DUDENHOFEN RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Pfarrer macht Dampf: Dudenhofener Pfarrer Josef Metzinger und sein Wasserstoffauto

Umweltbewusster Pfarrer: Josef Metzinger mit seinem Wasserstoffauto.
Umweltbewusster Pfarrer: Josef Metzinger mit seinem Wasserstoffauto.

Ein reines Elektroauto ist ihm nicht genug: Dudenhofens Pfarrer Josef Metzinger hat sich einen Wagen mit Brennstoffzelle gekauft. Der Hyundai Nexo wird mit Wasserstoff getankt, beim Fahren entsteht Wasserdampf als einziges Abgas. Metzingers Motivation für den kostspieligen Autokauf, für den er einen Kredit aufnahm: der Schutz der Schöpfung.

„Wir wollen alle mobil sein. Doch den ökologischen Fußabdruck vieler Fortbewegungsarten finde ich zu groß“, sagt der katholische Geistliche. Um den Ausstoß umwelt- und klimaschädlicher Gase wie etwa von Kohlenstoffdioxid und Stickoxiden bei seinen Autofahrten in der Pfarrei Heilige Hildegard zu verringern, hatte sich Metzinger schon 2014 mit dem E-Up! von VW ein Elektroauto gekauft. Der Kleinstwagen kam ein Jahr zuvor auf den Markt und wird von einem Elektromotor mit 54 PS angetrieben. Den Strom liefert eine 240 Kilogramm schwere Lithium-Ionen-Batterie mit 16,4 Kilowattstunden.

„Den E-Up! habe ich als Zweitwagen neben meinem Audi A6 genutzt“, sagt der 53-Jährige. Das Elektroauto hat nach Herstellerangaben eine maximale Reichweite von 130 Kilometern. Mit dem Audi, einem Diesel mit drei Litern Hubraum und einem Verbrauch zwischen fünf und sechs Litern pro 100 Kilometer, fuhr Metzinger weite Strecken – beruflich wie privat, etwa zum Urlauben in den Alpen. Der E-Up! brachte ihn auch bei Wind und Wetter zu seinen Gemeindemitgliedern in Dudenhofen, Harthausen, Hanhofen, Berghausen, Heiligenstein und Mechtersheim. „Bis zu sieben Kilometer sind es nach Mechtersheim“, teilt der Pfarrer mit.

Zweifel am reinen Elektroauto

Den Diesel von Audi hat Metzinger im November 2019 verkauft, den E-Up! vor wenigen Wochen, wie er erzählt. Der neue E-Up!, Modell 2019, hat zwar eine größere Reichweite – laut Herstellerangaben bis zu 260 Kilometer – und der Verkaufspreis liegt bei relativ günstigen 22.000 Euro (vom Staat gibt es bei einer Erstzulassung einen Zuschuss von 3000 Euro). Doch ein weiterer reiner Elektrowagen kam für den Pfarrer nicht in Frage. „Das war damals ein Hype der Industrie und angeblich die Lösung der Umweltprobleme. Doch zwei Jahre später las ich in der Presse, dass die seltenen Erden, vor allem Kobalt, in Afrika von Kindern abgebaut werden, die eigentlich in der Schule sein müssten. Sie werden meistens keine 30 Jahre alt“, ist er entsetzt.

Neben Kobalt führe auch die Gewinnung von Lithium zu großen Umweltschäden, hat Metzinger recherchiert. „Um eine Tonne Lithium zu produzieren, werden bis zu zwei Millionen Liter Wasser verbraucht. Für das Jahr 2020 wurde mit einem Lithium-Bedarf von mindestens 200.000 Tonnen gerechnet. Dafür würden 400 Milliarden Liter Wasser benötigt. In Südamerika fehlt es deswegen schon Dörfern an Trink- und Frischwasser“, sagt er.

Aus diesen Gründen hat sich der Pfarrer auf die Suche nach einer Alternative gemacht, die aber keinen klassischen Verbrennungsmotor haben sollte. So sei er auf das Wasserstofffahrzeug gekommen. Bei diesem habe ihn jedoch zunächst die geringe Reichweite von 300 bis 350 Kilometer abgeschreckt.

