Mutterstadt
Ein Memoriam-Garten für Mutterstadt
Schon vor dem offiziellen Spatenstich am Mittwoch haben die Bauarbeiten für den Memoriam-Garten auf dem Erweiterungsteil des Neuen Friedhofs in Mutterstadt begonnen. Das Herzstück ist bereits sichtbar – ein mit Steinen eingefasster Kreis, in welchen eine Zierkirsche gepflanzt wird. „Hier haben wir Urnenpartner- und -einzelgräber mit Grabplatten in Blattform aus Sandstein geplant“, berichtet Karl Mistler, der kurz vor dem Spatenstich noch Steine schleppt und festklopft. Mistler ist im Auftrag der Gemeindeverwaltung Planer und Gestalter des Areals und in Mutterstadt für sein Blumenhaus bekannt. Unterstützung erhält er von seinem Ludwigshafener Kollegen Thorsten Wenzel. Wenzel, ebenfalls Gärtner, ist ehrenamtlich im Aufsichtsrat der Genossenschaft der Friedhofsgärtner in Rheinland-Pfalz tätig. Die Genossenschaft verwaltet treuhänderisch alle eingezahlten Gelder für die Grabpflege und stellt damit sicher, dass die Verträge mit den Angehörigen über eine Dauergrabpflege korrekt eingehalten werden.
Grün und blühend das ganze Jahr
„Das Pflanzloch für den Baum ist geschafft“, sagt Wenzel. „Wir mussten, weil die Erde hier durch dauernde Aufschüttungen sehr verdichtet ist, eine Drainagebohrung durchführen. Wir wollen ja, dass alle Pflanzen möglichst schnell angehen und sicher gedeihen.“ Denn eine ganzjährig grüne und blühende Bepflanzung macht den Charme von Memoriam-Gärten aus. „Auch, wenn die gegenwärtige Blühwiese dann der Vergangenheit angehören wird, haben wir auf eine ökologische, saisonale Bepflanzung geachtet“, betont Karl Mistler.
„Es wird schön aussehen und es wird sowohl Erdbestattungsgräber für ein beziehungsweise zwei Bestattungen als auch unterschiedliche Formen von Urnengräbern und ein Urnengemeinschaftsgrabfeld geben“, erläutert die Erste Beigeordnete Andrea Franz (SPD). Besonders erfreulich sei die zügige Planung mit allen Beteiligten und die Umsetzung innerhalb eines Jahres. Mistler, der mit dem Bau des Memoriam-Gartens in Vorleistung geht, rechnet für den ersten Bauabschnitt mit etwa 25.000 bis 30.000 Euro. „Je nach Nachfrage werden wir dann die nächsten beiden Abschnitte anlegen. Insgesamt wird der Memoriam-Garten eine Fläche von rund 800 Quadratmetern besitzen.“ Dass er seine Kosten gedeckt bekommt, ist für Mistler keine Frage. „Wir haben schon seit Jahren Anfragen nach dieser Bestattungsform aus der Bürgerschaft“, bestätigt Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD).
Alle Formen der Bestattung abdecken
Die Vorteile dieser Bestattungsform liegen neben der natürlichen Ästhetik auch darin, dass zu Lebzeiten Grabpflegeverträge geschlossen werden können, um die Hinterbliebenen nicht zu belasten. Grabpflege sei ebenfalls kein Thema, da sich der Friedhofsgärtner – in diesem Fall Karl Mistler – darum kümmert. Und schließlich sind Memoriam-Gärten eine auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbare Alternative zu Friedwäldern. „Baumbestattungen wollen wir übrigens künftig ebenfalls auf unserem Friedhof anbieten“, sagt Rüdiger Geib von der Friedhofsverwaltung und verweist auf zahlreiche nachgepflanzte Bäume im älteren Teil des Friedhofs. „Somit decken wir in Mutterstadt alle Bestattungsformen ab.“ Zur Belegung frei wird der erste Teil ab dem neuen Jahr sein.
Zur Sache
Memoriam-Gärten (Gärten der Erinnerung) sind parkähnliche Abschnitte auf Friedhöfen, die mehrere Bestattungsarten zulassen. Für die Gestaltung gibt es einheitliche Vorgaben des Bundes der deutschen Friedhofsgärtner. So soll es möglichst keine Grabeinfassungen, aber geschwungene Wege geben, die der Anlage eine natürliche Anmutung verleihen.