Mutterstadt
Eiserne Hochzeit: Heiße Tage bei viel Harmonie
„Wenn man ohne Vorahnung die Tür aufmacht und da steht ein schönes Mädel, das ist schon was!“ An der Art, wie Klaus Speichermann vom Tag seiner ersten Begegnung mit seiner Frau Rosemarie erzählt, merkt man, wie gern er sich daran erinnert. Es war an seinem 18. Geburtstag und Rosemarie wollte eigentlich nur ihre Freundin abholen, die mit einem Bruder von ihm befreundet war. Auch wenn es nicht sofort gefunkt hat, haben die beiden sich ab da öfters gesehen und getroffen. „Dann isses gekommen!“, blickt die zum Zeitpunkt des Kennenlernens 20-Jährige zurück.
Geheiratet wurde, da das Volljährigkeitsalter damals 21 Jahre betrug, am 6. Juli 1957 mit Zustimmung der Eltern des Bräutigams. Diese boten mit ihrem Garten auch gleich die Hochzeitslocation für die 40 Gäste, die man mit Getränken aus mit Eis gefüllten Waschbottichen und selbstgekochtem Essen versorgte. Das junge Paar zog in den dritten Stock des Elternhauses im „Grünen Hof“ der Ludwigshafener Gartenstadt. Schon bald erblickte Sohn Manfred, der bis heute immer für seine Eltern da ist, das Licht der Welt.
Selbstständig mit der Pension Müller
Rosemarie Speichermann arbeitete zunächst weiter in ihrem Beruf als gelernte Verkäuferin. Ihr Mann, der ausgebildeter Maler war, hatte bei der Bundeswehr den Lkw-Führerschein gemacht und verdingte sich zwei Jahre lang als Kraftfahrer, bevor er eine Weile für die BASF Fässer beschriftete, was seinerzeit noch in Handarbeit geschah. Zusätzliche Einkünfte hatte die Familie durch erfolgreiche Auftritte des jungen Familienvaters als Gitarrist in der Kapelle „Hot Gambler“ und den „Fender Men“. Zur Tätigkeit in seinem Wunschberuf als technischer Zeichner kam es nicht, stattdessen machte er sich später mit seiner Angetrauten selbstständig, indem die beiden die Friesenheimer Pension Müller übernahmen.
Die Voraussetzung für diesen Schritt erfüllten sie durch Rosemarie Speichermanns abgeschlossene kaufmännische Ausbildung. Dem Umgang mit Farbe blieb der heute 84-Jährige jedoch treu. Sei es, dass er sämtliche Streicharbeiten im 1984 in Mutterstadt bezogenen Haus eigenhändig verrichtete. Oder aber er sich künstlerisch der Aquarellmalerei widmete. „Im Zeichnen war ich in der Schule einer der Besten“, verrät er. Kunstvoll gestaltet wurden auch Garten und Balkon, in dessen Seitenwände farbige „Kirchenfenster“ eingelassen sind, die Frühling und Sommer„ symbolisieren.
Beruflich nach Mannheim, privat um die Welt
Eine neue Herausforderung für das Paar wurde die Anmietung des Cafés „Desirée“ mit Bar im Mannheimer Quadrat M 7. 16 Jahre lang übernahmen die Eheleute dort bis 17 Uhr die Tagschicht und Sohn Manfred im Anschluss die Nachtschicht, wodurch sie ihren Feierabend genießen konnten. Auch schon während ihrer Zeit als Pensionswirte hatten sie das Glück, dass Rosemaries Schwester die Urlaubsvertretung übernahm, was ihnen Freiraum für ihr gemeinsames Hobby, das Reisen, gab. Sie haben von Marokko und Tunesien über Thailand bis nach Kanada und Florida viele Länder und Kontinente bereist. Seit ihrem Ruhestand lieben sie erholsame Kur-Aufenthalte in Bad Füssing. „Ausgehen und Mode“ nennt die 86-jährige Rosemarie Speichermann außerdem als angenehme Seiten in ihrem arbeitsreichen Leben. „Wir haben immer gearbeitet, egal wie“, blickt sie zurück. Und die Jubilare sind sich einig: „Wir hatten ein bewegtes Leben, aber ein schönes!“
Ihr Rezept für eine glückliche Ehe? „Harmonie ohne Ende“ kommt als überzeugende Antwort von Klaus Speichermann, der seine Frau liebevoll einen „Engel ohne Flügel“ nennt. Diese wiederum schaut ihn dankbar an und erklärt mit Blick auf ihre altersbedingten gesundheitlichen Einschränkungen: „Er macht mir alles!“ Überglücklich ist das Jubelpaar auch über die 29-jährige Enkeltochter, die immer anruft und extra aus den Staaten anreist, um die Oma im Krankenhaus zu besuchen. Ihren Ehrentag möchten die Speichermanns in kleinem Rahmen mit Familie und Freunden im Restaurant Schneckenhäusl feiern. Das ist nur ein paar Schritte entfernt und hier sind sie schon lange gerne Gast.