Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Einmal bitte nach ... – über die Zukunft des Busfahrens im Rhein-Pfalz-Kreis

Bitte einsteigen. Ob es im Landkreis künftig mehr Buslinien gibt und Takte verdichtet werden könnten, untersuchen Verkehrsexpert
Bitte einsteigen. Ob es im Landkreis künftig mehr Buslinien gibt und Takte verdichtet werden könnten, untersuchen Verkehrsexperten. Foto: van

Wer in Mannheim oder Ludwigshafen wohnt, macht sich kaum Gedanken darüber, Bahnen und Busse fahren einfach, meist sogar im Zehn-Minuten-Takt. Wer in Altrip oder Rödersheim lebt, muss den Fahrplan kennen, wenn er öffentliche Verkehrsmittel nutzen will. Deshalb wird es für Menschen auf dem Land interessant, wenn sich Experten über Taktverdichtung und neue Linien Gedanken machen.

Rhein-Pfalz-Kreis. Verkehrsplaner im Kreishaus, Experten beim Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) und das auf die Planung von Mobilitätskonzepten spezialisierte Unternehmen Planmobil haben verschiedene Verbindungen im Rhein-Pfalz- Kreis unter die Lupe genommen. Bestehende – aber auch ganz neue. Dass diese Routen untersucht werden, ist beschlossene Sache, seitdem der Kreistag vor einem Jahr den neuen Nahverkehrsplan verabschiedete. Ziel ist es – Hochstraßen-Probleme hin oder her –, dass mehr Kreisbürger auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) umsteigen. Immerhin ist der Pkw-Bestand im Kreis enorm hoch: 660 Autos kommen auf 1000 Einwohner. Das ist ungewöhnlich. Aber Busse und Bahnen kosten auch Geld. Deshalb muss abgewogen werden, wo künftig mehr „Öffentliche“ fahren – und wo es sich partout nicht lohnt. Ein Überblick über die Ergebnisse.

Von Schifferstadt über Dannstadt-Schauernheim nach Lambsheim

Einmal quer durch den Kreis kommen, ohne über Ludwigshafen zu müssen – das ist eine äußerst aparte Vorstellung, erst recht, seit sich das Hochstraßen-Dilemma zugespitzt hat. Und doch kommt ein Gutachter zu dem Schluss, dass es sich nicht lohnt, einen Bus von Schifferstadt über Dannstadt-Schauernheim, Fußgönheim, Maxdorf nach Lambsheim fahren zu lassen. Und warum nicht? Weil es schon eine Verbindung gibt. „Sie kommen umstiegsfrei von Schifferstadt nach Maxdorf“, erläutert Bernd Baginski, der ÖPNV-Experte im Kreishaus. „Mit einem Ruftaxi.“

Ruftaxi, das gibt Baginski zu, klingt zunächst einmal umständlich. Die Hemmschwelle, es zu nutzen, sei deshalb relativ hoch. „Aber jeder, der es mal genutzt hat, merkt schnell, wie einfach es ist.“ Als Fahrgast müsse man zwar aktiv werden und wissen, von welcher Haltestelle man zu welcher im Fahrplan angebotenen Zeit losfahren möchte und das Ruftaxi entsprechend bestellen, „Aber zu Zeiten von Smartphones ist das kein Problem mehr. Per App lassen sich Haltestellen und Fahrzeiten einfach herausfinden. Und: Man engagiert seinen persönlichen Chauffeur“, sagt Baginski. Zwischen Schifferstadt und Lambsheim funktioniert das Ruftaxi-Angebot. Es wird Baginski zufolge rege genutzt. Das Angebot ist damit ausreichend, der Einsatz eines Linienbusses rentiert sich nicht – sagt das Gutachten.

Von Schifferstadt oder Limburgerhof nach Oggers- oder Ruchheim

Eine Verbindung, die sich grundsätzlich lohnt, sagt der Gutachter. Noch nicht klar sei allerdings, wo Start und Ziel sind. Fährt der Bus in Schifferstadt los oder besser in Limburgerhof? Wird sein Ziel Oggersheim sein oder Ruchheim? Oder wird er sogar in beiden Orten halten? „Fest steht, dass der Bus über Mutterstadt fährt – und eben, dass sich sein Einsatz auf dieser Strecke lohnt“, sagt Bernd Baginski. Weil es aber sehr viel Geld koste, eine neue Buslinie einzuführen, brauche es eine qualifizierte Grundlage, auf deren Basis die politische Entscheidung getroffen wird. Fazit: Es wird weitere Untersuchungen zu dieser Strecke geben. Und es wird danach wohl eine Entscheidung geben, ob der Bus nun in Schifferstadt oder Limburgerhof startet.

