Rhein-Pfalz Kreis „Ein starkes Signal“
«Fussgönheim.» Marie-Luise Klein (SPD) kann ahnen, warum so viele Zuhörer zur Ratssitzung gekommen sind. Und es freut die Fußgönheimer Ortsbürgermeisterin, dass sich die Mitglieder des Vereins Deutsches Kartoffelmuseum und des Heimat- und Kulturkreises so sehr für ihre Belange interessieren. Bald schließt die VR-Bank Rhein-Neckar ihre Filiale in der Hauptstraße und zieht innerhalb Fußgönheims um. „Aber sie bleibt im Dorf“, versichert Klein, „im Zentrum.“ In Gesprächen mit Vertretern der Gemeinde hat sich laut Klein inzwischen gezeigt, dass sich sowohl der Verein des Kartoffelmuseums als auch der Heimat- und Kulturkreis für das Gebäude interessieren, das nach dem Umzug zum Verkauf steht. „Beide Vereine kooperieren schon lange und sind bereits jetzt unmittelbare Nachbarn“, sagt Klein. Die Gebäude der beiden Institutionen schließen sich Richtung Bürgerhaus an die Räume der VR-Bank an. Auch die ehemalige Synagoge steht in diesem Bereich. Der Heimat- und Kulturkreis möchte seine Ausstellungsräume erweitern, zudem plant der Verein des Kartoffelmuseums schon seit längerem größere Umbauten, er will seine Räumlichkeiten umstrukturieren. Das Angebot der Bank zur Übernahme ihres Gebäudes kommt da sehr gelegen. Ludwig von Heyl, Vorsitzender des Vereins Deutsches Kartoffelmuseum, und Andreas Sprinzl, Chef des Heimat- und Kulturkreises, bezeichnen es in einem Schreiben an die Gemeinde als „glücklichen Umstand für alle Beteiligten“. Das Gebäude-Ensemble könne so zum kulturellen Zentrum des Ortes werden, argumentieren sie: Schloss, Kartoffelmuseum, Heimatmuseum, Synagoge. Daher halten sie es für sinnvoll, dass die Gemeinde das Bank-Gebäude kauft, um es dann den Vereinen zu überlassen. Doch bei diesen Überlegungen gibt es ein ziemlich großes Problem – Fußgönheim hat kein Geld. Die Gemeinde würde das Bank-Gebäude nicht selbst nutzen, daher wäre ein Kauf laut Bürgermeisterin Klein eine freiwillige Leistung. „Diese sind wegen der Haushaltssituation jedoch ausgeschlossen“, sagt sie, „der Haushaltsplan ist ein enges Korsett. Mittlerweile stelle ich fest: Er legt uns Handschellen an.“ Das Genehmigungsschreiben der Kommunalaufsicht des Kreises ist ebenfalls Thema der Ratssitzung. Als Klein darüber spricht, weicht ihre Freude über das Vereins-Engagement. Sie nennt das Papier eine „rigorose Stellungnahme“. Es sieht Einsparungen vor, damit die Verschuldung Fußgönheims von derzeit rund 538.000 Euro nicht zu sehr ansteigt. Mit den geplanten Krediten errechne sich eine Verschuldung von 1,66 Millionen Euro zum Jahresende 2017. Ende 2018 wären es gut zwei Millionen Euro. Dies gelte es zu verhindern. Die Kommunalaufsicht habe Fußgönheim im Blick, sagt Klein, sie schaut den Handelnden auf die Finger und „behält sich Einzelgenehmigungen vor“. Bedeutet: Ausreißer sind keine erlaubt, schon gar keine „freiwilligen Leistungen“. Dennoch möchte die Gemeinde den beiden Vereinen helfen. Das legt der Rat in einem Grundsatzbeschluss mit sechs Punkten fest. Darin befürwortet sie beispielsweise den Kauf des Bank-Gebäudes sowie die Zusammenarbeit der Vereine. Wer das Gebäude jedoch kauft und wie die Eigentumsverhältnisse sind, müsse noch erarbeitet werden, sagt Thomas Bauer, SPD-Fraktionschef. Erbpacht etwa wäre eine Möglichkeit. Für Jürgen Kuß (FWG) ist es in jedem Fall ein „starkes Signal an die Vereine, das zeigt: Wir stehen hinter euch“. Die CDU-Frauen Martina Fickler und Heike Seifert-Leschhorn sehen in dem Bank-Gebäude eine „Komplettierung des kulturellen Ensembles“. Sie bringen eine Bürgerstiftung ins Spiel, über die der Kauf laufen könnte. „Wir wissen jetzt, was wir können und dürfen“, sagt Bürgermeisterin Klein mit Blick auf die sehr angespannte Haushaltssituation. „Erst kommt das Muss, und dann schauen wir, was es noch für Spielräume gibt.“ Was das für die beiden Vereine bedeutet, bleibt allerdings abzuwarten. Auch das kann Klein vermutlich schon erahnen.