Dannstadt-Schauernheim / Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Eine scharfe Sache: Wie Scheren- und Messerschleifer arbeiten

Scherenschleifer in Dannstadt-Schauernheim: (von links) Vater Romeo, Sergio und Maurice Weiß.
Scherenschleifer in Dannstadt-Schauernheim: (von links) Vater Romeo, Sergio und Maurice Weiß.

Ob Messer, Schere oder Gartengerät – stumpfe Klingen bekommen Maurice und Sergio Weiß in kürzester Zeit wieder scharf. Mit ihrem Vater Romeo touren die Scherenschleifer aus Neustadt durch ganz Deutschland und machen derzeit in Dannstadt-Schauernheim Station. Ihr Handwerk wurde ihnen in die Wiege gelegt.

Die mobile Schleiferei steht erst seit knapp einer Stunde auf dem Parkplatz in der Albrecht-Dürer-Straße, doch die Körbe vor dem Sprinter sind bereits gut gefüllt. Besteckmesser, Küchenmesser, Gartenscheren und ein Rasenmähermesser wurden bereits abgegeben. Und schon wieder nähert sich ein Kunde. „Ich hab’ da eine Brotschneidemaschine“, sagt er und holt ein rundes Messer aus seiner Tasche. Sergio Weiß wirft einen Blick darauf und erklärt: „Das kostet 20 Euro. Dafür wird es dann wieder vier bis fünf Jahre halten.“

Heinz Trink ist einverstanden. Der 81-Jährige ist extra aus Mutterstadt nach Dannstadt gefahren, weil er die Ankündigung in der RHEINPFALZ gelesen hatte. „Es ist so selten, dass irgendwo einer kommt. Dann muss man es auch wahrnehmen“, sagt Trink. Ihm ist es wichtig, dass sich ein Fachmann der Schneidscheibe annimmt. „Wir haben zwar eine Schleifmaschine, aber das ist durch den Wellenschnitt zu kompliziert.“

Auch Maurice Weiß rät davon ab, sich als Laie an ein Wellenschnittmesser heranzuwagen. „Da kann man sehr viel kaputt machen“, warnt der 26-Jährige. Bei jeder Klinge komme es zudem auf den richtigen Winkel an. Maurice und sein Bruder üben das Handwerk bereits in der siebten Generation aus und haben es von klein auf gelernt. „Mit dem Beruf wird man geboren, wenn man zur Familie Weiß gehört“, meint Sergio Weiß lachend. Bis 1846 lässt sich die Tradition im Familienstammbaum zurückverfolgen.

Vater Romeo Weiß ist zwar stets dabei, hält sich aber mehr und mehr im Hintergrund und steht den Söhnen vor allem mit Rat und Tat zur Seite. Der 51-Jährige möchte das Geschäft bald ganz der nächsten Generation übergeben. Und die ist hochmotiviert bei der Sache. Maurice Weiß hat alles auf eine Karte gesetzt und sich früh dafür entschieden, mit dem Scherenschleifer-Handwerk seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Meistens übernimmt er das Schärfen der Klingen an Lamellenscheibe und Schleifstein, die mit einem Stromgenerator betrieben werden. Der 23-jährige Sergio Weiß hat zunächst eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann gemacht. Jetzt kümmert er sich vorrangig um Standorte und die Finanzen.

Friseure und Gastronomen sind Stammkunden

Ihre Arbeit sehen die beiden auch als Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit. „Die Wegwerfgesellschaft wird leider viel zu groß“, bedauert Maurice Weiß. „Gutes Material sollte geschätzt werden“, ist er überzeugt. Und die Scherenschleifer freuen sich, wenn auch ihre Tätigkeit wertgeschätzt wird. In der Pfalz und Baden-Württemberg sei das der Fall, sagt Sergio Weiß. Dort haben die Neustadter auch Stammkunden wie etwa Friseure, die ihre Scheren zum Schleifen extra zu ihnen schicken. „Auch die Gastronomen freuen sich immer wieder, wenn wir kommen.“

Doch auch negative Erfahrungen hat die Familie bereits gemacht. „Es gab schon rassistische Vorfälle“, berichtet Sergio Weiß. Auch vermeintlich lustige Sprüche wie „Der Scherenschleifer kommt, versteckt eure Kinder“, wie es früher oft zu hören war, habe er schon mitbekommen. 98 Prozent der Menschen seien jedoch freundlich. Und gerade die Begegnung mit so vielen unterschiedlichen Menschen sei ja auch das Schöne bei diesem Beruf.

Weniger schön sei es dagegen, bei Regen und Kälte von morgens bis nachmittags draußen zu stehen. „Letzte Woche am Bodensee hatten wir schon Minusgrade“, sagt der 23-Jährige. Aber damit müsse man leben. „In jedem Beruf muss man in den sauren Apfel beißen“, meint er. Diese Einstellung, Fleiß und Beharrlichkeit sind wohl die Gründe, warum die Familie mit diesem beinahe ausgestorbenen Beruf nach wie vor ihren Lebensunterhalt bestreiten kann.

Immer wieder ergeben sich nette Gespräche mit den Kunden. So bleibt etwa Bernd Volz aus Maxdorf eine ganze Weile am Sprinter stehen, schaut interessiert zu, wie beim Schleifen die Funken sprühen, und plaudert mit den beiden Experten über die guten Messer daheim. Er habe sie nicht mitgebracht, weil sich seine Frau häufiger beim Kochen schneide, erklärt er. „Es ist gefährlicher, sich mit einem stumpfen Messer zu schneiden, als mit einem scharfen“, klärt Sergio Weiß auf. Für dieses Mal bleibt es dann aber doch beim Rasenmähermesser, das dank Maurice Weiß wieder rasierklingenscharf ist. Aber vielleicht sind die guten Messer ja beim nächsten Mal an der Reihe.

Noch Fragen?

Die drei Scherenschleifer haben ihren Aufenthalt in Dannstadt-Schauernheim bis Mittwoch, 29. November, verlängert. Bis dahin sind sie werktags von 10 bis 16 Uhr und am Samstag von 10 bis 14 Uhr auf dem Parkplatz in der Albrecht-Dürer-Straße zu finden. Gleich im Anschluss geht es von Donnerstag, 30. November, bis Donnerstag, 7. Dezember, an den Bahnhof in Maxdorf.

 Da fliegen die Funken: Maurice Weiß bearbeitet gerade ein Rasenmähermesser.
Da fliegen die Funken: Maurice Weiß bearbeitet gerade ein Rasenmähermesser.
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