welt. Kontakt zu anderen war den beiden immer wichtig, so waren sie von Anfang an beim örtlichen Pfälzerwald-Verein dabei. Mittlerweile sind viele aus dem früheren Freundeskreis des Paars verstorben. Dass Otto Haaf im Römerberger Vereinsleben gut bekannt ist, liegt auch daran, dass er als RHEINPFALZ-Reporter unzählige Mitgliederversammlungen besucht hat.
Engagement in Tschernobyl-Hilfe
Zwar bekamen die Haafs keine eigenen Kinder, doch engagierten sie sich bei der Tschernobyl-Hilfe in ihrer Pfarrgemeinde. Zwei Mädchen aus Weißrussland nahm das Paar zeitweise bei sich auf. Heute wohnen beide – mittlerweile sind es erwachsene Frauen – in Deutschland. Der Kontakt zu den Haafs ist über all die Jahrzehnte nicht abgerissen und es gibt regelmäßige Besuche. Eine der beiden hat eine Familie in Würzburg gegründet. „Deren Kinder sagen Oma und Opa zu uns“, erzählen die Haafs.
„Wie im Gefängnis“ kam sich Otto Haaf während der Corona-Pandemie vor. Umso glücklicher sind er und seine Frau, dass sie zu ihrer eisernen Hochzeit Gäste begrüßen können. Am Samstag, 18. Juni, veranstalten sie am 10 Uhr beim Musikverein Berghausen einen Sektempfang für Freunde und Bekannte, mittags gibt es noch Kaffee und Kuchen.