Rhein-Pfalz Kreis Einer für alles
Ludwigshafen. Die Trennung zwischen Briefträgern und Paketzustellern ist kürzlich auch in Mutterstadt und Schifferstadt – also in zwei größeren Orten des Rhein-Pfalz-Kreises – aufgehoben worden. Dort fahren nun sogenannte Verbundzusteller die Haushalte an. Das führt zu Änderungen im Tagesablauf und hat bei vielen Bürgern zunächst für Irritation gesorgt.
Schusters Rappe und Drahtesel, die klassischen Fortbewegungsmittel von Postboten, werden im Rhein-Pfalz-Kreis immer mehr zu bedrohten Arten. Der Eindruck drängt sich jedenfalls auf, wenn man den Schilderungen der Bewohner lauscht. Aus Mutterstadt und Schifferstadt kommen letzthin die meisten Berichte. Wohl deshalb, weil die Menschen dort bis vor Kurzem den guten alten Briefträger kannten und sich jetzt umso mehr darüber wundern, es mit sogenannten Verbundzustellern zu tun zu bekommen. In kleineren Orten wie Rödersheim-Gronau ist das anders, da wird die Post schon seit Jahren im Verbund ausgetragen. Um ein Wort der Erklärung voranzuschicken: Bei der Deutschen Post gibt es drei Arten von Boten – Briefträger, Paketzusteller und Verbundzusteller. Der Briefträger bringt Postkarten, Briefe und vielleicht mal die eine oder andere Versandtasche. Der Paketzusteller ist mit dem DHL-Wagen unterwegs und hat größere Päckchen und Pakete dabei. Der Verbundzusteller ist – der Name lässt es schon erahnen – eine Mischung aus beidem. Er liefert alles von der einfachen Postkarte bis zum großen Paket aus. Er wird bevorzugt im ländlichen Raum eingesetzt und ist dort alles andere als selten. In Deutschland gibt es über 30.000 Verbundzusteller. Ob in einem Ort Briefträger und Paketzusteller, Verbundzusteller oder sogar alle drei Zustellerformen arbeiten, wird nach Auskunft von Heinz-Jürgen Thomeczek, dem für die Pfalz zuständigen Sprecher der Post, anhand des Aufkommens von Briefen und Paketen in einzelnen Ortsteilen bemessen. „Verbundzusteller gibt es in Bereichen, in denen weder die Menge an Briefen noch die an Paketen so groß ist, dass es unzumutbar wäre, beides von derselben Person ausliefern zu lassen“, sagt er. Solche Entscheidungen sind Thomeczek zufolge aber nicht fix. Vielmehr würden ständig neue Zahlen erhoben und ausgewertet, wodurch es immer wieder zu Änderungen kommen könne. „Wenn sich herausstellt, dass das Brief- oder Paketaufkommen in einem Bereich sprunghaft angestiegen ist, führen wir die Trennung wieder ein“, erklärt der Postsprecher. In Schifferstadt und Mutterstadt ist die Bewertung offenbar genau andersherum ausgefallen – was dazu führt, dass es nun in zwei großen Ortschaften des Kreises Verbundzusteller gibt und dass die gewohnten Lieferzeiten teils ordentlich durcheinandergeraten sind. Ob die gesamten Orte oder jeweils nur Teile betroffen sind, dazu will sich Thomeczek ebenso wenig äußern wie dazu, ob noch andere Gemeinden neu hinzugekommen sind. Fakt ist: Viele Fahrräder haben nun ausgedient, denn wegen der teils unhandlichen Pakete kommen sie als Fortbewegungsmittel für Verbundausträger nicht in Frage. Stattdessen sind die Postboten jetzt in gelben Kleinbussen unterwegs und betreiben eine Art „Häuser-Hopping“, die bei einigen Bürgern für Irritation sorgt. „Die stellen den Wagen in der Straße ab, springen bei laufendem Motor raus , steuern die Häuser im näheren Umkreis an, springen wieder in den Wagen, fahren ein paar Meter weiter und fangen dann von vorn an“, schildert eine Mutterstadterin ihre Beobachtungen. Umweltschonend sei das ja wohl nicht gerade. Nicht zuletzt aus dem Grund ist so etwas Thomeczek zufolge auch verboten. Es gebe ganz klare Vorgaben, wonach der Motor während des Austragens der Post abgestellt werden muss. In einem anderen Punkt gibt der Sprecher der Post Entwarnung: Dass durch die Zusammenlegung des Austragens von Briefen und Paketen Stellen wegfielen, sei ein Trugschluss: „Die Arbeit wird nicht weniger, sondern nur anders verteilt.“ Werde in einem Ort von getrenntem auf gemeinsamen Versand umgestellt, müssten die Einsatzgebiete der Postboten neu zugeschnitten werden. „Weil das Arbeitsaufkommen insgesamt höher ist, betreuen Verbundzusteller kleinere Gebiete als Briefträger“, erklärt Thomeczek. Bei der Umverteilung würden deshalb teils auch ganz neue Routen geplant. Letztlich führt das zu einer weiteren Änderung, die in Mutterstadt und Schifferstadt in den vergangenen Wochen zu allerlei fragenden Gesichtern führte: Durch den neuen Gebietszuschnitt und die neuen Routen verschieben sich die Zeiten, in denen die Haushalte mit Post beliefert werden. Das falle natürlich vor allem denjenigen auf, die ihre Briefe auf einmal um 14 statt um 9 Uhr erhielten, meint Thomeczek, es komme aber auch andersherum vor.