Von Altrip und Waldsee nach Schifferstadt an den Bahnhof

Zu prüfen, ob Altriper und Waldseer nach Schifferstadt fahren wollen, ist ein politischer Wunsch gewesen. Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar hat sich der Sache angenommen und anhand vorliegender Daten untersucht, ob es sich lohnt, eine entsprechende Linie einzuführen. Das Ergebnis: Es lohnt sich nicht. Altriper und Waldseer zieht es in allererster Linie nach Ludwigshafen und Mannheim und dann nach Neuhofen und Speyer. Dahin gibt es jedoch bereits Verbindungen. Altriper wie Waldseer kommen Baginski zufolge etwa nach Rheingönheim und damit haben sie Anschluss an S- und Straßenbahn. Eine Verknüpfung an die S-Bahn in Schifferstadt wäre für beide Gemeinden nur in Richtung Neustadt/Kaiserslautern beziehungsweise Germersheim sinnvoll. Die Nachfrage in diese Richtung ist allerdings sehr gering. Kein Bus nach Schifferstadt, aber vielleicht ein Ruftaxi? Die Kreisverwaltung will diese Option jedenfalls noch prüfen.

Von Dudenhofen nach Berghausen an den S-Bahn-Halt

Zu dieser Verbindung haben die Verkehrsexperten im Ludwigshafener Kreishaus eine ganz klare Haltung: Bitte von der Einrichtung dieser Linie Abstand nehmen. Die Linie würde zu wenig genutzt werden und ergibt „konzeptionell zu wenig Sinn“, sagt Bernd Baginski. Den Dudenhofener zieht es den Untersuchungen zufolge nach Speyer und Ludwigshafen. Eine Busverbindung in die Domstadt und deren Bahnhof gibt es bereits und damit einen Anschluss an die S-Bahn und nach Ludwigshafen. „Es bringt also nichts, Reisewillige mit Ziel Ludwigshafen nach Berghausen zu fahren. Der S-Bahn-Halt Berghausen liegt schließlich von Ludwigshafen aus gesehen hinter Speyer.“

Von Altrip mit dem Bus über die Fähre nach Mannheim

Geht doch schon, werden eingefleischte ÖPNV-Nutzer denken. Und damit haben sie recht. Doch sowohl in den Kreisgremien als auch im Altriper Ortsgemeinderat wurde immer wieder darüber diskutiert, ob der Bus nicht größer sein muss – vor allem den Grünen war das bislang immer ein Anliegen. Die Experten der Kreisverwaltung sind jedoch der Meinung, dass ein größerer Bus keine Vorteile bringt, denn ein größerer Bus stehe mit den Autos im Stau. Wer das verstehen will, muss Bernd Baginski gedanklich an den Fähranleger folgen – zur Rushhour, sprich: morgens, wenn viele auf die andere Rheinseite wollen. Dann schlängelt sich ein Kleinbus am Autostau vorbei und lädt die Fahrgäste aus, die auf der anderen Seite wieder von einem Kleinbus aufgenommen werden und zur Straßenbahnlinie Nummer 1 gebracht werden. „An den Autos kommt nur ein kleiner Bus vorbei, und er muss wendig sein, damit er wieder zurückkommt“, sagt Baginski. „Ein großer Bus würde mit im Stau stehen, also den Leuten gar nichts bringen.“ Die Kleinbusse fahren morgens sogar im Zehn-Minuten-Takt. Laut Baginski ein hochgradig attraktives Angebot.

Takt verdichten für die Verbindung Altrip-Rheingönheim

Könnte der Bus zwischen Altrip und Rheingönheim nicht öfter fahren? So mancher Altriper wünscht sich das, zumal Rheingönheim mit S-Bahnhof und Straßenbahnhaltestelle ein wichtiger Anschlusspunkt ist. Auch einige Kommunalpolitiker machten sich in der Vergangenheit immer wieder für eine Taktverdichtung auf dieser Strecke stark. Bislang fährt der Bus zwischen 5.30 Uhr und 19.30 Uhr in der Nebenverkehrszeit im Stundentakt und während der Hauptverkehrszeit im Halbstundentakt. Danach bedient ein Ruftaxi diese Strecke bis 24 Uhr – sogar alle 30 Minuten, wenn es denn bestellt wird. Geprüft wurde vom VRN, was es kosten würde, mehr Busse tagsüber fahren zu lassen, sodass schließlich durchgängig ein halbstündiger Pendelverkehr gewährleistet wird: 60.500 Euro würde das im Jahr mehr kosten. Ob das Geld ausgegeben wird, ist eine politische Entscheidung.

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