Waldsee
Eiscafé-Inhaberinnen räumen mit Gerüchten auf
„Corona hatten wir nicht“, betont Elena Rigoni. Darüber seien sie und ihre Schwester sehr froh. Organische Erkrankungen haben die Zwillingsschwestern demnach fast gleichzeitig kurz nach der Dolomiti-Winterpause in eine Auszeit gezwungen. „Wir sind wieder auf einem guten Weg und können arbeiten“, beschreibt Elena Rigoni den aktuellen Zustand. Dankbar seien sie dafür, in Deutschland zu leben. „Hier sind wir auch medizinisch sehr gut aufgehoben“, berichtet sie von Ärzten, die sie in den vergangenen Monaten so gut behandelt und betreut hätten, dass es beiden wieder gut gehe.
Dass sie den Innenbereich des Eiscafés in Waldsees Ortsmitte weiterhin nicht öffneten, sei den Pandemievorgaben geschuldet, erklären die Schwestern. „Er ist nur je 2,50 Meter lang und breit. Deshalb gibt es keine Möglichkeit, Tische und Stühle im vorgeschriebenen Abstand aufzustellen.“ Abends schließe das Dolomiti derzeit spätestens um 21.15 Uhr. Anfang September wollen die Rigonis wieder in die Winterpause gehen und „hoffentlich endlich die Eltern besuchen“.
Eltern lange nicht gesehen
Vor 51 Jahren haben die Eltern Plinio und Nives Rigoni ihr Eiscafé in der Schulstraße in Waldsee eröffnet, 1978 ist das Ehepaar in die Ludwigstraße 22 gezogen. Fünf Monate vor der Geburt ihrer Zwillinge Alessia und Elena. Die Töchter haben den Familienbetrieb vor sechs Jahren in der zweiten Generation übernommen.
„Die Eltern haben wir seit Pandemie-Ausbruch nicht mehr gesehen“, berichtet Elena Rigoni von der für die Zwillinge viel zu langen Kontaktsperre. „Das italienische Bergdorf ist 45 Serpentinen von Trient und etwa 80 Kilometer von Cortina d'Ampezzo entfernt“, beschreibt sie den Weg zum Wohnort der Familie, der früher ihr Winterdomizil war. Seit ihrem Schulabschluss in Italien im Alter von 14 Jahren leben die Zwillinge in Waldsee. Längst sind sie „überzeugte Deutsche mit italienischem Pass“. Aufgewachsen sind sie zwischen Eiskugeln im italienisch-katholischen Familienverband, mit klaren vom Vater festgelegten Regeln für junge Mädchen aus Italien. „Daran halten wir uns auch heute noch“, sagt Elena Rigoni und lacht. Keine Entscheidung für das Unternehmen werde ohne Einwilligung des Vaters getroffen, jede Veränderung mit ihm abgestimmt, betont sie.
„Das Geschäft läuft“, sagen die Schwestern. Beklagen könnten und wollten sie sich nicht angesichts vieler Kunden, die ihre Arbeit verloren hätten. Auch das sei ein Grund, warum sie ihre Preise nicht erhöht hätten, sagt Elena Rigoni. Nach wie vor sind eiskalte Klassiker und Neukreationen bei Dolomiti für einen Euro pro Kugel zu haben. „Ganz neu ist Joghurt-Kefir mit roten Früchten und Sesam“, beschreibt die Inhaberin ihre jüngste Eis-Kreation. „Kinder lieben Wassermelone.“
Die Rigoni-Schwestern hoffen auf ein Ende der Pandemie im nächsten Jahr und damit auch auf die Nachfeier des 50. „Dolomiti“-Geburtstags 2020. „Aber nur mit Mama und Papa“, betont Elena Rigoni – eben typisch italienische Familienbande, auch nach mehr als drei Jahrzehnten in Waldsee.