Badeseen-Serie
Einmal abkühlen bitte: Musik-Mekka mit Seeanschluss
Der Schwan schaut etwas grimmig in Richtung RHEINPFALZ-Redakteur. Dieser hat beim Besuch des Lambsheimer Weihers im Badebereich die Ruhe des Federviehs ein bisschen gestört. Nach Sekunden des Abwägens aber fährt der Schwan damit fort, sich ausgiebig zu putzen. An diesem Vormittag Ende August ist es recht leer an dem ehemaligen Baggersee, der nordöstlich von Lambsheim am Rande der A61 liegt. Das hat etwas mit dem unbeständigem Wetter in diesem Monat zu tun. Gänse und Schwäne genießen die leeren Wiesen, Libellen und Bienen machen es sich am Ufer bequem. Ganz menschenleer ist es bei rund 20 Grad und einem Sonne-Wolken-Mix aber nicht am Weiher. Jogger drehen ihre Runden, Spaziergänger gönnen ihren Hunden Auslauf. Ein Pärchen hat seine Fahrräder beiseite gestellt und entspannt sich auf einer der um den See verteilten Ruhebänke.
Wenn die Badegäste aufgrund des Wetters nicht da sind, dominieren hier Radfahrer, die als Teil ihrer Touren eine Runde um den Weiher drehen. So mancher kehrt in der Fischerhütte ein, einem Restaurant, das Srecko Marusic schon beinahe 30 Jahre lang führt. Wer will, kann hier Hochzeit oder Geburtstag feiern. Ein logistischer Vorteil ist der große Parkplatz – das Tagesticket kostet fünf Euro –, der nah am Badeufer und in unmittelbarer Nähe zur Fischerhütte liegt. Nebenan liegt die Beachbar, die ebenfalls von Marusic betrieben wird. Auf den ausklingenden Sommer blickt der Gastronom mit gemischten Gefühlen: „Ab August war das Wetter komplett weg“, sagt er. Und wenn das Wetter weg ist, sind es auch die Gäste.
Musik aus aller Welt
Eine Besonderheit des Sees sind die Konzerte der Beachbar, deren Betreiber im nächsten Jahr das 25. Bar-Jubiläum feiern will. 80 bis 100 kostenlose Konzerte gibt es hier im Jahr, schätzt Marusic. Da seien auch mal mehr als 500 Gäste vor Ort – bei gutem Wetter. Und selbst im Winter gibt es Live-Musik am Weiher. Nicht nur Pfälzer Bands wie Fine R.I.P. spielen hier, auch internationale Künstler aus Chile, Neuseeland oder Finnland lädt der 54-Jährige regelmäßig ein. Ab und zu springt er mal ins Wasser, meist habe er dafür keine Zeit.
„Man findet hier alles, was es bei vielen anderen Seen nicht hat“, meint Ralf Kopecek, Geschäftsführer Finanzen beim Sportangler-Verein (SAV) Lambsheim, der den See gepachtet hat. Kopecek spielt auf die öffentlichen Toiletten, das Restaurant Fischerhütte, die Beachbar und auf den Parkplatz „direkt vor der Tür“ an. Die Angler erfrischen sich Kopecek zufolge gerne mal im See, wenn es zu heiß wird, hin und wieder ärgern sie sich über Badende, die an den Stellen ins Wasser gehen, an denen geangelt wird.
Dabei ist der Badebereich recht großzügig definiert: Von einer Ecke am nördlichen Ufer erstreckt er sich über das gesamte Westufer bis hin zu einem Stück im Süden des Sees. Eine Karte am Eingang informiert genau darüber, wo was erlaubt ist. Die Nutzung von Schlauch- und Ruderbooten sowie Kanus ist demnach an vielen Stellen möglich. Richtiger Wassersport ist aber unerwünscht. Den klassischen Sandstrand gibt es am Weiher zwar nicht, hin und wieder schauen aber Ecken eines Sand-Stein-Gemischs als Einstiegsmöglichkeit am Ufer hervor.
In der Nähe der Umkleidekabinen, wo ein kleiner Spielplatz für Kinder ist, entspannen sich derweil zwei Auszubildende eines pfälzischen Unternehmens. Sie warten darauf, dass ihr „Teambuilding“-Termin beginnt, und haben noch etwas Zeit. „Das ist hier einfach eine schöne Kulisse“, sagt einer der beiden. Die Wassertemperatur sei zum Baden genau richtig: angenehm kühl. An heißen Wochenenden könne es aber voll werden, gibt er zu bedenken. Er sei in Lambsheim aufgewachsen und vor allem als Kind oft hier gewesen, auch am nahe gelegenen Campingplatz, und mit Hund. Ach ja, die Vierbeiner: Offiziell sind sie nur an der Leine auf dem Rundweg um den Weiher erlaubt, nicht im Wasser. Das finden sicher nicht nur die Schwäne beruhigend.
Die Serie
In unserer Sommerserie „Einmal abkühlen bitte“ zeigen wir, wo im Rhein-Pfalz-Kreis man an heißen Tagen Abkühlung findet, und beschreiben, was Erholungssuchende an den Seen an Infrastruktur vorfinden.
