Rhein-Pfalz Kreis Einmal Amerika und zurück

/PITTSBURGH. Cornel Bähr sitzt sehr oft auf der Maximilianstraße in Speyer und malt. Seinen Platz in der Speyerer Hauptstraße hat der gebürtige Otterstadter aber von Mitte Oktober bis Mitte November mit einer Gaststätte in Pennsylvania getauscht, um die Wände dort mit Motiven aus der Pfalz zu verzieren. „Es waren recht lustige Wochen“, erzählt der 54-jährige Bähr, der seit seiner Kindheit malt und durch seine Begabung zum Ticket für die vierwöchige Amerika-Reise gekommen ist. Er wurde von Guy Schutzeus, einem Amerikaner mit deutschen Vorfahren, nach Pittsburgh eingeladen: „Es ist alles von dort finanziert worden, verhungert bin ich nicht“, erzählt Bähr. Schutzeus ist der Sohn des gebürtigen Berghauseners Kurt Schutzius, der im vergangenen Jahrhundert nach Amerika ausgewandert ist – das „i“ im Nachnamen wurde in Amerika zum „e“. Der Vater ist mittlerweile verstorben, Sohn Guy pflegt den Kontakt zu dessen alter Heimat weiter. Eine Otterstadter Verwandte der Familie Schutzeus, Erika Kappner, hatte bei einer Ausstellung Bilder von Bähr fotografiert und ihrem angeheirateten amerikanischen Verwandten Guy gezeigt, als dieser zu Besuch in Deutschland war. Guy Schutzeus, der mit seinem Vater immer wieder in der Pfalz war, wiederum erkannte Cornel Bähr als „den Maler von der Speyerer Hauptstraße“ wieder – und nahm mit ihm Kontakt auf, erzählt Maler Bähr vom unverhofften Wiedersehen. „Er sagte, wenn ich Lust hätte, könnte ich nach Amerika kommen. Er hätte einen größeren Auftrag für mich. Ich sollte für seine Gaststätte deutsche Motive malen aus der Region, wo sein Papa geboren ist.“ Er kannte Guy, der in Amerika eine Zimmerei betreibt, vom Sehen auf der Maximilianstraße: „Den kenne ich seit 23 Jahren, damals ist er immer noch mit dem Vater gekommen.“ Die Sache wurde schließlich konkret: Vom 14. Oktober bis 12. November war Bähr in Pittsburgh: „Ich habe vier ,mirrors’, also Wandbilder, und ein großes Ölbild gemalt“, erzählt er. In Amerika hat er nur ein einziges Bild gemalt – es zeigt die Gaststätte, in der er gearbeitet hat und auch untergebracht war: „Ich bin gar nicht dazugekommen, von Amerika Bilder zu malen, ich habe ja die Pfalz gemalt“, berichtet Bähr, der vor seiner Berentung als Schlosser gearbeitet hat, 2013 Turmmaler von Lambsheim war und in Weisenheim am Sand wohnt. Die Bilder des Pfälzers sind beste Werbung für die Pfalz: Eines zeigt den Blick auf die Gaststätte „Zum Halbmond“ und den Dom zu Speyer. Eine anderes zeigt Ansichten von Dudenhofen (um 1900) und Berghausen – verbunden von einem Wegekreuz in Dudenhofen. Kurt Schutzius ist im Gasthaus „Zum Engel“ in Berghausen geboren und später – bevor er nach Amerika ging – nach Dudenhofen gezogen, wie Cornel Bähr erzählt. Dem Maler Cornel Bähr hat der Aufenthalt in Pittsburgh gefallen – sowohl die Menschen als auch die Stadt haben es ihm angetan: „Die Leute sind alle sehr Deutschen-freundlich“, sagt er und beschreibt die Stadt so: „Pittsburgh hat einen sehr sehenswerten alten Stadtteil, man könnte ihn mit der Neckarstadt in Mannheim vergleichen.“ Einziger Unterschied: Es hängen überall amerikanische Fahnen an den Häusern.