Mutterstadt
Ein Singkreis mit besonderem Anliegen
Dass Uli Valnion mit anderen die Internationale singt, oder Brechts Lied von der Arbeiter-Einheitsfront, ist nicht neu. Schon seit vielen Jahren steht Valnion auf Bühnen und singt von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. In seinem Repertoire gibt es eigene Stücke, aber es war und ist für ihn ein besonderes Anliegen, die alten Lieder der Arbeiter- und Demokratiebewegung weiter zu pflegen. Das hat er schon mit den Roten Raben gemacht. Die haben sich zwanglos getroffen und haben unter Valnions Anleitung zusammen gesungen. Aber weil es dafür keinen „offiziellen“ Rahmen, oder Rechtsform gibt, gab es eben auch Schwierigkeiten. Zum Beispiel, wenn es darum ging, Probenräume zu finden.
„Räumlichkeiten zum Proben gibt es zum Beispiel bei Gemeinden, aber die vergeben diese nur an Vereine, ähnlich ist es beim Organisieren von Auftritten“, sagt Valnion. Über die Form eines Vereins, wie es der Singkreis Demokratisches Volkslied Rheinland-Pfalz/Saarland nun ist, werde das Problem gelöst. Zudem seien mit der Rechtsform auch Fragen von Haftung und Versicherung bei den Aktivitäten des Vereins rechtlich geregelt. Auch Förderungen und Zuwendungen brauchen einen gültigen rechtlichen Rahmen, die der gemeinnützige Verein jetzt bietet.
Brecht gegen Unterdrückung
Offizieller Sitz des Vereins ist Mutterstadt. Dort fanden sich im März 2020 zur Vereinsgründung 16 Sänger und Sängerinnen zusammen. Die stammten überwiegend aus dem Rhein-Pfalz-Kreis, aber es kamen auch Mitglieder aus Wörth, Zweibrücken, Landau und Erpolzheim zur Gründung. Alle 14 Tage werde gemeinsam gesungen. Gerade jetzt findet das im Freien statt – was in Zeiten der Pandemie auch nicht anders ging. Der Verein ist schnell gewachsen, inzwischen sind es 30 Mitglieder und weil welche auch aus dem Saarland kommen, fahren die Pfälzer Sänger ein Mal monatlich nach Neunkirchen. Vorsitzender ist Uli Valnion, zweiter Vorsitzender ist Martin Neuhaus aus Wörth.
Für sein Repertoire kann der Singkreis von Valnions langjähriger Erfahrung profitieren. Er hat in Archiven gesucht und Hintergründe recherchiert. „Die Lieder haben alle eine bewegte und bewegende Geschichte, für die wir uns interessieren“, sagt Neuhaus beim gemeinsamen RHEINPFALZ-Gespräch mit den Vorsitzenden. Das Einheitsfront-Lied habe Bertolt Brecht getextet und Hans Eisler komponiert. Es entstand in Berlin um 1934. Es ruft die Arbeiter zum gemeinsamen Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung auf.
Andere Stücke kommen nicht aus Deutschland, wie etwa „Bella Ciao“. Das entstand unter italienischen Partisanen im Zweiten Weltkrieg, die gegen den Faschismus kämpften. „Die Moorsoldaten“ entstand im Konzentrationslager Börgermoor, wo die Nazis politische Gefangene festhielten und zur Arbeit im Moor zwangen.
Keine „alten Schinken“
Besonders wichtig ist es den Sängern, die politischen Lieder nicht als Relikt vergangener Zeiten zu behandeln. „Das sind nicht 'alte Schinken', sondern Lieder, deren Werte und Anliegen für uns heute aktuell sind“, sagt Neuhaus. Valnion hat ein Beispiel: „Die Gedanken sind frei“, habe er mit dem syrischen Musiker Aeham Ahmad eingeübt. Ahmad wurde bekannt als Pianist, der in Flüchtlingslagern und zerstörten Städten Syriens aufgetreten ist. „Er hat es in sein Repertoire aufgenommen und es hat für ihn eine besondere Bedeutung bekommen“, erzählt Valnion.
Den kulturellen Wert und die Aktualität der Lieder der deutschen Arbeiterbewegung hat die Unesco offiziell anerkannt, indem sie das Arbeiterlied zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt hat. „Das Singen der Lieder der deutschen Arbeiterbewegung bietet ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Volkskultur in Deutschland immer wieder aus fortschrittlichen und demokratischen Ansätzen heraus neu gestaltet und interpretiert wurde“, heißt es in der Begründung.
Dazu passt auch, dass Valnion zu bestimmten Anlässen auch neue Strophen für die alten Lieder schreibt, etwa wenn Arbeiter mit einem Streik für ihre Rechte kämpfen. Über die Jahrzehnte seiner Auftritte hat Valnion beobachtet, dass die alten Lieder immer weniger gesungen werden. Selbst dort, wo sie ihre Wurzeln haben: „In SPD und Gewerkschaften wird vielleicht mal zum 1. Mai gesungen, aber ansonsten kaum noch“, stellt er fest. Ein Ziel des Singkreises sei es, zweimal im Jahr öffentlich aufzutreten und vor Publikum zu singen.
Kontakt
Singkreis Demokratisches Volkslied, Uli Valnion, Uhlandstraße 9, 67112 Mutterstadt, Telefon 0151/67712702, ugitar@t-online.de