Lambsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Einsatz in Kleingärten: Tierärzte sammeln Hunderte Tiere ein

Die Kangal-Hunde im Kappenacker dürfen vorerst bleiben.
Die Kangal-Hunde im Kappenacker dürfen vorerst bleiben.

Die Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises hat tierschutzrechtliche Verstöße im Lambsheimer Schrebergartengebiet Kappenacker geahndet. Am Donnerstag waren dort zum dritten Mal Behörden im Einsatz, um Nutztiere mitzunehmen.

Begleitet von Beamten der Polizeiwache Maxdorf hatten Mitarbeiter des Veterinäramts bereits am 5. Januar einen Einsatz in dem Außengebiet im Westen von Lambsheim, weil sie von der Tierrettung über ausgebrochene Tiere informiert worden waren. „Vor Ort wurden dann Schafe, Ziegen und Hühner eingesammelt und tierschutzgerecht untergebracht, da sie sich teilweise in sehr schlechtem Zustand befanden“, berichtet die Kreisverwaltung auf Anfrage der RHEINPFALZ. Ein paar Tage später habe es eine Nachkontrolle gegeben, bei der weitere Tiere wie Kaninchen, Tauben und eine Katze mitgenommen worden seien. Die Behörde spricht von insgesamt knapp über 100 Tieren. Der betreffende Besitzer erhalte ein Tierhalte- und Betreuungsverbot.

Am Donnerstag lief nun ein weiterer Versuch, vernachlässigtes Vieh zu retten, diesmal auf einem anderen Grundstück. „Derzeit werden mehr als 150 Tiere eingefangen, die noch untergebracht werden müssen“, berichtet am Nachmittag Kreissprecherin Anita Lozina und kündigt an, dass die Aktion wohl auch den Freitag, womöglich sogar noch länger in Anspruch nehmen werde. Was genau die Veterinäre beanstanden, kann die Sprecherin noch nicht sagen. Sie rechnet mit einem Bericht Anfang der kommenden Woche.

Drei Problembereiche

Diesen Gänsen schien es im Dezember noch ganz gut zu gehen. Andere Vögel hat die Kreisverwaltung abgeholt, um sie vor Schaden zu
Diesen Gänsen schien es im Dezember noch ganz gut zu gehen. Andere Vögel hat die Kreisverwaltung abgeholt, um sie vor Schaden zu bewahren.

Die Einsätze hat ein Anlieger mitbekommen. Er nutzt eine Parzelle in einem Teil des Gartengebiets, in dem es besonders wüst zugeht, und berichtet unter anderem von fehlendem Futter und gefrorenem Trinkwasser. Kurz vor Weihnachten hat er die RHEINPFALZ durch den westlichen Teil des 30 Hektar großen Areals geführt. Die Zustände dort hatten im Herbst schon einen anderen Anlieger veranlasst, sich an die Lokalredaktion zu wenden, weil Hinweise und Beschwerden an die Behörden keine Konsequenzen nach sich zögen.

Der erneute Rundgang machte deutlich, dass es drei Problembereiche gibt: baurechtliche Verstöße gegen den von der Ortsgemeinde erstellten Bebauungsplan, die illegale oder nicht artgerechte beziehungsweise nicht abgesicherte Haltung von Tieren sowie Abfälle und Baumaterialien, die in dem naturnahen Gebiet am Fuchsbach gelagert werden.

Beispiel für ein Gartengrundstück, das zum Müllplatz verkommen ist.
Beispiel für ein Gartengrundstück, das zum Müllplatz verkommen ist.

Manche der schmalen Grundstücke sahen und sehen aus wie Müllhalden. Von Holzteilen, Plastikbehältern und kaputten Möbelstücken über Folien, Schläuche, Blechtonnen bis zu Autowracks ist alles dabei, was man in einem sensiblen, landwirtschaftlich genutzten Umfeld nicht haben möchte. Hier müsste die Abfallbehörde beim Rhein-Pfalz-Kreis einschreiten. Ob sie das schon einmal getan hat, kann die Kreissprecherin auf Anfrage der RHEINPFALZ bislang nicht sagen. Vonseiten des Ordnungsamts der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim heißt es bisher: „Wir geben Hinweise auf abfallrechtliche Verstöße an den Kreis weiter, aber wir wiederholen diese Meldungen nicht ständig.“

Verschlag mit wilden Sittichen

Was Tierhaltung betrifft, die in Teilen des Gebiets zulässig ist, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Das zu beurteilen fällt mitunter schwer. Nicht selten empfinden Laien bestimmte Gehege, Ställe und Futterquellen als Tierquälerei, während Veterinäre sagen: Das ist in Ordnung, wie es ist. Beim Lambsheimer Kappenacker-Einsatz aber müssen die Verstöße gegen das Tierwohl eklatant gewesen sein, sonst wären nicht so viele Tiere mitgenommen worden.

Kein schöner Anblick: totes Federvieh in einer Tonne.
Kein schöner Anblick: totes Federvieh in einer Tonne.

Beim Rundgang im Dezember konnte man neben Gänsen, Kaninchen und Tauben auch einen Verschlag mit Sittichen sehen, darunter grüne Halsbandsittiche, wie sie in der Vorderpfalz in der freien Natur vorkommen. Der Lambsheimer Anlieger, der nicht will, dass sein Name in der Zeitung steht, sagt, er habe Hinweise darauf, dass die Sittiche mit an Sonnenblumen haftendem Klebstoff gefangen wurden. Ein Stückchen weiter, auf einem anderen Grundstück, stand eine verrostete Blechtonne – bis zur Hälfte gefüllt mit Hühnerkadavern.

Bleiben durften nach dem ersten Einsatz der Veterinäre eine Schar von Gänsen und die Kangal-Hunde, die in einem Zwinger leben, der augenscheinlich etwas verstärkt wurde. Der rote Bretterverschlag vor dem Zwinger wurde abgebaut, aber nicht vom Grundstück entfernt. Der jüngste und kleinste der Hunde habe sich bis vor ein paar Wochen immer wieder unter dem Zaun durchgebuddelt und sei auf den Feldern und Gartengrundstücken herumgelaufen, erzählt der Nachbar. Laut Kreisverwaltung sind es mittlerweile nicht mehr vier, sondern drei Hunde. Das Veterinäramt habe „tierschutzrechtliche Anordnungen mit Fristsetzung erlassen, die seitens des Hundehalters noch nicht vollständig umgesetzt wurden“. Nach Ablauf der Frist würden gegebenenfalls weitere Maßnahmen ergriffen.

Ein Baukontrolleur kommt, der andere geht

Was den baulichen Wildwuchs im Kappenacker betrifft, so hat der neue Baukontrolleur, der wie vom Kreis angekündigt seit 1. Dezember im Dienst ist, noch nicht viel ausrichten können. Denn: Ein anderer Baukontrolleur habe die Abteilung Bauen, Planen und Umwelt zum Ende des Jahres verlassen, teilt die Verwaltung mit. Die Abteilung steht seit Dezember unter der neuen Leitung von Frank Juchem, dort würden „momentan alle 60 laufenden Vorgänge gesichtet, neu bewertet und ein umfassendes Konzept für das Gebiet erstellt“. Das nehme noch Zeit in Anspruch, informiert die Kreispressestelle und schlägt vor, dass sie auf die RHEINPFALZ-Redaktion zukommt, „wenn die ersten Nachkontrollen vom Bauamt durchgeführt werden“.

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