Rhein-Pfalz Kreis Ein sicherer Hafen für Firmendaten
Mutterstadt. 2010 haben sich die Tore zum ersten Datacenter von Pfalzkom Manet in Mutterstadt geöffnet. Seitdem sind jede Menge Unternehmen mit ihren Servern, ihrer Software und Backup-Daten in das Gebäude eingezogen. So viele, dass der Bau eines zweiten Centers beschlossene Sache ist. Die Grundsteinlegung soll in den kommenden Monaten erfolgen.
Alles ein bisschen größer und teurer – bei den Planungen für das zweite Datacenter in Mutterstadt kleckert die Pfalzkom nicht, sie klotzt. Zum Vergleich: Das 2010 eröffnete erste Center bietet auf 700 Quadratmetern Platz für Firmen, die ihre Hard- oder Software ganz oder teilweise aus dem eigenen Haus auslagern wollen. Für das „Datacenter Rhein-Neckar II“ sind vier mal 650 Quadratmeter vorgesehen. In vier komplett voneinander getrennten und jeweils mit einem eigenen Brandschutzsystem ausgestatteten Serverräumen sollen Unternehmen aus der Metropolregion und aus der ganzen Pfalz künftig eine sichere Heimat für ihre Daten finden. 18 Millionen Euro wird Pfalzkom Manet, eine 100-prozentige Tochter der Pfalzwerke Aktiengesellschaft, aller Voraussicht nach in das Projekt investieren. Am Ende steht nach Angaben des kaufmännischen Geschäftsführers Uwe Burré das größte und modernste regionale Datenzentrum des Landes Rheinland-Pfalz – und zwar im Mutterstadter Industriegebiet, direkt neben dem großen Umspannwerk und der Netzleitstelle der Pfalzwerke. Laut Burré sind das zwei gute Argumente für den Standort Mutterstadt: „Wir hatten erst überlegt, ob wir das zweite Datacenter nicht etwas weiter vom ersten entfernt bauen sollten, aber die Gegebenheiten in Mutterstadt sind einfach optimal.“ Gemeint ist damit einerseits die sichere Stromversorgung durch direkte Nachbarschaft zu Hoch- und Höchstspannungsleitungen. Andererseits bezieht sich das auf die Anbindung mit dem von der Pfalzkom ausgebauten Glasfasernetz, das eine schnelle und von der Firma selbst verschlüsselte Datenübertragung ermöglicht. Bessere Gegebenheiten sind laut Jürgen Beyer, technischer Geschäftsführer von Pfalzkom Manet, schwer zu finden. Deshalb bekommt Mutterstadt nun sein zweites Rechenzentrum. Das liegt etwa einen Kilometer vom ersten entfernt und bietet nach Auskunft von Beyer durch den künftigen Verbund zusätzliche Sicherheit für die Kunden. Nicht ganz so optimal ist die Bodenbeschaffenheit im Südwesten Mutterstadts. Dort steigt das Grundwasser bei Schneeschmelze und in Regenzeiten bekanntlich deutlich an, weshalb besonders auf den Hochwasserschutz geachtet werden muss. Es gibt daher hohe Auflagen für den Bau des Datacenters: Vor dem ersten Spatenstich musste das Gelände erst einmal für die Arbeiten fit gemacht werden. Über 15.500 Kubikmeter Füllmasse aus dem Steinbruch Albersweiler wurden in den vergangenen Monaten auf den Boden aufgebracht. Ende des ersten Quartals soll es mit den eigentlichen Bauarbeiten für das 2600 Quadratmeter große Gebäude losgehen, für Herbst ist die Fertigstellung geplant. Im Optimalfall will Pfalzkom Manet bis dahin bereits die ersten Mieter für ihr neues Datacenter gewonnen haben. Die Chancen dafür stehen nach Einschätzung der Geschäftsführer gut. Bevor das Unternehmen die Planung für sein zweites Rechenzentrum in Angriff nahm, hat es eine Studie in Auftrag gegeben, um zu ermitteln, wie groß das Interesse regionaler Firmen an der Auslagerung ihrer Hard- und Software ist. Das Ergebnis fiel laut Burré eindeutig aus: „67 Prozent der mittelständischen Firmen in der Metropolregion denken darüber nach, Dienstleistungen von Rechenzentren in Anspruch zu nehmen.“ 15 Prozent planen demnach bereits konkret, diesen Schritt in den kommenden zwei Jahren zu gehen und 20 Prozent können sich eine Zusammenarbeit mit einem lokalen Rechenzentrum gut vorstellen. Für die Pfalzkom, deren erstes Datacenter mittlerweile zu 85 Prozent ausgelastet ist, war das so etwas wie ein Handlungsauftrag. Die Geschäftsführung sieht viel Potenzial und hat sich daher für ein deutlich größeres zweites Gebäude entschieden. „Viele mittelständische Firmen gehen heute dazu über, ihre digitalen Daten auszulagern oder wenigstens ein externes Backup anzulegen, weil sie erkennen, dass das nicht nur sicher ist, sondern dadurch auch Kosten gespart werden können“, erklärt Beyer. Wer seine Hardware im Rechenzentrum unterbringe, müsse in seinem Haus keine eigenen Serverfarmen mit speziellem Brandschutz, Klimatisierung und hohen Stromkosten unterhalten. „In den vergangenen Jahren hat die Erfahrung einiger großer Unternehmen gezeigt, dass das funktioniert, jetzt ziehen die mittleren und kleinen nach“, meint auch Burré. Als regionales Unternehmen mit engem Kontakt zu den Kunden, persönlicher Betreuung und einem eigenen Glasfasernetz habe sich Pfalzkom Manet einen guten Ruf erarbeiten können, von dem das Unternehmen in Zukunft zu profitieren hofft. Ein bisschen spielt der Firma aber auch die Safe-Harbor-Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs aus dem Oktober 2015 in die Karten. Darin befanden die Richter, dass personenbezogene Daten europäischer Unternehmen beispielsweise nicht in den USA gespeichert werden dürfen, weil die Datenschutzbestimmungen dort den hiesigen Ansprüchen nicht genügen. „Das heißt, dass viele deutsche Firmen sich eine neue Heimat für ihre Server suchen müssen – und ein sichererer Hafen sind da lokale Rechenzentren, für die das europäische Datenschutzrecht ohnehin bereits gilt“, sagt Burré. In Mutterstadt gibt es für Rückkehrer aus dem Ausland und für alle anderen Interessenten künftig sicherlich genug Platz.