Dudenhofen Eingekreist: Hexen auf politischer Mission

Vor dem Dudenhofener Rathaus ist diese Karikatur aufgehängt worden.
Vor dem Dudenhofener Rathaus ist diese Karikatur aufgehängt worden.

In den vergangenen Jahren ist es ein wenig aus der Mode gekommen, an Hexennacht Schabernack zu treiben. Und Hand aufs Herz: So wirklich traurig ist eigentlich niemand, wenn man keine Zahnpasta auf die Motorhaube geschmiert oder Toilettenpapier in den Briefkasten gesteckt bekommt. In Dudenhofen erlebte der Hexenstreich aber in der Nacht auf Donnerstag ein kleines Comeback. Zumindest legen das die Fotos nahe, die ohne Absender bei der RHEINPFALZ-Redaktion eingeworfen wurden. Sie zeigen Karikaturen, die offenbar vor dem Rathaus und an einer Bäckerei großformatig aufgeklebt wurden. Um sie zu entschlüsseln, muss man aber schon ein bisschen in der Dorfpolitik bewandert sein. Das Bild, das möglicherweise mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt wurde, zeigt zwei Männer, die in einem Fall eine „freie Vereinbarung“, im anderen Fall einen „Vertrag“ unterschreiben. Obwohl die eine Figur eine Augenbinde trägt, ist sie recht leicht als Bürgermeister Jürgen Hook, die andere als Beigeordneter Reinhard Burck zu identifizieren. Der Schöpfer will hier offenbar Kritik daran üben, dass sich eine „blinde“ Ortsspitze vom Investor, der den Wohnpark am Hainbach baut, habe über den Tisch ziehen lassen.

Zufällig haben in dieser Woche die örtlichen Freien Wähler eine Stellungnahme zu dem Thema verschickt. Das soll natürlich nun nicht heißen, dass diese hinter den Plakaten stecken. Aber zumindest waren es anscheinend Brüder oder Schwestern im Geiste. Und was ist nun von dem Hexenstreich zu halten? Nun ja, dass die Gemeindespitze sich in der Angelegenheit nicht mit Ruhm bekleckert hat, mag ja stimmen. Trotzdem hinterlässt die Aktion irgendwie einen schalen Beigeschmack. Kritik ja, aber dann doch bitte nicht anonym. Außerdem gibt es passendere Wege, diese anzubringen als eine solche Nacht- und Nebel-Aktion, gegen die sich die Angesprochenen nicht wehren können: sei es in politischen Gremien, in Form von Stellungnahmen oder Leserbriefen in der Zeitung oder – wenn es gesittet bleibt – auch in sozialen Netzwerken.

Timo Leszinski
Timo Leszinski
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