Speyerer
Einreisestopp für Erntehelfer: Verwirrung und Entsetzen bei Landwirten
Beim Schwegenheimer Obstbauer Holger Hellmann beginnt die Saison erst am 10. Mai. Dann sollen die Erdbeeren geerntet werden. Dafür reisen normalerweise rund 40 Helfer aus Rumänien und Polen nach Schwegenheim. Für die Spargelernte seien zwar schon ein paar da, aber der Großteil der Saisonkräfte kann wegen des Einreisestopps nun nicht ins Land. Bei den Saisonarbeitern aus Polen ändere sich die Lage stündlich. Es sei noch nicht ganz klar, ob sie nicht kommen dürften, sagt Hellmann, der es ihnen aber auch nicht verübeln würde, wenn sie aufgrund der Situation zu Hause bleiben würden.
Er habe zwar schon Angebote aus der örtlichen Bevölkerung bekommen und finde die Vermittlungsplattform des Bundeslandwirtschaftsministeriums (www.daslandhilft.de) „echt super“, aber diese Personen müssten die Arbeit erst lernen. Außerdem stünden sie nur eine begrenzte Anzahl von Stunden in der Woche zur Verfügung und nicht wie die Saisonarbeiter den ganzen Tag, sagt Hellmann. Deshalb werden wahrscheinlich mehr als die üblichen 40 Helfer für die Ernte gebraucht. „Bisher ist noch nichts kaputt“, sagt Hellmann. Er rechnet aber damit, einen Teil der Ernte abschreiben zu müssen. Wie viel kann er derzeit noch nicht abschätzen. Die Versorgung des Hofladens bekomme man aber gebacken, sagt er.
Hellmann gibt auch zu Bedenken, dass den Erntehelfern aus dem Ausland mit dem Einreisestopp eine wichtige Einnahmequelle genommen worden sei. „Sie leben davon“, sagt er. Zudem weist der Obstbauer darauf hin, dass die Gefahr der Ausbreitung des Coronavirus größer sei, wenn nun externe Personen auf seinen Hof zum Helfen kämen, als wenn sich die Saisonarbeiter lediglich zwischen Betrieb und Feldern bewegt hätten und deren Versorgung von ihm übernommen worden wäre.
„Gesund, aber nichts zum essen“
Dasselbe Argument bringt auch Eugen Geil vom gleichnamigen Großbetrieb in Harthausen vor. Für die Ernte und die Verpackung seien zwar schon 300 Helfer da, dennoch werden in den nächsten Wochen noch 130 gebraucht. Geil macht deutlich, dass Asylbewerber und Arbeitslose, die von Politikern als mögliche Erntehelfer ins Spiel gebracht wurden, auch erst einmal zum Ernten erscheinen müssten – „bei jedem Wetter“. Außerdem könne es passieren, dass diese Menschen, die zum Teil wegen der Corona-Krise keine Beschäftigung haben, in ein paar Wochen wieder arbeiten, zur Schule oder zur Uni gehen können, sagt Geil. Den Einreisestopp nennt er eine Katastrophe – zum einen für die Saisonarbeiter, die davon lebten, zum anderen für die Landwirte, die die Menschen mit Obst und Gemüse versorgen. Er hofft, dass die Regelung für Erntehelfer entschärft wird, denn die Landwirtschaft sei systemrelevant. „Was nutzt es, wenn alle Leute in ein paar Wochen gesund sind, aber nichts zum essen haben“, sagt Geil.
Voller Hoffnung, dann entsetzt
Alois Henkel aus Hanhofen hat es besonders hart erwischt. Er war am Dienstag „noch voller Hoffnung“, dass er seine 15 Erntehelfer aus Rumänien vom Flughafen Frankfurt-Hahn abholen kann. Am Montagabend habe er noch mit der Bundespolizei telefoniert, da habe es geheißen, dass alles okay sei – seine Erntehelfer einreisen dürften. Henkel fuhr deshalb am Dienstagvormittag rechtzeitig los, um die Rumänen vom Flughafen abzuholen. Während der Fahrt habe er einen Anruf der Bundespolizei bekommen, dass ab sofort ein Einreisestopp gelte und seine Saisonarbeiter nicht einreisen dürften, erzählt Henkel. Er war entsetzt, seine Erntehelfer konnten nicht abfliegen. Einen Tag später – am Mittwoch – habe er erfahren, dass es zwischenzeitlich Nachverhandlungen gegeben hätte und die Rumänen am Dienstag ab 16 Uhr bis Mittwochnachmittag, als der Einreisestopp dann doch verhängt wurde, noch mit dem Flugzeug hätten kommen dürfen. Da war es aber schon zu spät.
Die Spargelernte laufe seit ein paar Tagen, derzeit sei die Familie im Einsatz. Das kühle Wetter käme ihnen zugute, weil es das Wachstum der Spargel ausbremse. Bisher lägen ihm rund zehn Angebote von Menschen aus der näheren Umgebung vor – darunter auch Friseure und Schausteller –, die aushelfen wollten. Mit ihnen wolle er es jetzt probieren. „Der gute Wille ist da. Ich bin dankbar“, sagt Henkel.