„Seit 2018 gibt es den Hyundai Nexo mit einer realen Reichweite von 650 Kilometern. Die 760 Kilometer laut Hersteller schafft er nicht ganz“, sagt Metzinger. Dieses Fahrzeug hat zwar auch eine Batterie – „ohne geht es nicht“, so der Pfarrer –, aber mit 1,6 Kilowattstunden Leistung eine relativ kleine. Den meisten Strom für den Elektromotor produziert beim Nexo eine Brennstoffzelle, in der Wasserstoff mit Luftsauerstoff zu Wasser reagiert: Dabei fließen Elektronen, entsteht also Strom, und es wird Wärme frei. Getankt wird gasförmiger Wasserstoff bei hohem Druck von 700 bar und einer Temperatur von minus 40 Grad Celsius.

Die Nachfrage nach dem Nexo sei so groß, dass er in Deutschland nicht vor 2022 zu bekommen wäre, sagt Metzinger. Dabei liegt der Listenpreis bei 69.000 Euro für die Basisversion. „So lange wollte ich nicht warten und habe mich nach gebrauchten Modellen umgeschaut“, teilt der 53-Jährige mit. In Österreich wurde er bei einem Autohaus in Wels zwischen Salzburg und Linz fündig. 77.000 Euro hat Metzinger für den Wagen mit Sonderausstattung gezahlt, der erst 3400 Kilometer auf dem Tacho hatte und bei dem Autohaus im Juli vergangenen Jahres als Vorführwagen erstmals zugelassen wurde. „Mit weniger als 6000 Kilometern zählt ein Auto noch als Neuwagen“, weiß er. Per Bahn fuhr der Pfarrer Ende Februar nach Wels und mit dem Nexo zurück nach Hause.

Ein Zeichen setzen

„Ich habe einen Kredit für den Autokauf aufgenommen, denn so viel Geld habe ich nicht“, teilt Metzinger mit. „Das Wasserstoff-Fahrzeug ist das Nachhaltigste, was es im Moment gibt“, sagt er. Aber der Pfarrer fügt gleich hinzu, dass auch der Wasserstoff nachhaltig erzeugt werden muss, um die bestmögliche Umweltbilanz zu erreichen: am besten mit dem Einsatz erneuerbarer Energien und an der jeweiligen Wasserstofftankstelle selbst. Einige Energieversorger und Tankstellenbetreiber seien schon auf dem richtigen Weg.

„Ein Wasserstofffahrzeug ist nicht perfekt. Aber ich will damit zeigen, was schon möglich ist und ein Zeichen setzen für die Entwicklung umweltfreundlicher und sozialverträglicher Technologien“, beschreibt er seine Motivation. „Wir müssen die Schöpfung bewahren“, sagt der Pfarrer. Am liebsten hätte er ein Brennstoffzellen-Auto eines deutschen Herstellers gekauft, meint Metzinger – doch die gibt es (noch) nicht.

Zur Sache: Wasserstoffauto im Alltag

Die Alltagstauglichkeit eines Wasserstofffahrzeugs hängt derzeit vor allem davon ab, ob es eine Tankstelle in Wohnortnähe gibt. Pfarrer Josef Metzinger fährt mit seinem Hyundai Nexo entweder zu einer solchen Wasserstoff-Zapfsäule nach Heidelberg, die Dudenhofen am nächsten liegt, oder nach Hirschberg an der Bergstraße bei Weinheim. Laut der App „H2.Live“ gibt es 82 öffentliche Wasserstofftankstellen in Deutschland. In unserem Nachbarland Dänemark sind es sechs Säulen, in Frankreich und Österreich jeweils fünf, in den Niederlanden drei sowie in Belgien und in der Schweiz je zwei. Die App zeigt auch an, welche Tankstelle betriebsbereit ist und welche gewartet wird oder wo es eine Störung gibt.

Für ein Kilogramm Wasserstoff zahlt Metzinger derzeit 9,50 Euro. Der Verbrauch des knapp 1,9 Tonnen schweren und 163 PS starken Nexo liegt im Schnitt bei einem Kilogramm auf 100 Kilometer; die Kraftstoffkosten sind also ähnlich wie bei einem Benziner. Die Fahreigenschaften des Wasserstoffautos sind fast identisch mit denen eines reinen Elektrofahrzeugs: Automatikgetriebe und praktisch kein Motorengeräusch machen die Fortbewegung zum Vergnügen.

Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums soll es bis Ende des Jahres 2021 bundesweit bereits mehr als 200 Wasserstofftankstellen geben. Das sollte weitere Hersteller neben Hyundai und Toyota, das den Mirai mit ganz ähnlichen Werten am Start hat, sowie Renault, das den Kompaktwagen Kangoo Z.E. H2 herstellt, zur Entwicklung und Produktion von Brennstoffzellenautos motivieren.

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