Speyerer Umland
Einbrüche in Gotteshäuser haben Tradition
Akten aus früherer Zeit belegen das frevelhafte Treiben von Langfingern im alten Bistum Speyer, die sich vor allem nachts in den Dörfern herumtrieben. Nicht allein, dass in den Augen der Gläubigen wertvolle kirchliche Gegenstände entwendet wurden und die Pfarrkirche geschändet wurde, auch das beklemmende Gefühl, dem diebischen Treiben schutzlos ausgesetzt zu sein, beunruhigte die Menschen.
Bereits im 16. Jahrhundert gab es einen Einbruch in die ehemalige Kapelle des Mechtersheimer Hofs. 1588 teilte der dortige Pfleger dem Speyerer Domkeller mit, dass die Tür aufgebrochen und „das Tuch vom Altar genommen“ wurde. Aus Akten des 18. Jahrhunderts bekannt sind auch Einbrüche in Harthausen, wo Diebe in der St. Johanneskirche in den Jahren 1723 und 1756 gleich dreimal tätig waren. Die Beute der Raubzüge war beträchtlich, denn der Kirche wurden die wichtigsten Gegenstände entwendet, darunter einige Tücher, Chorröcke und ein silbernes Kreuz. Bei Nacht gelangten die Diebe in den Hof des Ortsschultheißen Johannes Seiler, dem eine Pflugschar gestohlen wurde. Damit hebelten sie die Kirchentür auf und sprengten anschließend die Schlösser der Sakristeitür und der Schränke. Auch der Opferstock wurde aufgebrochen. Nach Aussagen der Kirchenjuraten hatte sich darin aber nicht allzu viel Geld befunden. Die ungünstige Lage der Kirche am Ortsrand hatte nach Aussagen der Harthäuser Gerichtsschöffen die Taten sicherlich begünstig.
Bei einem zweiten Einbruch im gleichen Jahr drangen die Diebe durch den Turm in die Kirche ein, konnten aber diesmal lediglich geringe Beute machen. Beim späteren Neubau der Kirche 1785 heißt es in einem Vermerk des Schultheißen sowie dreier Gerichtsleute: „Die Gemeinde halte es für gut, wenn die neue Kirche gegen die Gasse und Straße gestellt werde, da sie so – wenn sie in den dortigen Garten gebaut werden würde – besser gegen Dieberei, also Einbrüche geschützt sei.“ Bereits 1751 wurden am Pfarrhaus Hoftor und Türchen zur Sicherung vor Dieben instandgesetzt.
Waldsees lohnendes Kirchenhaus
In Dudenhofen wird 1738 über die Kirche berichtet, dass „ihr Chor größtenteils offen“ und „die Fenster ganz nieder sind und so schlecht verwehret, dass man leicht aus und einsteigen kann“. Das geschah dann in einem Winter, als Diebe den Opferstock am Nebenaltar mitnahmen und den Tabernakel aufbrachen, jedoch nichts daraus entnahmen, weil der Kelch aus minderwertigem Zinn war. Von weiteren Einbrüchen blieb die Kirche St. Gangolf verschont, doch berichtet die Chronik von einem Einbruchsversuch in das Pfarrhaus im Jahr 1777.
Ein besonders „lohnendes“ Gotteshaus für kriminelle Umtriebe scheint in jenem Jahrhundert die katholische Pfarrkirche von Waldsee gewesen zu sein. So meldete am 28. Oktober des Jahres 1726 der damalige Kurator der Pfarrei zusammen mit zwei Kirchengeschworenen, „dass vor einigen Jahren unsere arme Kirche bestohlen worden“ sei. Die danach neu angeschafften wenigen Leintücher, so die Unterzeichner, seien nun derart abgenutzt, dass Altartücher und ein Kelch angeschafft werden müssen. Ihr Schreiben richteten sie an den Speyerer Oberhirten Kardinal Damian Hugo von Schönborn.
Zehn Jahre später, im Dezember 1736, berichtete der Waldseer Pfarrer von einem neuerlichen Einbruch in der Pfarrkirche, der sich in der Nacht ereignet hatte. Der Schaden, der durch den Einbruch entstanden war, sei noch zu verschmerzen gewesen, hätten die Eindringlinge sich nicht mit übermäßiger grober Bosheit an dem „hochwürdigsten Sakrament“ zu schaffen gemacht. Neben der Monstranz wurden drei silberne kleine Kreuze entwendet, die an das Muttergottesbild, das auf dem rechten Nebenaltar stand, angeheftet waren. Der Pfarrer schätzte ihren Wert auf drei Gulden. Auch der Opferstock, in dem das sonntägliche Geld, das durch einen Kirchenpfleger eingesammelt worden war, aufbewahrt wurde, blieb nicht verschont. Drei bis vier Gulden befanden sich nach Schätzung des Geistlichen darin. Der Speise- oder Hostienkelch (Ciborium) aus Zinn, der auf dem Tabernakel stand, sei gekrümmt und verbogen worden, jedoch auf dem Altar stehen geblieben. Zwei Generationen später, im März 1786, fand erneut ein Einbruch in die Waldseer Martinskirche statt, von dem der damalige Pfarrer Anton Klucker berichtet.
Über den Rhein geflohen
Vor 100 Jahren wurde die Pfarrkirche St. Martin in Hanhofen das Ziel von Dieben. In der Nacht vom 7. auf den 8. Februar 1923 hatten es Einbrecher zweifellos auf die dortige Monstranz und den Kelch abgesehen – offenbar die wertvollsten Stücke des sehr bescheidenen Inventars. Die Täter versuchten vermutlich mit einem Meisel und Gewalt, den Tabernakel aufzubrechen, was nicht gelang. In Verdacht gerieten zwei in Wohnwagen herumziehende Korbmacher und Alteisenhändler, die aus Harthausen kamen und einen großen Teil des Jahres im Wald unweit von Hanhofen lagerten. Nachdem der Vorfall öffentlich wurde, flohen die beiden Brüder nach Angabe anderer Herumziehender über den Rhein. Ob nach der Anzeige beim Staatsanwalt in Frankenthal und anschließender Fahndung die beiden Beschuldigten gestellt werden konnten, ist nicht bekannt. Die Aufklärungsrate dürfe in allen Fällen damals wie heute recht überschaubar gewesen sein.