Rhein-Pfalz Kreis Ein modernes Erntedankfest
Böhl-Iggelheim. Der Hungermarsch in Böhl-Iggelheim ist ein erfolgreiches Format in Sachen aktiver Entwicklungshilfe. Am Sonntag hat er ein kleines Jubiläum gefeiert – 40 Jahre. 330 Teilnehmer absolvierten ihre Streckenvorgaben zwischen zehn und 20 Kilometern und sammelten dadurch Geld für ein soziales Aufbauprojekt im Norden Ugandas.
Eine dampfende Gemüsesuppe mit Einlage ist jetzt genau das Richtige für Johannes Mauder und Wolfram Endemann. Die beiden Männer sind, wie bereits in den Vorjahren, aus Aschaffenburg zum Hungermarsch nach Böhl-Iggelheim gekommen. Zur Mittagszeit trudeln sie nach ihrer Runde zufrieden wieder ein. „Es ist einfach eine gute Idee, eine schöne Strecke und die Projekte profitieren davon. Das ist Grund genug, mitzulaufen“, sagen sie. Und ein anderer Läufer ruft: „Ein Marsch gegen den Hunger in der Welt.“ Was 1975 als kleine Arbeitsgruppe innerhalb der katholischen Gemeinde in Böhl-Iggelheim aus der Taufe gehoben wurde und bereits zwei Jahre später ökumenisch arbeitete, ist heute ein eingetragener Verein, der Unterstützung innerhalb der Verbandsgemeinde und benachbarter Pfarreien, unter anderem Schifferstadt und Mutterstadt, erfährt. Die Organisatoren beschreiben den Hungermarsch als eine zeitgemäß erscheinende Form des Erntedankes. Trotzdem: „Hungermarsch in einem Satz erklären? Das ist gar nicht so einfach“, sagt Ursula Münster, die zweite Vorsitzende des Vereins Ökumenischer Hungermarsch Böhl-Iggelheim. Der Vorsitzende Bernd Kiefer versucht es: „Wir wollen Hardware liefern und keine Software.“ Im Klartext: Der Verein liefert den Grundstock in Form finanzieller Mittel, die im Rahmen des Hungermarsch-Projektes alljährlich gesammelt würden. Es ist Hilfe zur Selbsthilfe, denn die Ausgestaltung selbst liegt dann mit entsprechenden Partnern im jeweiligen Land. In diesem Jahr geht das gespendete Geld an ein Ausbildungszentrum für traumatisierte Frauen in Lira, Nord-Uganda. Frauen sollen dort die Möglichkeit einer kostenlosen, praktischen Ausbildung zur Näherin erhalten – der einzige Weg für sie in eine selbstständige und menschenwürdige Zukunft. Bereits um zehn Uhr am Sonntagmorgen sind die Parkplätze voll, Autos säumen die Zufahrtsstraße zum Naturfreundehaus. Dort ist Start und Ziel des Marsches, es herrscht freudiges Treiben. Die Teilnehmer können zehn oder 20 Kilometer laufen. Der Trend geht laut Kiefer zur kürzeren Strecke. Es sei ein tolles und nachhaltiges Projekt, findet die Speyererin Evelyne Otwani, die ursprünglich aus Kenia stammt. Speyer, Aschaffenburg, der Hungermarsch ist inzwischen über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. Um trotz 40-jähriger Geschichte attraktiv zu bleiben, müsse das Format immer etwas modernisiert werden, sagt Kiefer. Seit einiger Zeit werde ein Quiz speziell für Kinder angeboten. Fragen rund um den Wald und die zu absolvierende Strecke sollen einen Anreiz schaffen. Je mehr Marschierer von ihrer Tour zurückkommen, desto mehr legt sich Zufriedenheit über das Gelände des Naturfreundehauses. Es ist die Gewissheit, gemeinsam einen Fußabdruck auf der Erde hinterlassen zu haben. Wie viel Geld nun zusammengekommen ist, steht noch nicht fest. Für Januar ist die Übergabe der Spendensumme geplant. Bis Dezember kann also noch gespendet werden. Bei 39 Projekten waren es bislang insgesamt 2,1 Millionen Euro. Das macht den Verein stolz. Für dieses Jahr haben sich die Macher eine Wunschmarke gesetzt: 50.000 Euro.