Rhein-Pfalz Kreis Eine Woche für tausend Aktenordner
In einer Gemeinschaftsaktion in Forst haben Flüchtlinge und Asylbewerber Hand angelegt und in stundenlanger Arbeit spezielle Aktenordner zusammengeheftet. Diese Ordner sollen dazu dienen, allen Neuankömmlingen eine praktische Unterlage für ihre Behördengänge mitzugeben.
Ernst Bedau, Vorsitzender des Beirats für Migration und Integration im Landkreis Bad Dürkheim, hat zusammen mit dem Runden Tisch Asyl die Idee umgesetzt und Sponsoren gefunden. Das Projekt ist flächendeckend auf den Kreis Bad Dürkheim ausgelegt, um ein einheitliches übergreifendes System zu gewährleisten. Jeder Asylbewerber im Landkreis wird solch einen Aktenordner bekommen. Die Ordner vermeiden in erster Linie eine Doppelbearbeitung und sparen viel Aufwand. Alle dort abgehefteten Dokumente und Schriftstücke geben einen schnellen Einblick in den aktuellen Stand des jeweiligen Asylverfahrens. Die Ordner sollen zusammen mit den Betreuern gepflegt und zu jedem Gespräch mitgebracht werden. „Ohne Ordner wird niemand beraten“, betont Ernst Bedau aus Deidesheim. Die ehrenamtliche Koordinatorin Miriam Eckes aus Wachenheim hat sich unter anderem um die Gestaltung und den Druck bei der Firma Printonline aus Bad Dürkheim gekümmert und einen Preisnachlass erwirkt. Sie betreut 100 Asylbewerber in Wachenheim. Ihrer Meinung nach ist die Zusammenarbeit mit den Behörden, die diese Ordner ebenfalls benutzen, sehr sinnvoll, denn sie reduziere für alle Beteiligten Zeit und Aufwand. Der Ordner ist in 14 Rubriken unterteilt: Von Jobcenter, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Krankenkasse, Energieversorger über medizinische Versorgung und Sozialversicherungsnummern bis hin zu Kita und Schule oder Zeugnissen wird jeder Lebensbereich erfasst. Alle Texte sind in mehreren Sprachen verfasst. Auf einem Betreuungsbogen sind sämtliche persönlichen Daten vermerkt, selbst die Schuhgröße und Impfungen. Ganz wichtig seien auch Vollmachtsvorlagen, die mit den Datenschutzbeauftragten abgestimmt worden seien, erläutert Bedau, Rechtsanwalt im Ruhestand. In einem Vorwort wird den Asylbewerbern der Umgang mit den Unterlagen erläutert. Die Gesamtkosten für 1000 Ordner belaufen sich auf 7000 Euro, wovon der Landkreis Bad Dürkheim den Anteil für die „leeren“ Ordner finanziert hat. Das Geld für das Innenleben stammt von Sponsoren wie dem Migrationsbeirat, der protestantischen Kirchengemeinde Wachenheim, dem Rotary Club Deidesheim und dem Arbeitskreis Asyl Haßloch und Neustadt sowie von privaten Spenden. Eine Ersparnis von 1500 Euro kam durch die Eigenarbeit der Flüchtlinge zusammen, berichtet Bedau erfreut. Die bunt gemischte Gruppe aus unterschiedlichen Nationen wie Syrien, Afghanistan, Eritrea hat die Ordner eigenhändig konfektioniert. Für den gesamten Ablauf und die Ausführung war die Felix-Christoph-Traberger-Halle in Forst eine ganze Woche lang belegt gewesen. |piw